Kolja Menning – Ein Partie Monopolygamie: Die Geschichte einer wahren Heldin

kolja menning - eine partie monopolygamie
Kolja Menning – Ein Partie Monopolygamie: Die Geschichte einer wahren Heldin

Clara Nussbaum braucht einen Job. Dringend. Alleinerziehend mit drei Kindern und vom Vater selbiger keine Spur, muss sie zurück in die Arbeitswelt. Ihre Freundin berät sie bei der Bewerbung und wider Erwarten wird sie als Assistentin von Viktoria eingestellt, Marketingchefin bei dem umweltbewussten Modelable Fair^Made. Eine völlig neue Welt eröffnet sich der 40-jährigen Mutter dort: die hippe Szene der jungen und erfolgreichen Berliner, die ein gepflegtes Denglisch schwätzen, sich im Gym und für Lunches verabreden und scheinbar kein Privatleben haben. Doch Clara macht ihre Arbeit gut und plötzlich läuft ihr auch ein Traummann über den Weg, der sie offenkundig ebenfalls attraktiv findet. Das Leben nimmt Kurs auf ziemlich perfekt auf, doch Clara weiß, dass es das nicht geben kann.

Was ich mir als leichte unterhaltsame Sommerlektüre gedacht hatte, vielleicht mit einem etwas ironischen Blick auf die Berliner Öko-Yuppies, entpuppt sich leider als flacher Chick-Lit Roman, der vorhersehbar allen bekannten Schemata folgt und kein Klischee auslässt. Mustergültig arbeitet sich der Autor am Genre ab, das einzig Überraschende ist, dass es wirklich gar keine Überraschung oder Abweichung von dem absehbaren Verlauf gibt.

Clara bedient als überforderte dreifach-Mutter schon alle schlimmsten Erwartungen: unordentliche Wohnung, Alltagschaos, bei dem sie auch mal vergisst, dass es der letzte Schultag ist und ihr natürlich auch entgeht, dass der Sohn gemobbt wird. Der Zufall bringt sie in das moderne Öko-Unternehmen, wo sie einen Job bekommt, für den sie gnadenlos unterqualifiziert ist, den sie aber dennoch mustergültig meistert – auch wenn sie in Sachen Klamotte und Lifestyle nicht mithalten kann und oft nicht weiß, wovon ihre Kollegen reden. Die Chefin wird schnell von ihr abhängig und bewundert sie. Dass sie dann auch noch den gutaussehenden Mann kennenlernt, der zwar etliche Jahre jünger ist, sie aber trotzdem als Traumfrau sieht – gähn. Es folgt die notwendige Abwärtsspirale mit Intrigen, vermeintlichen Freundinnen, die sich als Rivalinnen entpuppen, Streit mit den richtigen Freundinnen und der Supertyp stellt sich natürlich als Lügner und Flop heraus. Aber tatdaaa: sie hat ja ihre Kinder und das allein macht sie schon glücklich und nebenbei kann sie als Racheakt auch noch einen großen Skandal im Unternehmen aufdecken, weil sie nämlich zufällig genau die richtigen Leute mit den notwendigen Hacker-Skills kennt.

Wo eine Bridget Jones in ihrer Tollpatschigkeit sympathisch wirkt, ist eine Clara Nussbaum einfach plump, wo das Sex and the City Quartett sich unterhaltsame verbale Schlagabtausche liefert, bleibt das Personal hier uninspiriert und banal. Die ganze Handlung ist eine Abfolge von unglaubwürdigen Begebenheiten, die nach Schema F aufgetischt werden, womit sich irgendwann die Frage stellt, ob das Ganze nicht eher ins Gruselkabinett gehört.

Akwaeke Emezi – Freshwater

akwaeke-emezi-freshwater
Akwaeke Emezi – Freshwater

 

Their prayers have been heard and the god Ala sent them a baby girl: Ada, named in honour of the generous goddess. Yet, it comes with a plus, Ada is not alone, she has got some characters living in her mind, still asleep, but eager to wake up and take over the body given to them. The first two to arrive and take care of Ada and her siblings in their Nigerian village. Later, in America, when another of the voices awakes and takes over control over Ada‘s body, things turn out differently. For the world outside, it is hidden what is going on inside Ada‘s head, once she tries to tell a therapist, however, the voices that possess her are stronger and find a way out of this dangerous situation.

Akwaeke Emezi‘s novel „Freshwater“ was all but easy to read for me. First of all, I had some difficulty understanding who is telling the story, it took me some time to figure out that the voices in Ada‘s head are the narrators. So, we are mostly inside her mind, but sometimes we get what happens outside, too.

You cannot really say that Ada is mad even though she hears voices and follows their command. It was especially when she hurt herself to calm down the first two voices, Smoke and Shadow, that was hard to endure. The third who made her act promiscuously wasn‘t much better. They are evil, after all, misusing an innocent human to fulfil their wishes and greed. I am not sure if it works like this with people hearing voices, even if it is somewhat different, this seems to be horrible. On the other hand, Ada obviously experienced some very bad incidents and the voices were somehow able to split those memories from her normal memory thus making her forget these experiences. Maybe this is the cause why the voices could develop after all.

It is always hard to like a novel if you detest the protagonist or narrator. Thus, „Freshwater“ is not a novel I could fall for easily. Still, I consider the topic highly interesting and, ultimately, the author found a convincing way of making the voices heard for us.

Jessica Thompson – Eindeutig Liebe

Zwei junge gutaussehende Menschen im hippen London mit kreativen Berufen. Sie sehen sich, es ist Liebe auf den ersten Blick, doch sie trauen sich nicht, sich ihre Liebe zu gestehen. Jahre vergehen, in denen sie beste Freunde werden, gegenseitige Beziehungen und Trennungen mit einander erleben und beklagen. Es dauert, bis endlich der große Moment – dank der Intervention eines Freundes – gekommen ist und sie sich in den Armen liegen.

Typische Chick-Lit ohne Überraschungen. Da das Ende absehbar ist, zieht sich die Geschichte und kann den guten Anfang nicht fortsetzen. Im Wechsel taucht man in die Gedanken der beiden Protagonisten ein, bisweilen erhält man auch dieselbe Szene aus zwei Blickwinkeln, was an sich ja gar nicht unclever gemacht ist. Leider leidet die Autorin an viel zu viel Klischee, was die Figuren angeht – natürlich sind Traumprinz und Prinzessin unglaublich hübsch und erfolgreich und werden sowieso von allen angehimmelt, außerdem absolute Gutmenschen, die jeden retten wollen und auch können! Gleichzeitig mangelt ihr bisweilen der Blick für die männliche Perspektive: welchem Mann fällt schon als allererstes auf, dass seine Traumfrau unheimlich tolle Haut hat? Noch dazu über mehrere Meter Entfernung hinweg und unter Schminke verpackt?

Das Buch bleibt letztlich belanglos und so richtig kann man sich mit den beiden am Ende nicht freuen, da sich das Drama etwas zu lange gezogen hat.

**/5

Posted in AllgemeinVerschlagwortet mit

Ali McNamara – Tatsächlich liebe in Notting Hill

Scarlett, 23, erfolgreich mit ihrem Vater in der eigenen Firma, filmverliebt, und kurz vor der Hochzeit mit David. Unzufrieden mit ihrem Leben ergreift sie die Chance für vier Wochen in Notting Hill das Haus von Bekannten zu hüten und so ein wenig Abstand zu gewinnen. Schon bei ihrer Ankunft lernt sie den verrückten Oscar kennen, der als einer der wenigen ihre Leidenschaft für Filme und die Suche nach Filmszenen im echten Leben nachvollziehen kann. Ihr Nachbar Sean ist da schon deutlich reservierter, doch als sie sich mit ihm zu einer Hochzeit einer Cousine aufmacht, beginnt das Eis zu schmelzen. Durch Zufall kommt das Gespräch auf ihre Mutter, die die Familie vor vielen Jahren verlassen hat und mit der Scarlett mehr als nur das Aussehen zu teilen scheint. So beginnt Scarletts und Seans Suche nach ihrer Mutter, aber auch nach der Frage, wie sie ihr Leben gestalten wollen und ob der etwas langweilige, aber dafür bodenständige David die bessere Wahl ist als Sean, der schon einmal impulsiv handelt.

Der Buch erfüllt alle Erwartungen an Chick-Lit. Das schnell verliebte Mädchen, die durch ihren chaotischen Charakter immer wieder in lustige und peinliche Situationen gerät. Dazu der dauernde Vergleich mit Liebesfilmen alten und neuen Datums, das typische Personal vom schwulen Berater-Freund bis zum spießigen Vielleicht-Ehegatten. Unterhaltsam geschrieben und flott in der Handlung, auch wenn es bisweilen ein wenig zu viel aufgetragen ist und die Realität in weite ferne rückt. Sehr nett die Erklärungen zu den Filmen am Ende für Leser, die nicht alle gesehen haben.

****/5

Posted in AllgemeinVerschlagwortet mit