Kimberly Belle – So lange du lügst

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Kimberly Belle – So lange du lügst

Ein Flugzeugabsturz erschüttert Iris und die Schule, in der sie als Psychologin arbeitet. Dem ersten Schreck folgt jedoch die Erleichterung, ihr Mann Will kann nicht in diesem Flieger gesessen haben, schließlich wollte er ja nicht nach Seattle. Doch schon kurz danach erscheint er auf der Liste der Opfer. Wie kann das sein? Er war doch auf dem Weg zu einer Konferenz, Iris hat ja sogar die Einladung gesehen. Sie beginnt Fragen zu stellen und nachzuforschen. Schnell muss sie erkenne, dass sie den Mann, mit dem sie seit sieben Jahren verheiratet war, überhaupt nicht kannte. Seine Kindheit in Memphis: eine Lüge. Der Tod seiner Eltern: eine Lüge. Ihr ganzes Leben: ebenfalls eine Lüge? Nur ein Freund, der Will angeblich aus dem Fitnessstudio kannte, steht ihr bei. Doch als Wills Arbeitgeber mit Anschuldigungen wegen Betrugs und dem Diebstahl mehrerer Millionen Dollar auf sie zu kommt, merkt Iris, dass auch sie sich in Gefahr befindet. Dass sie permanent anonyme Nachrichten auf ihr neues Handy erhält, die sie eindringlich warnen, macht die Situation nicht einfacher.

Das Grundmuster des Thrillers ist recht bekannt: eine Frau wird durch ein schreckliches Ereignis erschüttert und findet dann nach und nach Anzeichen dafür, dass ihr Partner sie über Jahre hintergangen und belogen hat. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und erkennt, dass ihr ganzes Leben auf einem Lügengebilde aufgebaut ist und nichts, woran sie glaubte, der Wahrheit entspricht. Obwohl dieser Plot auch schon in anderen Romanen verarbeitet wurde und man durchaus gewisse Vorahnungen hat, konnte mich Kimberly Belle mit ihrem Thriller packen und überzeugen.

Die Suche nach Antworten läuft in recht hohem Tempo, die Reise einerseits in Wills Vergangenheit, liefert ein Puzzlestück nach dem anderen, um so ein neues Bild des Ehemanns zu ergeben – kein besonders positives noch dazu. Parallel geht aber auch die Gegenwart voran und gleich mehrere für die Protagonistin unbekannte Männer treten in ihr Leben. Dass man als Leser hier vorsichtig wird, ist nicht überraschend, die Frage bleibt jedoch, wer von diesen hilfsbereiten Menschen es tatsächlich gut mit ihr meint und wer ihr Böses will. So gelingt es der Autorin doch eine recht hohe Spannung zu schaffen und den Leser im Ungewissen zu lassen. Der Fall wird am Ende sauber gelöst, alle losen Fäden miteinander verbunden und die Motive ebenfalls einleuchtend dargelegt. Ein rundherum überzeugender Thriller, der die Erwartungen voll erfüllen kann.

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Karin Slaughter – Pretty Girls

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Karin Slaughter – Pretty Girls

Zwei Frauen, deren Leben kaum unterschiedlicher sein könnte: Claire und ihr Ehemann Paul leben dank eines enormen Einkommens das Luxusleben der Oberschicht von Atlanta. Lydia hat sich nach der Drogenabhängigkeit und der viel zu frühen Schwangerschaft langsam ins Leben zurückgekämpft und führt mit ihrer Tochter ein bescheidenes Dasein. Pauls Tod nach einem nächtlichen Überfall führt die beiden wieder zusammen. Fast 20 Jahre haben die Schwester nicht mit einander gesprochen, das Verschwinden ihrer Schwester Julia hatte damals die Familie zerbrochen. Doch nun bringt ein grausamer Fund in Claires Haus sie wieder zusammen: offenbar war der gute Ehemann nicht der, für den Claire ihn fast zwei Jahrzehnte gehalten hat. Je tiefer sie in sein zweites Leben eintaucht, desto mehr muss sie erkennen, dass sie mit einem Monster verheiratet war. Doch die beiden Frauen ahnen noch nicht, welches grausame Verbrechen auf das Konto des smarten Architekten geht.

Unbestreitbar ist Karin Slaughter eine der weltweit erfolgreichsten Thriller Autorinnen, ihre Serien um Will Trent und Sara Linton gehören mit zu den meist verkauften des Genres. „Pretty Girls“ ist ein Standalone Thriller, der ebenfalls nicht mit Spannung und Brutalität geizt. Zunächst die Frage, was die beiden Frauen verbindet und weshalb Lydia über Pauls Tod dermaßen erleichtert ist, doch dies wird rasch aufgelöst. Etwas länger die Frage, weshalb Claire verurteilt wurde und mehrere Monate eine Fußfessel tragen musste. Man ahnt, dass die Figuren hinter der augenscheinlichen Fassade noch mehr zu bieten haben und wird nicht enttäuscht. Keiner ist der, für den man ihn zu beginnt hält.

Neben den Geheimnissen, die die einzelnen Figuren mit sich tragen, bleibt natürlich der Fall, der immer wieder mit Überraschungen aufwarten kann und sich zunehmend ausweitet. Insgesamt ist dies alles in sich stimmig und glaubwürdig, für mich aber letztlich doch etwas zu viel des Guten. Über weite Teile hielt ich das Doppelleben für durchaus möglich, aber ab einem gewissen Punkt erschien mir manches zu sehr konstruiert, um es für real zu halten. Der Showdown wie immer in hohem Tempo erzählt, die Figuren unter enormem Druck und einmal mehr erspart die Autorin dem Leser keine Grausamkeit, die man von einem Menschen eigentlich nie erwarten würde. Alles in allem ein Thriller, der dem Genre voll gerecht wird.