Antonio Ruiz-Camacho – Denn sie sterben jung

antonio-ruiz-camacho-denn-sie-sterben-jung
Antonio Ruiz-Camacho – Denn sie sterben jung

Noch machen die Mädchen Pläne für ihrem Sommertrip nach Italien, doch sie ahnen nicht, dass sich das Leben des gesamten Clans schlagartig ändern wird. Als der Patriarch José Victoriano Arteaga nicht nach Hause kommt, ist seiner Familie schnell klar, was geschehen sein muss, denn das Leben in Mexico Stadt folgt klaren Regeln und die werden vom Gesetz der Straße bestimmt. Zu bleiben ist keine Option und so flüchten sich die Familienmitglieder in die USA und nach Europa, wo sie zwar Sicherheit, aber nicht unbedingt das Glück finden. Acht Kapitel, acht Neuanfänge in der Fremde und eine Familie, die sich langsam verliert und auf unterschiedliche Weise nicht ankommt.

Wenn man Meldungen au Mexico verfolgt, sind die meist durch Gewalt, Bandenkriege und Drogenkartelle bestimmt. Die Oberschicht verschanzt sich hinter hohen Mauern und allerlei Sicherheitsvorkehrungen, am anderen Ende der Gesellschaft kämpft man täglich ums Überleben. Carlos Ruiz-Camacho ist in dieser Welt aufgewachsen, als Sohn eines Unternehmers ist er in der Umgebung großgeworden, die auch die Mitglieder der Familie Arteaga kennen, seit mehr als zehn Jahren lebt der Journalist jedoch in Texas und berichtet über die schwierige Situation in seiner Heimat, vor der sich nur wenige flüchten können.

So verschieden die einzelnen Charaktere, so verschieden sind auch die Geschichten, die sie in der neuen Heimat erleben. Nur verbunden durch die Blutsbande und den Patriarchen, der aus dem Off kommentiert, ergibt sich erst in der Gesamtschau ein Bild der Familie, die glücklicherweise durch einen Stammbaum zu Beginn des Buchs dargestellt wird. Manche der Stories haben mich mehr berührt, wie etwa die des achtjährigen Bernardo, der wider Willen nach Palo Alto verfrachtet wurde und dort einfach nicht ankommt, sondern nur auf die Rückkehr nach Hause wartet. Die Teenager Homero und Ximena sind unterdessen in Manhattan auf sich allein gestellt, wann und ob die Eltern wieder kommen, bleibt unklar, nur dass die Ratten in ihrer schäbigen Unterkunft Obdach gefunden haben, steht außer Frage. Auch die Geliebte des Patriarchen und ihr gemeinsamer Sohn versuchen sich mit der Situation zu arrangieren, wobei sie lange gar nicht ahnen, in welcher Gefahr sie womöglich schweben.

Das Debüt wurde von den Feuilletons insgesamt sehr positiv aufgenommen und tatsächlich kann jede einzelne Erzählung durch den genau passenden Ton für die jeweiligen Protagonisten überzeugen. Interessant ist auch, dass nicht das Gewaltverbrechen im Zentrum steht, sondern das, was mit den Personen drumherum geschieht, deren Leben schlagartig völlig aus der Bahn geworfen wird. Ein erhellender und unterhaltsamer Blick in eine mir völlig fremde Welt, der mich auch neugierig auf Literatur aus Mexico machen konnte – für mich ein weitgehend blinder Fleck in der Literaturlandschaft.

Roberto Saviano – The Piranhas

roberto-saviano-the-piranhas
Roberto Saviano – The Piranhas

Nicolas Fiorello is only fifteen when in Naples the forces between the clans are severely shaken. He is clever, his teachers have realized this already, and he is a naturally born leader. He sees his parents working hard every day and getting nowhere, this is not the life he dreams of. So what he does is fill the gap that has opened up. He creates his own paranza, a group of boys who are going to take over first the quarter, then the whole town. With an initiation ritual he binds them to him, he negotiates hard with the clan elders and thus the group of boys become the most feared clan in their neighbourhood.

Roberto Saviano knows the Italian mafia well, he has written several books on the clan structures of his native country and for many years now he has lived under police protection since he made himself enemy number one of the mafia. “The Piranhas” is a fictional work that nevertheless gives deep insight in how life works in those parts of Italy that are controlled my mafia clans and it is easy to imagine that something like a youth gang could actually take over and terrorize a community.

His protagonist Nicolas isn’t the classic “bad boy” as you know him. Actually, he is quite sympathetic and his cleverness speaks for him. The way he plans his next steps, how he can oversee the whole process of creating and leading a group, his ideas of creating sense of belonging by using rituals and imposing strict rules and punishments – that’s just impressive. You hardly realise that he is only a boy and supposed to go to school and just worry about his first girls friend. On the other hand, is seems to be far too easy to buy weapons, to get in the drugs business and to become the leader of the most feared pack. I cannot really say if this is authentic and credible since I do not have the least clue about these things.

The plot is cleverly constructed towards a final showdown, the characters are interestingly drawn and the topic surely is still as relevant as it has been for many years now.