Maria Adolfsson – Doggerland. Fester Grund


Maria Adolfsson – Doggerland. Fester Grund

Ein wenig neidisch ist Karen Eiken Hornby schon auf Luna, die berühmteste Sängerin von Doggerland, die eine geheimnisvolle Aura umgibt, der auch Karens Partner Leo offenbar gerade verfällt. Nach Jahren des Rückzugs will die Sängerin wieder ein Album veröffentlichen und hat nun im Geheimen die Aufnahmen mit Leo und dem Team gemacht. Als sie zu den finalen Aufnahmen nicht erscheint, wird Karen gebeten, inoffiziell zu ermitteln, nur wenige Tage später jedoch gibt es schon wieder Entwarnung und Karen kann sich einem viel dringenderen Fall widmen: ein Serienvergewaltiger scheint wieder zugeschlagen zu haben. Nachdem er bereits im Herbst Frauen brutal misshandelt hat, ist nun ein weiteres Opfer zu beklagen und wieder kann dies kaum Angaben zum Täter machen. Vier Frauen, die nichts gemeinsam zu haben scheinen, doch irgendetwas muss sie verbinden. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, vergräbt sich Karen in die Nachforschungen – bis ihre Ärztin sie bittet, sofort vorbeizukommen.

„Fester Grund“ ist der Abschluss der Doggerland-Trilogie der schwedischen Autorin Maria Adolfsson. Die Inselgruppe zwischen Dänemark und Großbritannien, die einst die britischen Inseln mit dem Kontinent verband, liegt heute versunken in der Nordsee. In ihren Romanen macht Adolfsson sie zum Schauplatz der Ermittlungen ihrer eigenwilligen Kommissarin Karen Eiken Hornby, die im Abschlussband gleich zwei Fälle bearbeiten muss, während sie selbst ziemlich angeschlagen ist.

Die Suche nach der Sängerin Luna wird zunächst vor allem durch negative Emotionen Karens geprägt, sie ist sich ihrer Beziehung zu Leo, die nach wie vor weitgehend undefiniert ist, nicht sicher und lässt sich durch die strahlende Diva völlig aus dem Gleichgewicht bringen. Dies hindert sie zwar nicht daran, genauso akribisch und ernsthaft wie immer ihre Nachforschungen zu betreiben, aber die Stimmung zu Hause ist mehr als vergiftet. Auch der zweite Fall geht ihr nahe, die Brutalität, mit der der Täter immer wieder zuschlägt, ist kaum auszuhalten. Offenkundig treibt ihn ein tiefer Hass, was für sie die Vermutung nahelegt, dass er seine Opfer gekannt und sich von diesen gedemütigt gefühlt haben könnte.

Nachdem mich „Fehltritt“, der erste Teil der Reihe, restlos begeistern konnte, weil Adolfsson eine unglaubliche Welt erschaffen hat, die man sich mit dem rauen Klima leicht bildlich vorstellen kann, ließ mich „Tiefer Fall“ etwas enttäuscht zurück, da sich hier die Handlung etwas in sich selbst verirrt hatte. „Fester Grund“ punktet dieses Mal nicht mit der Insellandschaft, sondern mit zwei interessanten Fällen und einer wieder überzeugenden Protagonistin, die neben dem scharfen Verstand und auch ihre Schwächen offenbart und so genau jenen Bruch zwischen mutiger, unerschrockener Ermittlerin und leicht zu verunsichernden Partnerin schafft, der sie zu einer vielseitigen und authentischen Figur macht.

Ein klassischer nordic crime, der keine Wünsche offenlässt, außer vielleicht jenem, dass die Trilogie auch bei uns fortgesetzt wird, im schwedischen original ist nämlich inzwischen ein vierter Band erschienen.

Maria Adolfsson – Tiefer Fall (Doggerland 2)

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Maria Adolfsson – Tiefer Fall (Doggerland 2)

Eigentlich muss sich Karen Eiken Hornby noch von ihrem letzten Einsatz erholen, als sie der Anruf ihres Chefs mitten in den Weihnachtsfeierlichkeiten erreicht, ist sie jedoch sofort bereit, zurück in den Dienst zu kehren und in dem Mordfall auf der nördlichen Doggerland-Insel Noorö zu ermitteln. Ein alter Mann wurde tot zu Fuße der Klippen aufgefunden, die Spuren deuten allerdings klar auf ein Verbrechen hin. Als wenige Tage danach ein zweiter Mord geschieht, steht für Karen außer Frage, dass diese in Zusammenhang mit der örtlichen Whiskybrauerei stehen müssen. Während sie im eiskalten Norden ermittelt, gerät eine ihrer Freundinnen zu Hause in arge Bedrängnis und benötigt dringend ihre Hilfe.

Mit „Tiefer Fall“ setzt die schwedische Autorin Maria Adolfsson die Serie um die Kriminalinspektorin Karen Eiken Hornby und die fiktiven Doggerland Inseln in der Nordsee fort. Wie auch schon im Vorgänger gelingt es ihr, die erfundenen Inseln glaubwürdig und anschaulich zu gestalten, alles wirkt stimmig und wieder einmal stehen Natur und Mensch in einem interessanten Wettkampf miteinander. Der Kriminalfall indes kann mich in der Fortsetzung nicht überzeugen, zu lange braucht der Roman, bis endlich Spannung aufkommt.

Der Roman setzt unmittelbar da an, wo „Fehltritt. Doggerland 1“ aufhörte, die Kenntnis dieser Handlung ist zwar nicht unbedingt vonnöten, hilft aber sehr, um die Figuren und ihre Beziehungen zueinander einordnen zu können. Die traditionell eher gemächliche Weihnachtsstimmung gibt es im Haus der Kriminalinspektorin zwar nicht, aber den Roman legt sie trotzdem ziemlich lahm. Die ersten hundert Seiten schleppen sich geruhsam dahin, ohne dass sie wirklich packen können.

Erschwerend kommt hinzu, dass man bei dem Familienunternehmen um die Destillerie schnell den Überblick verliert, zu viele Namen und Figuren, die kaum auseinanderzuhalten sind und gleichzeitig dröselt die Inspektorin ihren eigenen komplexen Familienstammbaum auf der Insel auf, so dass man irgendwann vollends den Überblick verliert.

Der Fall wird immer wieder durch Nebenhandlungen in den Hintergrund gedrängt, was die Lösung nicht wirklich voranbringt. Mit dem zweiten Mord kommt zwar plötzlich Fahrt auf – die zweite Hälfte ist insgesamt nennenswert überzeugender und spannender – aber da hat das Buch leider schon viel an Punkten eingebüßt. Tatsächlich fand ich den Fall um häuslichen Missbrauch auch weitaus interessanter und überzeugender als die Ermittlungen um die Getöteten.

Nach einem überzeugenden ersten Teil nun leider nur ein mittelmäßiger Nachfolger, der vor allem durch den langatmigen Beginn einiges an Energie gezehrt hat.

Maria Adolfsson – Doggerland: Fehltritt

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Maria Adolfsson – Doggerland: Fehltritt

Nach dem großen Austernfest auf Doggerland kehrt die Kommissarin Karen Eiken Hornby verkatert nach Hause zurück. Sie sieht noch ihre Nachbarn Susanne aus der Ferne bevor sie in Tiefschlaf fällt aus dem sie brutal ein Anruf reißt: sie soll zum Tatort kommen, Susanne wurde ermordet. Nicht genug, dass die allein lebende Frau bestialisch hingerichtet wurde, sie ist auch noch die Ex von Karens Chef, der natürlich als einer der ersten unter Verdacht gerät. Doch er scheidet als Täter, aber nun ebenso als Ermittler aus, weshalb Karen die Verantwortung für die Aufklärung des Falls tragen muss. Keine leichte Last, denn es gibt quasi keinerlei Spuren, die zu einem Schuldigen führen könnten. Der Druck wächst auf Karen, ist sie der Aufgabe, der sie so lange entgegengesehnt hatte, doch nicht gewachsen?

Dass Schweden reihenweise hervorragende Krimiautoren hervorbringt, ist nichts Neues. Dazu gehört sicherlich auch Maria Adolfsson, die mit ihrer Doggerland Reihe ein wirklich beachtliches Debüt vorlegt. Ungewöhnlich an der Reihe – Ullstein hat bislang drei Bände angekündigt – ist der Handlungsort: die fiktiven Doggerschen Inseln, die sich in der Nordsee zwischen Dänemark, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich befinden.

In „Fehltritt“ stimmt schlicht und ergreifend alles: eine interessante Protagonistin, die weder Übermensch noch psychisch völlig am Ende ist, die ihre guten wie auch die weniger sympathischen Seiten hat, aber durch die Handlung hindurch menschlich und authentisch wirkt und zunehmend an Profil gewinnt. Ein Fall, der sehr lange offen bleibt und nur durch systematische und gute Polizeiarbeit gelöst wird und keinerlei Kommissar Zufall erfordert, der den Ermittlern mal eben aus der Patsche hilft. Die Handlung war für mich auch völlig ausgeglichen zwischen dem Privatleben der Figuren und der eigentlichen Krimihandlung, Karens Leben außerhalb des Reviers war perfekt dosiert, um sie als Figur greifbar zu machen aber nicht zu stark den Fokus vom eigentlichen Geschehen abzulenken. Der Schreibstil überzeugt ebenfalls, der Roman ist kein Psychothriller mit dauerhafter Anspannung am Anschlag, sondern ein solider Krimi, bei dem die Polizeiarbeit im Vordergrund steht.

Für mich jedoch am beeindruckendsten war der Handlungsort: die Autorin hat eine fiktive Welt erschaffen, die jedoch durch und durch glaubwürdig und vorstellbar erscheint. Es ist nicht nur die Landschaft, die natürlich eine gewisse skandinavische Prägung aufweist und zu dem rauen Nordseeklima passt, sondern auch die Menschen, die als Siedler verschiedenste Einflüsse Dänemarks, Norwegens und Schwedens, aber auch der Niederlande aufweisen und die fiktive Sprache, die mit einigen Worten eingeworfen wird, so als Mischung herausbilden. Die Autorin hat Details erschaffen wie eine mystische Sage, die die Entstehung des Eilands begründet, wie auch Vorbehalte und Vorurteile zwischen den Bewohnern im Norden und im Süden. Zu keiner Sekunde hat man Zweifel daran, dass es diesen Ort real geben könnte.

Auf die weiteren Fälle wird man leider in deutscher Übersetzung noch einige Zeit warten müssen – das ist aber auch der einzige Wermutstropfen.