Robin Wasserman – Girls on Fire

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Robin Wasserman – Girls on Fire

Hannah Dexters Leben ist ereignislos, wenn man es positiv ausdrücken möchte. Langweilig, wenn man es realistisch betrachtet. Sie hat keine wirklichen Freunde und wird weitgehend ignoriert. Das ist nicht schlecht, denn so vermeidet man auch alles, was einen verletzten oder später im Leben schaden kann. Nachdem ein Mitschüler sich das Leben genommen hat, sucht Lacey Champlain Kontakt zu ihr. Die neue, wilde Mitschülerin, von der man noch nichts weiß, obwohl sie schon seit Monaten in dieselbe Klasse geht. Die beiden Mädchen könnten kaum verschiedener sein: Hannah das brave, wohlerzogene Mädchen, Lacey äußerlich wie innerlich rebellisch. Lacey zeigt Hannah, wie sie auch sein kann, bringt ihr Musik nahe, vor allem Nirvana, und trinkt zum ersten Mal mit ihr. Langsam wird auch dem gehorsamen Teenager ein eine aufsässige junge Frau, die in einen Strudel von Lügen und Betrug gerät, ohne es zu merken. Das Mädchen wird zum Spielball und für hinterhältige Zwecke missbraucht. Aber ist es wirklich Lacey, die hinter allem steckt?

Robin Wasserman hat ihren Roman in die Anfänge der 1990er verlegt und den Ursprüngen des Grunge und der aufstrebenden Band Nirvana so ein kleines Denkmal gesetzt. Ihr Roman ist bezogen auf das Genre nicht ganz einfach einzuordnen, einerseits geht es um zwei Mädchen, die langsam erwachsen werden – mit allen schönen und hässlichen Seiten, da liegt Young Adult nahe. Gleichzeitig schildert sie aber auch sehr drastisch psychologische „Kriegsführung“, emotionaler Missbrauch und Gewalt, was nicht wirklich für Jugendliche geeignet ist. Ein interessanter Genremix, der sich am Ende zu einem wahrhaftigen Psychothriller entwickelt.

Die beiden Protagonistinnen sind glaubwürdig gezeichnet und könnten verschiedener kaum sein, was von Beginn an die Frage aufwirft, was sie verbindet. Das Band wird erst ganz zum Ende sichtbar, zwar deutet sich einiges an, aber clever wird immer wieder eine leichte Variante erzählt, andere Aspekte kommen hinzu und indem Robin Wasserman die beiden im Wechsel erzählen lässt – immer wieder kurz unterbrochen von Einwürfen anderer Figuren – dauert es, bis man als Leser durchschaut, welches Spiel gespielt wird und welche Koalitionen sich im Hintergrund bzw. vor der eigentlichen Handlung gebildet hatten. Vor allem die psychologischen Aspekte, die Motive und die erkennbaren Störungen der Mädchen sind der Autorin glaubwürdig gelungen.

Ein spannendes Buch über ausgesprochen destruktive Figuren, spannend geschrieben und mit einer cleveren Handlungsführung, die die amerikanische Provinz zum Tatort hinterhältigster Verbrechen macht.