Scott Johnston – Campusland

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Scott Johnston – Campusland

Devon is a small New England campus where things run at their unhurried pace as they always have. Eph Russell has been teaching English literature for quite some time and also this winter’s course seems to like him and his way of addressing the 19th century classics. When a minor incident in his classroom occurs – a student claiming trigger warning as Mark Twain uses offensive language in her view – suddenly, Eph’s world crumbles and things fall totally apart. Before the term is over, minority groups have gotten the upper hand on campus accusing staff of racism, sexism and all other kinds of –isms that can be found. Plus, Eph is at the centre of the revolt accused not only of being a white supremacist due to his reading of books written by white men but also of having assaulted and violated one of his students. This student however, Lulu, sees a chance of gaining her fifteen minutes of fame and she is determined not to let this chance pass by.

Scott Johnston’s debut novel surely will not remain without any effect on the reader, in fact, it provokes strong emotions ranging from aversion to frustration, from laughing out loud to total desperation. It is hilarious at times and oftentimes simply infuriates you, most of all because you can imagine all the plot to be totally true. It is a chain of events set in motion, not even intentionally, but unstoppable and the way the characters react to it is more than authentic.

There are many noteworthy and controversial aspects in this highly entertaining novel. First of all, the debate of “trigger warnings” in university that has been going on for some time. Wrapping students up in cotton wool in order not to confront them with reality has been an attitude that I always struggled with. Especially when it comes to literature which reflects the time of its origin, this is hard to understand. Therefore, the beginning of the novel when Eph Russell is accused of only reading white men – who else was there to be published in this period? – this is merely funny and can be dismissed as stupid somehow. The next step is the discussion of which gender somebody identifies himself/herself – or as in the novel: themselves. It goes without saying that LGBTI rights are a great achievement and that minorities should be respected in the same way as majorities. Yet, accusing somebody of misogyny because he is holding the door open definitely ridicules the earnest cause – unfortunately, this is all too real in a strange understanding of feminism and the like and something one sees quite often.

The most striking point is surely Russell’s accusation of sexual assault. Without any doubt, the way the female characters in the novel act is not only convincing, but seems totally authentic. Putting unrelated aspects in a certain context, interpreting them along one single line of interpretation and thus narrating a coherent story that fits well in the world view one has – this can destroy a perfectly innocent life. When you read what happens to the professor, you cannot believe it, yet, you see how the mechanisms work and how Russell cannot do anything about it.

I am sure some reader might find “Campusland” offensive, yet, in my opinion, the way the author satirizes and exaggerates is necessary to put straight some positions that somehow went a bit too far or have taken questionable developments. For me, it was a fantastic read and I would surely say that this is one of the most relevant literary contributions to a lot of current discussions – and, on top, it is wonderfully narrated.

Zora del Buono – Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt

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Zora del Buono – Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt

Eine Reise, wie sie sie schon unzählige Male gemacht wird, endet jedoch dieses Mal vorzeitig am Flughafen. Man verweigert ihr die Einreise in die USA, dabei hat Vita doch schon seit Jahren Sommerkurse in Journalismus am Miltontown College gegeben. Es muss mit dem zusammenhängen, was im Jahr zuvor geschehen ist, weshalb sonst sollte man ihr ein Bild von Zev vor die Nase halten und fragen, wie sie zu ihm steht? Sie erinnert sich an ihren kleinen Kreis von Studenten, die alle Deutsch lernen wollten und als Projekt für die acht Wochen des gemeinsamen Lernens hatte sie eine Zeitung geplant. Basierend auf den aktuellen Meldungen der verschiedenen Ressorts sollten die Studierenden selbst Texte verfassen. Die Nachrichten wurden beherrscht von den spektakulären Enthüllungen von Edward Snowden, die auch den jungen Zev faszinierten. Doch bald schon entwickelte er Verfolgungsängste, die ihm auch Vita nicht nehmen konnte, mit der ihn vom ersten Tag an eine verbotene Anziehung verband. Waren sie beobachtet worden und weshalb war Zev verschwunden und ins Visier der Ermittler geraten?

Zora del Buono ist von Haus aus Architektin, seit zehn Jahren arbeitet sie jedoch auch als freie Autorin und sie ist Gründungsmitglied der Zeitschrift „Mare – die Zeitschrift der Meere“. „Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt“ ist ihr dritter Roman, der 2016 von der Literaturkommission der Stadt Zürich mit dem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurde.

Auch wenn die Enthüllungen der Wiki-Leaks Plattform und der NSA Skandal im Roman omnipräsent sind, die Handlung entscheidend motivieren und immer wieder Meldungen der deutschen Medien hierzu einfließen, steht doch das Leben auf dem Campus im Vordergrund. Zunächst die etwas seltsam anmutende Regelung, dass nur die Sprache gesprochen werden darf, die die Studierenden lernen wollen. Dies schafft unweigerlich Abgrenzungen und lässt die unterschiedlichen Gruppen – die Deutschen, die Spanier, die Hebräer – sich gegenseitig aus der Ferne beobachten und Vermutungen über deren Gespräche arten in wilde Spekulationen aus.

Viel absurder aus europäischer Sicht jedoch sind die strengen Vorschriften, die an die Dozenten gestellt werden: keinerlei private Kontakte zu den Studierenden, keine Begegnung außerhalb öffentlich einsehbarer Orte, die Achtung religiöser Überzeugungen auch wenn diese der Forschung zuwiderlaufen. So entsteht ein Klima des Misstrauens und der Angst. Vita wird regelmäßig daran erinnert und zurechtgewiesen. Auch dürfen die Texte ihrer Studierenden nicht einfach veröffentlicht werden, sondern müssen vorab vom Dekan geprüft und genehmigt werden.

Die Unterschiede, die für die deutsche Protagonistin hier offenkundig werden, zeigen sich noch stärker in der Frage, wie man den NSA Skandal bewerten soll. Sind die Studenten zunächst interessiert und kritisch, allen voran Zev, entwickeln sie zunehmend Angst und Sorge: werden sie auch überwacht? Was bedeutet ein kritischer Text für ihre Zukunftschancen? Ist Edward Snowden ein Held oder doch eher ein Vaterlandsverräter? Die Einstellungen könnten hier kaum weiter auseinanderlaufen, vor allem als die NSA auch noch zur Akquise an den Campus kommt. Die Gerüchte, dass sich auch Geheimdienstmitarbeiter mit falschen Biographien unter die Teilnehmer gemischt haben könnten, machen ebenfalls die Runde.

Die Protagonistin sieht sich gefangen zwischen den Erwartungen und Rahmenbedingungen, die ihr kaum fremder sein könnten. Hinzu kommt die Faszination durch Zev. Ist es Liebe? Wohl (noch) nicht, aber Zuneigung empfindet sie. An einem anderen Ort hätten sie vielleicht auch ein anderes Ende gefunden. Auch wenn sie nicht alle Anweisungen akribisch befolgt, muss sie doch eine gewisse Achtung den Gegebenheiten gegenüber walten lassen, ob es ihr gefällt oder nicht.

Die Rahmenhandlung lässt einige Fragen offen, aber dies kann man als Leser problemlos mit seinen eigenen Gedanken füllen. Ein kurzer Roman und doch voll mit Denkanstößen und in seiner Dichte überzeugend und lesenswert.