Cristina Alger – Das Kartenhaus

Cristina Alger – Das Kartenhaus

Annabel ist am Boden zerstört als sie erfährt, dass ihr Mann Matthew bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Aber wie kann das sein? Er sollte bei einem Kunden in Zürich sein und nicht in London und wer war die ominöse Schönheit, der der Privatjet gehörte? Dies sind nur die ersten Fragen, die sich der ehemaligen Galeristin stellen. Bald schon wird für sie offenkundig, dass die Genfer Privatbank, bei der ihr Mann beschäftigt war, auch zweifelhafte Kunden hofierte und ihnen dabei half, Geld zu verstecken. Aber dies ist nur die moralisch verwerfliche Seite, die brutale lernt sie bald ebenso kennen und muss feststellen, dass auch sie selbst in Gefahr schwebt, wie auch Matthews Assistentin Zoe und die Journalistin Marina, deren Chef gerade ermordet wurde, da er offenbar eine undichte Stelle bei der Bank ausmachen konnte.

Cristina Algers Thriller erweckt zunächst den Anschein, sich vorrangig um die Trauer der jungen Witwe und die Aufklärung des Flugzeugabsturzes ihres Gatten zu drehen. Die parallel erzählte Geschichte um Marina, einer investigativen Journalistin, die sich jedoch auf die Hochzeit und dann die Aufgaben als repräsentative Gattin eines Spross einer New Yorker Superreichenfamilien vorbereitet, schafft lange nur lose Verbindungen. Über die beiden Frauenfiguren war ich zugegebenermaßen etwas entsetzt, erfolgreiche und clevere Frauen, die mir nichts dir nichts ihre Karriere für die Ehe hinschmeißen und im braven Hausweibchen-Dasein die Erfüllung finden, können mich leider nur wenig begeistern. Glücklicherweise hat die Autorin diesbezüglich jedoch den Dreh gefunden und weiblichen Figuren nicht ins Dummchen-aber-hübsch-Kabinett verfrachtet.

Die Geschichte wird zunehmend komplexer als man mehr über die dubiosen Machenschaften und die internationalen Verstrickungen der Finanzwelt erfährt. Geld, Macht und Skrupellosigkeit scheinen Hand in Hand zu gehen und jede Form von Respekt gegenüber Menschen vermissen zu lassen. Der Roman greift geschickt das auf, was man in den letzten Jahren wiederholt erleben durfte: Whistle-Blower, die ihr Leben riskieren, um unmoralische und illegale Geschäfte an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Figuren werden dabei ganz persönlich gefordert sich zu positionieren und ihre Ideale dem schönen Leben im Reichtum gegenüber abzuwägen. Gut und Böse bleiben lange diffus, was die Geschichte recht authentisch macht.

Ein spannender Thriller mit letztlich interessanten Frauenfiguren, da es nebenbei auch gelingt, die vorherrschenden Schubladen, in die Frauen gepresst werden, kritisch zu betrachten.

Cristina Alger – The Darlings

cristina alger the darlings
Cristina Alger – The Darlings

The Darlings are one of new York’s most famous families. Carter Darling’s investment company makes tons of money, mother Ines is still the most stunning woman at all gala events and their two daughters Merrill and Lily have found perfectly fitting husbands and fulfil their roles of the clever and the beautiful also impeccably. When one of Carter’s business partners commits suicide, the family has to face a crisis they have never seen before and, first and foremost, they have to admit that some things are just not what they pretended them to be: Carter is not the honest businessman, Ines is not the wife who still loves him after all those decades together, and family does not come first, when they feel threatened. What starts with one man taking his life, ends in one of the biggest finance scandals New York has ever seen and the Darlings are at the very centre of it.

Cristina Alger’s novel is a combination of a highly complex financial fraud thriller and a very personal family drama in which almost all characters are put to a test: what are their values, how far are they willing to go to protect their loved ones, how much more important can money be than the lives of people? The mechanics of both, the financial world and a family with their closest friends, are laid open and show the darkest corners of human nature.

Admittedly, “The Darlings” is not a fast paced thriller which keeps you alert all the time. Even though the plot covers just a couple of days and actually moves quite quickly, the author chose to rather go into depths with her characters which I liked a lot since it gives a lot more insight in their thoughts and makes their decision-making a great deal more comprehensible. The sheer number of characters wasn’t easy to manage at the beginning and understanding the connection between them took some time, but in the end, it was all very cleverly connected and set up and no questions was left unanswered. This might be difficult for some readers who prefer a speedy thrill, yet, for those who like stories about human beings and their nature, it is a great read.