Antoine Laurain – Liebe mit zwei Unbekannten

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Antoine Laurain – Liebe mit zwei Unbekannten

Als der Buchhändler Laurent eines Morgens eine verlassene Handtasche auf der Straße findet, ist seien Neugier geweckt. Wem mag sie gehören? Der Inhalt verrät viel über die Unbekannte, aber nur wenig Greifbares. Ihrem Notizbuch kann er ihren Vornamen entnehmen: Laure. Offenbar besitzt sie auch eine Katze und hat ein Kleid in einer Reinigung. Fasziniert von dieser mysteriösen Frau begibt er sich auf die Suche. Laure liegt unterdessen im Koma, sie ist überfallen worden und ein Schlag auf den Hinterkopf hat sie temporär außer Gefecht gesetzt. Zwei Fremde in Paris, die plötzlich miteinander verbunden werden, doch das Band ist unsichtbar, lässt sie aber nicht mehr los.

Einen Roman von Antoine Laurain zu lesen ist wie an einem nasskalten Herbsttag ein wohlig warmes Haus betreten und einen dampfenden Kaffee oder Tee gereicht zu bekommen. Man lässt sich niedersinken und die ungemütliche Welt draußen ist vergessen. Man weiß, dass alles gut ausgehen wird und genießt das Eintauchen in diese pastellfarbene Zuckerwelt.

„Die Tasche hatte viele Innenfächer, mit Reißverschluss oder ohne. Laurent hätte niemals gedacht, dass eine Frauentasche so viele Ecken und Winkel haben konnte. Es war noch komplizierter als das Sezieren eines Tintenfischs auf dem Küchentisch.“

Mit viel Liebe zeichnet der Autor einmal mehr seine Protagonisten, die einerseits völlige Durchschnittsmenschen sind, andererseits aber das bisschen an Zauber und Magie, das der Alltag zu bieten hat, in ihrem Leben zulassen. Es sind nicht die Lauten, Extrovertierten, sondern die eher Schüchternen, die einen Anstoß von außen brauchen. Ob die Geschichte dabei realistisch ist, die Figuren authentisch und facettenreich wirken – egal, Antoine Laurain schenkt einem ein paar wundervolle Lesestunden, die man einfach genießen sollte, ganz ohne literarische Analyse und nach tiefgründigen Aussagen zu suchen.

Caroline Kepnes – YOU – Du wirst mich lieben

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Caroline Kepnes – YOU – Du wirst mich lieben

Als sie seine Buchhandlung betritt, ist es um Joe Goldberg geschehen. Doch Guinevere Beck, die alle nur mit ihrem Nachnamen anreden, hat Amors Pfeil nicht so tief getroffen, weshalb er ein wenig nachhelfen muss. Erst beobachtet er die Studentin nur, dann nutzt er eine Gelegenheit, um mit ihr wieder in Kontakt zu treten. Nun sitzt sie in der Falle. Beck entwickelt tatsächlich Gefühle für ihn, aber andere Dinge, vor allem andere Männer, beschäftigen sie ebenfalls. Also muss Joe diese nach und nach aus dem Weg räumen. Den anderen Typen, die Freundin, den Therapeuten. Da er ihre Mails mitliest, ist er ihr immer einen Schritt voraus und er ist sich sicher, sie wird am Ende schon erkennen, was gut für sie ist.

Die Geschichte um den besessenen Bücherfreak, der eine junge Frau stalkt, um sie für sich zu gewinnen, klingt in der Grundanlage spannend. Tatsächlich fand ich den Anfang auch sehr überzeugend, die Dialoge sind hier lebendig und Joes Verhalten zwar übergriffig, aber doch nachvollziehbar. Es ist offenkundig, dass er sich zum Psychopaten entwickeln wird und die Situation sich zuspitzen muss, aber dies geschieht nur mit sehr vielen Schleifen und Längen, was leider der Spannung nicht zuträglich ist.

Natürlich ist Joe besessen und krank, die Leichtigkeit, mit der er mordet, ist ohne Frage auch jenseits des normalen Verhaltensrahmens. Allerdings sind die anderen Figuren auch weit davon entfernt, was zum Teil aber auch an der nicht ganz stimmigen Figurenzeichnung liegt. Vor allem Beck ist in sich nicht glaubwürdig, von der talentierten und ehrgeizigen Studentin, die ein Stipendium für eine der besten Universitäten erhalten hat, ist gar nichts zu spüren. Sie ist dümmlich, naiv, völlig desinteressiert an ihrem Studium und scheint außer für den nächsten Mann, den sie aufreißen kann, keine Gedanken zu haben. Auch ihren Freundinnen rangieren in jeder Hinsicht auf dem geistigen Niveau von 13-Jährigen Dorfproletinnen, was den wohlhabenden und intellektuellen Hintergrund, den sie angeblich haben, in keiner Weise widerspiegelt.

Das ewige Hin und Her zwischen Joe und Beck, die ja irgendwie mag, aber dann doch nicht, soll vermeintlich das große Finale hinauszögern und die Spannung steigern. Allerdings wird es irgendwann sehr müßig herauszufinden, warum Beck jetzt gerade doch wieder nicht will oder was ihre Freundin ihr nun serviert. Die Schleife ist leider auch so wiederholend und vorhersehbar, dass keinerlei Überraschung kommt. Joes Informationsbeschaffung und Überwachungssystem ist clever, auch sein Charakter in sich völlig stimmig – aber das ist zu wenig, um den ganzen Roman durch zu tragen.