Patrick Hoffman – Clean Hands

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Patrick Hoffman – Clean Hands

Elizabeth is used to a high working load and stress, but this situation might bring her down. One of her young lawyer’s phones has been pickpocketed and he had neither security nor lock on it – but highly sensitive data on their current case. The best woman to take care of such a mess is Valencia Walker, former CIA officer and fixer of unsolvable cases. Indeed, she and her team can track the phone down immediately, but nevertheless, some blackmailing takes place. While Valencia sets everything in motion to stop any more harm from occurring, Elizabeth wonders why she is doing all this and if she shouldn’t just give all up, not knowing what else there is to come.

Patrick Hoffman’s mystery novel seems to be quite obvious from the start: a young and inexperienced lawyer who is threatened and therefore sells his boss. Then, some young and rather stupid men who are simply lucky and can seize a chance when it presents itself in front of them. Quite naturally, things become a bit complicated and tricky for Valencia and her team and then – you realise that this isn’t the point of it at all.

The story advances at quite some high pace with some parentheses every now and then which provide some more depth and insight and which slow the plot down a bit so that you can take a breath before it regains speed. The number of characters makes it a bit hard at times not to lose the thread, but overall, I can only conclude that the plot is brilliantly crafted and none of what happens could be foreseen from the beginning.

Even though it is clearly fiction and I don’t tend to be prone to believing any conspiracy theories about governments or any agencies carrying out secret missions in the homeland, there are some aspects of the story which at least made me ponder about the probability. That’s what I totally appreciate in a good novel: being hooked from the start and having something lingering in my mind after the last page.

Adrian McKinty – Alter Hund, neue Tricks

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Adrian McKinty – Alter Hund, neue Tricks

Teilzeitpolizist Sean Duffy ist schon auf dem Weg zur Fähre zurück zur Familie, als sein Chef ihn bittet, sich um einen Mord zu kümmern. Lawson ist im Urlaub und so bleibt nur Duffy, allerdings ist es keine große Sache, ein Autodiebstahl, der scheinbar aus dem Ruder lief. Am Tatort wird Duffy jedoch schnell klar, dass der Fall wohl ganz anders gelagert ist, denn der Tote hat in seinem Haus nichts, was auf seine Identität schließen ließe. Die Nachbarn kennen ihn nur als vermögenden Maler, seine Telefonverbindungen lassen jedoch schlimmes ahnen: regelmäßig rief er eine Telefonzelle in der Republik Irland an, die ziemlich eindeutig einem IRA Funktionär zugeordnet werden kann. Duffys Ehrgeiz ist geweckt, auch wenn sich die Zeiten verändern, ein Bulle bleibt ein Bulle und muss nun einmal tun, was er tun muss. Also rennt er wie immer Mitten in die lebensgefährliche Katastrophe.

Auch in seinem achten Fall wird der Detective der nordirischen Polizei nicht müde und kämpf unermüdlich gegen das Böse an, das dieses Mal aus einer völlig unerwarteten Ecke kommt. Erwartungsgemäß bedient der Ich-Erzähler die liebgewonnenen Klischees, ärgert sich über die Veränderungen der modernen Zeit und gelangt mit Scharfsinn, guter Beobachtungsgabe und dem notwendigen Quäntchen Glück auf die Spur der Täter. Ein routiniert erzählter Thriller, der wieder einmal einiges an Action bietet, aber dahinter eine komplexe und überzeugend konstruierte Geschichte zu bieten hat.

Als Reservist hat sich Duffy schon an die gemütlichere Gangart gewöhnt, an den wenigen Tagen im Revier geht er mit Routine seinen Tätigkeiten nach, in der Coronation Road erzählt er mit dem Kater, auch wenn dieser im schottischen Zuhause weilt, genießt seine Plattensammlung und lässt es ruhig angehen. Da ist der Reiz eines echten Mordfalles natürlich groß und so stürzt er sich kopfüber hinein. Wie immer kommentiert er scharfzüngig und selbstironisch sein eigenes Vorgehen, eher selten nach Handbuch und oft sogar weit jenseits der gesetzlichen und moralischen roten Linie. Aber im Nordirland von 1992 herrschen immer noch kriegsähnliche Zustände und die erfordern nun einmal besondere Maßnahmen.

„Und jetzt kommt kein Milchmann mehr?“

„Nein, nie wieder“, sagte sie.

„Und die Flaschen?“

„Flaschen gibt es jetzt nicht mehr, glaube ich. Jetzt gibt es Milch nur noch im Karton.“

„Und was nehmen die Kinder dann für die Molotow-Cocktails?“

Es fällt einem schwer diese Protagonisten nicht zu lieben. Trotz seines, euphemistisch ausgedrückt, unkonventionellen Vorgehens folgt er doch einem gewissen Ehrenkodex und schafft es sogar, übelste Burschen dieser seltsamen Logik folgend ordentlich zu behandeln. Er hat das Herz am rechten Fleck und lässt sich trotz zwanzig Jahre zermürbender Polizeiarbeit nicht von der Idee von einem Minimum an Recht und Ordnung abbringen.

Die Troubles leben in den Büchern der Reihe wieder auf, es ist nur schwer vorstellbar, unter welchen Bedingungen die Menschen lebten, so dass brennende Autos, Gewehrsalven und hin und wieder auch Explosionen nur noch mit einem Schulterzucken quittiert wurden. McKinty gelingt es diese dunkle Seite europäischer Geschichte begreifbar zu machen und daran zu erinnern, wie tief Vorbehalte sitzen und wie fragil womöglich der Friedensprozess aus ist. Das Ganze wird wieder einmal brillant in einen spannenden Kriminalfall mit hohem Tempo eingebettet, der fern eines simplen schwarz-schweiß/Freund-Feind-Schemas in der ganz oberen Liga der Thriller spielt.

Paul Vidich – The Coldest Warrior

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Paul Vidich – The Coldest Warrior

1953 – the Korean War has ended, but the Cold War emerges and the intelligence services’ nerves are frayed. When CIA officer Dr Charles Wilson dies under blurry circumstances, all information is closed down immediately. It will take twenty-two years until his death gets the attention it deserves. He “jumped or fell” from the ninth floor of a Washington hotel and his family is now demanding answers. Jack Gabriel, an old friend of Wilson’s, also an agent himself, starts digging and the deeper he gets, the more coincidental deaths among key witnesses this cases produces. Somebody tries to hide something and Gabriel soon has to ask himself how much he is willing to risk for the truth.

Paul Vidich narrates a fictional story based on the real events of the mysterious death of Frank Olson, CIA employee and biological warfare expert. The author has seen himself what the agency’s policy of secretiveness can do to a family: Olson was his uncle and he could witness the family’s grief at close range.

 “That was the story of the Agency then. We could do whatever we wanted because we were fighting the Soviet Union.”

The CIA killed its own men if need be. What sounds like the plot of a superb spy novel today, was a reality back then. As Vidich recalls, raising the subject at family reunions was a taboo, even though somebody suffered a terrible injustice, everybody remained silent and thus approved of the methods. Reading about the disclosure of Wilson’s/ Olson’s murder makes you oscillate between fascination and abhorrence. A lot has been revealed about the dark sides of espionage and spying, nevertheless, I am still stunned each time I read about how ruthless the business can be and how little a human life counts.

It is remarkable how Vidich manages to transport the story in an entertaining way even though he is that close to the case. A fast paced read that gives much more insight than you could ever wish for.

Amaryllis Fox – Life Undercover

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Amaryllis Fox – Life Undercover

Jeder kennt sie, die Bücher und Filme über die Agenten, die für CIA, MI6, DGSE oder Mossad gefährliche Aufträge ausführen und die Welt vor den Schurken bewahren. Doch die schillernden Figuren der Unterhaltungsindustrie zeigen nur die eine Seite, auf der sie stark und unverwundbar sind und von einem Kampf in den nächsten ziehen. Ihre Zweifel sieht man selten und noch viel weniger weiß man darüber, wo sie herkommen und wie sie zu dem geworden sind, was uns beim Zusehen so fasziniert. Amaryllis Fox ist eine von ihnen, ein Jahrzehnt ihres Lebens hat sie in den Dienst der CIA gestellt, geheime Missionen unternommen, um ihr Land vor Anschlägen zu schützen. Ein Leben mit fremden Identitäten, die sie selbst vor ihrer Familie und Partner geheim halten musste.

„Einen Garten anzulegen ist der höchste Akt des Glaubens an ein Morgen.“

Dieses Zitat, das die Agentin schon als kleinen Mädchen an einem Schild im Nachbarsgarten gelesen hat, bringt ihre Motivation auf den Punkt: sie will die Welt ein bisschen besser machen, ihren Beitrag zum Frieden leisten. Sie wächst auf zwischen den USA und Großbritannien, der Vater ist beruflich viel unterwegs und Umzüge alle paar Jahre gehören zum Alltag. Schon früh beginnt sie sich für Politik zu interessieren und eine Schulaufgabe über Aung San SUU Kyi, damals gewaltfreie Kämpferin für die Demokratie in ihrer Heimat Myanmar, wird bestimmend für den Weg sein, den sie einschlägt.

Es braucht die Erzählung über ihre Kindheit und Jugend, um zu verstehen, weshalb Amaryllis Fox sich für diese Karriere und gegen die Arbeit bei Hilfsorganisationen entscheidet. Die Ausbildung ist intensiv und anstrengend, immer überschattet von der Angst, doch noch aussortiert zu werden, es nicht zu schaffen, den Anforderungen nicht zu genügen. Und doch können diese Monate und Jahre sie nicht auf das echte Leben vorbereiten, wenn plötzlich Beruf und Privatleben – und in ihrem Fall auch noch ein Kind – unter einen Hut gebracht werden müssen.

Fox schildert die Seite, die sonst verborgen bleibt. Die Angst, die omnipräsent ist und drohend über ihr und ihrer Familie schwebt. Sie stellt ihr Tun auch infrage und im Laufe der Jahre, insbesondere nachdem sie Mutter geworden ist, nehmen menschliche Aspekte zunehmend mehr Raum bei der Beurteilung einer Lage ein. Es ist ein Bericht aus dem Innersten der CIA, sie gibt Einblick in strategische Denkweisen und die bisweilen zermürbende Detailarbeit, die zu dem Job gehört, der in der Realität viel weniger glamourös ist als auf der Leinwand.

Sicherlich ist Amaryllis Fox eine ungewöhnliche Frau, mit nicht einmal zwanzig Jahren wurde sie rekrutiert und gehört allein schon wegen ihres Geschlechts zu einer absoluten Minderheit. „Life Undercover“ sind eine Art Memoiren, die keine Abrechnung mit dem Geheimdienst sind; sie hat sich aus nachvollziehbaren Gründen für diese Arbeit entschieden und daran ändern auch Jahre mit falscher Identität nichts. Ihre analytischen Fähigkeiten erlauben es ihr auch hier Emotionen unter Kontrolle zu halten, die sie in der Zusammenarbeit mit ausländischen Informanten braucht, um Beziehungen und Vertrauen aufzubauen, die bisweilen ihr einziger Schutz sind.

Spannende Einblicke in die Arbeit der CIA, die jedoch viel mehr die interessante Frage danach beantwortet, was diese mit den Menschen macht als dass spektakuläre Geheimnisse offenbart würden.

Ein herzlicher Dank geht an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar. mehr Informationen zu Autorin und Buch finden sich auf der Verlagsseite.

Daniel Silva – Der russische Spion

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Daniel Silva – Der russische Spion

Ein eigentlich routinierter Fall für die Geheimdienste: ein Doppelspion will brisantes Material über die Russen liefern und dafür bei den Engländern untertauchen. Gabriel Allon und sein Team wollen ihn in Wien in Empfang nehmen und an den MI6 übergeben, doch dazu kommt es nicht, denn der Mann wird auf offener Straße erschossen. Offenbar war man in Moskau informiert und dafür gibt es nur einen Grund: in den Reihen der Briten muss es einen Maulwurf geben. Diese leugnen dies, doch für den Chef des israelischen Dienstes ist der Fall klar. Doch als sein Kandidat in Bern ums Leben kommt, kommen ihm Zweifel: ist er auf eine geschickt gelegte falsche Spur hereingefallen? Womöglich, aber an den Maulwurf glaubt er immer noch und ist bereit alles dranzusetzen, diesen aufzudecken. Er ahnt nicht, wen er ins Visier nimmt und wie schlimm der MI6 tatsächlich unterlaufen wurde.

Auch im bereits 18. Fall von Daniel Silvas Superagenten des israelischen Geheimdienstes ist dieser kein bisschen müde, sich mit den größten globalen Verbrechern anzulegen. Hat er in den letzten beiden Fällen noch die islamistischen Terroristen gejagt, steht nun ein ungewöhnlich klassischer Fall im Vordergrund. Auch wenn der Kalte Krieg seit nunmehr 30 Jahren beendet ist, taugt die Konfrontation zwischen Ost und West noch immer zu großer Unterhaltung und so ist „Der russische Spion“ ein Thriller nach dem bewährten Muster der großen britischen Agenten James Bond oder George Smiley. Nur dass es der Chef des Mossad ist, der fast im Alleingang gegen die russische Übermacht kämpft.

„Gabriel klappte seinen Aktenkoffer auf und nahm drei Gegenstände aus dem Geheimfach. Eine Geburtsurkunde, eine Heiratsurkunde und ein in der Jesus Lane in Cambridge heimlich gemachtes Foto. Übel, dacht er. Verdammt übel.“

Die Erwartungen werden einmal mehr voll erfüllt. Ein spannungsgeladener Thriller, der zunächst einige undurchschaubare Verwicklungen liefert und dann das Katz-und-Maus-Spiel eröffnet. Interessanterweise lehnt sich Silva dieses Mal an eine reale Figur an: Kim Philby, ein britischer Geheimdienstmitarbeiter, der als einer der bekanntesten Doppelagenten und Informationslieferant für die Sowjets in die Geschichte eingegangen ist. Ebenso wie dieser historisch verbriefte Fall trifft auch der Maulwurf im Thriller den englischen MI6 Mitten ins Herz und macht den Fall damit besonders brisant.

Auch wenn die vorhergehenden Fälle durchaus an aktuelle Großkrisen der Welt angelehnt waren, fand ich dieses Mal die Vermischung von Fakt und Fiktion besonders gelungen. Auch die Tatsache, dass etwas weniger geschossen und in die Luft gejagt wird, sondern die altbewährten Spionagetechniken wieder zum Einsatz kommen dürfen – Beschattung, geheime Briefkästen, heimlich übergebene Umschläge – hat mich besonders gefreut und unterstreicht, dass Silva beides liefern kann: actiongeladene rasante Geschichten ebenso wie komplexe Spionagethriller. Lassen viele Serien im Laufe der Zeit nach, würde ich hier das Gegenteil konstatieren wollen: für mich einer der besten Romane von Daniel Silva.

Lauren Wilkinson – American Spy

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Lauren Wilkinson – American Spy

When one night a man breaks into her New York apartment and tries to kill her, Marie knows that it is time to flee and to take her twin boys out of the country since they will not be secure there anymore. As a former member of the FBI she knows how to defend herself, she went through worse, but not her kids. She flees to a tiny village on Martinique where her mother has been living for decades, hoping to earn some time to write down everything that happened years before for her kids to understand one day when they are old enough. Marie thinks back to her beginnings at the agency when she had the impression of being stuck and then the unexpected chance to be a part of something bigger, of doing something good – which ended in an African bloodbath and forced her into hiding.

“American Spy” is Lauren Wilkinson’s first novel after some highly appraised shorter writings. What is quite fascinating about the thriller is that apart from the action part, it offers many different layers and aspects that can be discussed. It is set in the time of the Cold War and of course, first and foremost, the role of the two big players and their proxy wars in Africa obviously take a major part in the book. Yet, it can also be read as a feminist novel since the protagonist struggles to find her place in an all-male federal agency where people are openly sexist. Marie and her Caribbean background also qualify the novel under the label of a Black History book.

The thriller is full of suspense and provides insight into the world of spies. The complicated political situations they are in and the fact that the world is much more greyish than black and white at times forces them to either give up their ideals or simply quit their job. I liked a lot how the author combined Marie’s family history and the ghosts that haunt her with the bigger picture of world politics that, in the end, also can be broken down to personal relationships and enmities. The protagonist makes it easy to sympathise with her and thus you instantaneously immerse into the novel. Additionally, I learned a lot about Burkina Faso’s history, something that I was highly ignorant about.

Chris Pavone – The Paris Diversion

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Chris Pavone – The Paris Diversion

They have been living in Paris for some time now and it took Kate more than one year to finally accept that she would never be like all the other stay-at-home mothers who only cared for the children and spent their days chatting in cafés. So, she decided to return to her job. She is supposed not to ask too many questions, just to do what is necessary when she gets a new mission. Yet, that morning, things are somehow strange in the city, police is everywhere and there is a threat perceptible, but where does it come from? Another series of attacks on the French capital? Kate is good at her jobs and that’s the reason why she soon figures out that the whole scenario is aimed at somebody completely different and that this could also mean that her family and especially her husband is the primary target.

“The Paris Diversion” is the second instalment of the Kate Moore series and continues “The Expats”. It is not absolutely necessary to have read the first novel, yet, the stories are closely interwoven and directly linked. The story moves at a high pace, the whole plot takes place in only a couple of hours, it is only slowed down by Kate’s memories of her time in Luxembourg and a love story that took place some years before. The first of the two makes sense for readers who are not familiar with the first book of the series, the second, however, could easily have been dropped for my liking since it does not contribute anyhow to the actual plot.

It takes some time to see through the whole story. There are many things going on at the same time in different places and how they connect does only unfold slowly. It is cleverly orchestrated and finally, all pieces fall into place, yet, the whole set-up is not really authentic. It is quite an interesting scenario playing with all the fears of modern world: the quick changes at the stock markets, terrorist attacks on a Western metropolis, kidnapping of CEOs, secret services operating in foreign countries – you name it. Chris Pavone masterfully combined all those ingredients into one story, but, as one might assume, it was a bit too much. Nevertheless, I liked the novel due to the high pace and the fantastic protagonist: a strong woman who just does what has to be done while at the same time being completely down to earth and making wrong decisions in her private life.

James Rayburn – Fake

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James Rayburn – Fake

Die Friedensverhandlungen versprechen endlich etwas Ruhe in das kriegsgebeutelte Syrien zu bringen. Ein Drohnenangriff der Amerikaner tötet jedoch nicht nur ein beabsichtigtes Ziel, sondern auch Catherine Finch, Ärztin, die seit längerem als Geisel in der Hand des IS ist und durch aufsehenerregende Videos zu einer Berühmtheit in ihrer Heimat wurde. Kommt dies an die Öffentlichkeit, wird der ganze Prozess gefährdet. Die Regierung entscheidet, dass dies ein Auftrag für den Ex-Agenten Pete Town ist, der zu Finchs Ehemann beordert wird und diesen instruiert, das Überleben seiner Frau gegenüber den Medien zu beteuern. Ein kleiner Auftrag scheint es, der schnell abgeschlossen sein wird, doch dann läuft einiges aus dem Ruder und Pete Town ist ebenso in Lebensgefahr wie seine Frau und unzählige weitere Unschuldige.

Roger Smith hat unter dem Pseudonym „James Rayburn“ seinen zweiten Spionagethriller veröffentlicht, der eigentlich nichts zu wünschen übriglässt: ein hochkomplexes internationales politisches Geflecht; Agenten, die schneller die Fronten wechseln als man sich umsehen kann; Zivilisten, die sich maßlos überschätzen und dadurch in Lebensgefahr bringen und ein paar Menschen, die einfach nur aus der Lage der Welt Geld machen wollen.

Der Roman hat ein extrem hohes Tempo und die unterschiedlichen Parteien, die in den Fall involviert und deren Absichten und Motive nicht unmittelbar zu durchschauen sind, sorgen für die notwendige Spannung, die man von einem Thriller erwarten würde. Dabei verzichtet der Autor auf einfache schwarz-weiß-Malerei; ähnlich komplex wie die globalen-geführten Konflikte sind auch die Beweggründe der Figuren, vor allem die beiden Protagonisten entwickeln im Laufe der Handlung immer mehr ungeahnte Facetten, die sie realistisch und authentisch wirken lassen, denn kaum einmal ist die Wirklichkeit einfach zu erklären und verläuft nur höchste selten geradlinig. So entsteht eine Story, die alle Erwartungen an einen glaubhaften Spionagethriller voll erfüllt.

Leon de Winter – Geronimo

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Leon de Winter – Geronimo

Mai 2011, die ganze Welt starrt auf die Bildschirme, die die Festnahme von Osama bin Laden zeigen. „Kill or capture“ war der Auftrag an das Seals Team 6, das den Auftrag pflichtgemäß erledigte. Aber ist wirklich alles so verlaufen, wie es uns die Nachrichtensender glauben machen? Oder gab es eine kleine Chance für einen anderen Ausgang, bei dem bin Laden überlebte? Leon de Winter konstruiert rund um das Großereignis eine Story über Freundschaft, einen tollkühnen Plan, Lügen und Vertrauen, konkurrierende Geheimdienste und ein junges afghanisches Mädchen, das sich in Bachs Goldberg-Variationen verliebt.

Leon de Winter hat nicht nur basierend auf realen Ereignissen einen rasanten Verschwörungsthriller geschrieben, sondern die Handlung auch geschickt konstruiert als zeitlich versetzte, sich immer wieder unterbrechende Einzelstränge, die nach und nach zusammengeführt werden und immer wieder neue Überraschungen zu bieten haben.

Wir haben die private Geschichte des Ex-CIA Agenten Tom Johnson, der jedes Jahr zum Geburtstag der verstorbenen Tochter bei seiner Ex-Frau anruft. Hat der Tod des Mädchens die beiden auseinandergebracht? Tom ist auch befreundet mit dem Team, das den wichtigsten Auftrag nach 9/11 ausführen soll und hält deren im Spaß entwickelten Plan zunächst für einen Scherz. Stationiert in Afghanistan lernt er Apana kennen, deren Vater für die Amerikaner arbeitet und die bei ihm zum ersten Mal die Goldberg-Variationen hört, die sie verzaubert. Nach dem Tod des Vaters fühlt er sich ihr gegenüber verpflichtet und begibt sich Jahre später auf eine gefährliche Suche nach ihr. Und ein pakistanischer Junge ahnt nicht, dass er im Besitz der wohl global wichtigsten Daten ist und dass dies zu einer realen Bedrohung werden wird.

„Geronimo“ ist beim Diogenes Verlag erschienen und zumindest in deutscher Ausgabe nicht als Hörbuch erhältlich. Umso erfreulicher, dass der NDR ein vierteiliges Hörspiel auf Basis des Romans entwickelt hat, das lebendig wirkt und trotz der komplexen Handlung ein auditiver Genuss ist und in jeder Hinsicht überzeugen kann.

Karen Cleveland – Need to know

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Karen Cleveland – Need to Know

Vivian is one of the CIA’s strongest analysts. For years she’s been working on Russian sleepers and now she is close to digging out a complete cell. When she finally enters the document with the information she has been searching for for such a long time, her heart skips a beat: she knows one of the five sleepers. She knows him very well. He shares her life with him. He is her husband and father of their four kids. Looking back at the years they have spent together, a lot of things now appear in a completely new light. What is to be done? Can she really turn her husband in or is there a way out?

Karen Cleveland has written a masterful debut with a very classic setting that combines the typical spy and double agent/sleeper plot with a very personal dilemma which cannot really be solved. You can hardly put down the novel since it moves at such a high pace adding one crisis to the next that, quite often, you just wish for the protagonist that everything is just over.

At the centre of the novel is a very cleverly created catch-22 dilemma. Vivian can be either loyal to her employer and her country or to her husband – whom she cannot actually trust anymore, but he is the father of her kids. Once fallen into the trap of the Russians herself, she cannot get out without risking not only to lose her husband but also her kids and go to jail. It is a vicious circle, the more she tries to get out of it all, the deeper she entangles herself in it all. Apart from this great impasse, Cleveland has some interesting turns to offer which come unexpected and hit you hard.