Ulla Lenze – Der Empfänger

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Ulla Lenze – Der Empfänger

Dass sein Leben ihn nach Costa Rica führen würde, hatte Josef Klein nicht erwartet, als er fünfundzwanzig Jahre zuvor aus Neuss nach New York auswanderte. Der Anfang ist hart, doch nachdem er den Hilfsjob in der Druckerei gefunden hat, kommt sein Leben in geregelte Bahnen. In seiner Freizeit sitzt er vor seinem Empfänger, mit er Kontakt überall auf der Welt aufnehmen kann, so lernt er auch Lauren kennen, die junge Frau, die sich ihren Eltern widersetzt und ihre eigenen beruflichen Pläne verfolgt. Doch auch im Kreis seiner deutschen Bekannten regt sein Hobby Interesse und bald schon wird er gebeten, Nachrichten zu senden, verschlüsselte Zahlenreihen, alles nur zum Wohle des langsam erstarkenden Vaterlands. Lange verschließt Joe, wie er sich in den USA nennt, die Augen, doch die Anzeichen des drohenden Krieges werden immer deutlicher und bald muss auch er sich fragen, auf welcher Seite er steht.

Aus heutiger Sicht scheint vieles bezogen auf historische Ereignisse klar, die Fronten geklärt und die Grenze zwischen schwarz und weiß unverkennbar. Ulla Lenze indes zeichnet ein komplexes Bild des kleinen Mannes, der vielleicht mehr hätte wissen und sehen können, vielleicht naiv war, aber auch Jahre nach dem Krieg noch nicht sicher ist, ob er vorsätzlich missbraucht und geopfert wurde oder ob der Verlauf der Dinge einfach unglücklich war. Vor allem aber erkennt man in ihrem Protagonisten, wie schwer es für die Generation jener Auswanderer war, die in den 1920ern in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in die Welt aufgebrochen waren und dann durch das Nazi-Regime und den zweiten Weltkrieg plötzlich zwischen den Stühlen saßen und Partei für eine Seite ergreifen sollten, ohne zu wissen, wo sie eigentlich standen.

Auf mehreren Ebenen lässt die Autorin durch Rückblenden die Geschehnisse aufleben. Man beginnt am Ende in Costa Rica, davor standen Josefs harte Monate bei seinem Bruder in Neuss, zu dem er nach der Ausweisung aus den USA flüchtete. So interessant der Handlungsstrang in New York ist, fand ich die Entwicklung des Verhältnisses der beiden Brüder am spannendsten. Es ist eine Geschichte voller Missverständnisse, Nicht-Gesagtem, Enttäuschungen und unterschiedlichen Lebensentscheidungen. Erst bewegen sie sich langsam und vorsichtig umeinander, doch es ist klar, dass der große Eklat kommen muss. Nicht nur weil sie so verschieden sind, sondern weil es ihnen schwer fällt, die Perspektive des anderen einzunehmen und ihn wirklich zu verstehen.

Die Geschichte basiert auf wahren Erlebnissen des Onkels der Autorin und sie macht damit einen Teil der Spionagegeschichte zugänglich, der oftmals vergessen, dank der mitreißenden Erzählweise und dem cleveren Handlungsaufbau durch diesen Roman lebendig wird.

Nicole Dennis-Benn – Patsy

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Nicole Dennis-Benn – Patsy

Patricia Reynolds, called Patsy, has waited for years to fulfil her dream: going to the USA and leaving Jamaica behind. Even though she only got a visitor’s visa, she plans to never come back and instead make a career in the north just like her best friend Cicely. She abandons her daughter Tru who is too young to understand what happens and now has to cope with living with a new family while her mother seemingly enjoys her life in the Big Apple. However, it does not take too long for Patsy to understand that nobody waited for illegal immigrants and that she will have to take cleaning and nursing jobs to survive. The years pass and while Patsy slowly has to accept that her dream of a better life will never come true, her daughter struggles to find her place in a world that she simply does not fit in. She wants to play football like the boys and tries to ignore all signs that make her a girl.

Nicole Dennis-Benn’s novel offers a broad variety of subjects ranging from the situation of undocumented immigrants and their lives in the shadows, dreams her characters have that simply do not come true, the concepts of being a man or a woman and behaving according to others’ expectations, what it means to be a mother and to stick to your ideas and goals in life nevertheless, love and abuse, unhealthy relationships and dishonest friendships.

The author wonderfully parallels the developments of mother and daughter under harsh circumstances in the two different countries. Albeit the fact that there is an age gap of 21 years, a lot of progress is analogous like adapting to a new situation, high hopes that increasingly have to be adjusted to reality and finally, finding love where they never would have expected it. Especially Patsy’s American Dream gone bad is very powerfully narrated, most of all the moments when darkness surrounds her are most compelling. While I found most of the plot very interesting and brilliantly narrated, the novel was a bit too long and thus lengthy at times for my liking.