Nina LaCour – We Are Okay [dt. Alles okay]

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Nina LaCour – We Are Okay

Winterferien an ihrem College in New York, doch im Gegensatz zu allen anderen bleibt Marin auch über die freien Tage im Studentenwohnheim, auch wenn sie dort ganz alleine sein wird. Nur ihre Schulfreundin Mabel wird sie für wenige Tage besuchen kommen. Sie haben sich seit Marins überstürzter Flucht aus San Francisco im Sommer nicht mehr gesehen und offenbar möchte Mabel wissen, was damals geschah und weshalb ihre beste Freundin für Wochen völlig vom Erdboden verschwunden war. Die erste Begegnung fühlt sich komisch an, das vertraute Zusammensein stellt sich einfach nicht ein, bis Marin schließlich beginnt zu erzählen. Sie erinnern sich an ihre gemeinsamen letzten Monate in der Schule und den Sommer, der so vielversprechend begann, dann aber ein schreckliches Ende nahm, das Marin immer noch nicht verarbeitet hat.

Nina LaCour gelingt es, einem als Leser sofort in die Geschichte hineinzuziehen. Die Kälte des Wintersturms, die Einsamkeit im Wohnheim, es braucht nie viel, um eine ganz besondere, fragile Atmosphäre zu schaffen, die nur darauf wartet, sich durch das Aussprechen der Ereignisse des letzten Sommers entweder zu lösen oder die Protagonistinnen in den finalen Abgrund zu stürzen. Diese Spannung, nicht zu wissen, welches Ende die Erzählung nehmen wird, hält sich durch die Geschichte und lässt einem dieses wundervolle Gefühl von bitterer Süße empfinden, die sowohl anzieht wie auch abschreckt.

Das Setting bietet den perfekten Rahmen für ein emotionsgeladenes Buch, dass jedoch fernab von Kitsch oder übertriebener Gefühlsduselei ist. Zusammen mit Marin durchwandert man nochmals die unheilvollen Momente und kann die Einsamkeit, die sie empfunden haben muss, kaum von sich fernhalten. Ihren Vater kennt sie nicht, die Mutter starb als sie noch ein Kleinkind war und so blieb nur der Großvater, der sie bedingungslos liebte, aber auch seine dunklen, verborgenen Seiten hatte, die sich schlagartig öffnen und vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Ein Buch über Trauer, Zuneigung, Freundschaft und das erwachsen und unabhängig Werden, mit all seinen leichten Momenten und den schweren. Die melancholische Stimmung passt hervorragend zu den Protagonistinnen und den Ereignissen, die in ihren Köpfen Kreise drehen.

Alexa Hennig von Lange – Die Weihnachstgeschwister

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Alexa Hennig von Lange – Die Weihnachstgeschwister

Wie jedes Jahr zieht es die drei Schwedthelm-Geschwister zu Weihnachten zu den Eltern nach Hause. Tamara, Elisabeth und Ingmar sind inzwischen erwachsen und haben eigene Familien, die sie mitbringen, um die Feiertage gemeinsam zu verbringen. In den letzten Jahren war jedoch nicht viel mit Besinnlichkeit, zu sehr haben sie sich zerstritten und aneinander herumkritisiert. Auch dieses Jahr steht unter keinem guten Stern und schon beim gemeinsamen Mittagessen am Vortag des Heiligabends sinkt die Stimmung auf den Nullpunkt. Doch dieses Jahr werden sich nicht alle der Feindseligkeiten der Geschwister ergeben.

Alexa Hennig von Lange fängt den für viele Familien kritischen Moment des Jahres auf den Punkt genau ein: die großen Erwartungen, die mit dem Fest verbunden sind, alles soll perfekt sein, endlich mal raus aus dem Alltagshamsterrad und dann passiert genau das, was niemand möchte: es bricht aus allen heraus und die Fassaden bröckeln und hemmungslos stürzen sich alle in den offenen Krieg.

Trotz der Kürze des Romans werden die verschiedenen Charaktere der drei erwachsenen Kinder und ihrer Partner deutlich, vor allem jedoch immer noch die Beziehungsstrukturen, Rivalitäten, die sie auch mit rund 40 Jahren immer noch mit sich herumtragen und von denen sie sich nicht lösen können. Die Konfrontation mit der Familie ist auch eine Konfrontation mit dem eigenen Ich: was hätte werden können, wie das eigene Leben hätte anders, besser verlaufen können, die schonungslose Frage nach dem „was hast du aus dir gemacht?“ im Vergleich zu den anderen. Es braucht nicht viel, um wieder in kindliche Muster zu verfallen und sich zurück in die Kindheit zu katapultieren.

Einziger Abzug gibt es für das Ende, das mir doch etwas zu kitschig war, wenn auch durchaus passend für ein Weihnachtsbuch.