Edward St. Aubyn – Bad News

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Edward St. Aubyn – Bad News

Patrick Melrose erhält eine schlechte Nachricht: sein Vater ist gestorben. Naja, so schlecht ist die Nachricht ja gar nicht, denn seit er denken kann, hat er sich nichts anderes gewünscht, als genau das zu hören. Er macht sich auf nach New York, um den Leichnam zurück nach England zu holen. Auf seinem dreitägigen Trip, der ihn mehr als zehntausend Dollar kosten wird, trifft er auch den einen oder anderen Bekannten seines Vaters, die Einschätzungen über den Toten könnten kaum weiter von einander entfernt liegen. Zwischen den Teils absurden Begegnungen ist Patrick nur mit einer Sache beschäftigt: den nächsten Schuss planen, denn der 22-Jährige ist inzwischen schwer drogenabhängig. Kokain, Pillen, Heroin – you name it. Alles gleichzeitig und Hauptsache genug, um alle Gedanken zu betäuben.

„Bad News“ ist Teil zwei der Serie um Patrick Melrose, Spross eines britischen Adelsgeschlechts und zwischen England und Südfrankreich in zu viel Reichtum aufgewachsen. Als Kind wird er von seinem Vater missbraucht, doch nicht nur die physische Misshandlung, beschrieben in“Never Mind“, setzt ihm zu und hat bei dem jungen Erwachsenen aus Band zwei offenkundige Folgen hinterlassen, sondern vor allem die emotionale Vernachlässigung durch seine Eltern ist ganz sicher ursächlich für seine Abhängigkeit. Edward St Aubyn hat viele seiner eigenen Erlebnisse in seiner Serie um Patrick Melrose verarbeitet und macht keinen Hehl um den Missbrauch, den er selbst als Kind erleiden musste.

Im Vordergrund der Handlung steht die Abwicklung des Todesfalls und vor allem Patricks Drogenkonsum, inklusive Beschaffung und dem einen oder anderen Zwischenfall beim Konsum. Es ist aber nicht die so sehr die Handlung, mit der St Aubyn überzeugt, sondern der sarkastische Ton, den er seinem Erzähler verleiht und der absolut stimmig ist mit der Figurenzeichnung und dem, was Patrick erlebt hat. Das Verhältnis von Vater und Sohn wird in einem kurzen Dialog mit seinem französischen Dealer deutlich:

„Tu regrettes qu‘il est mort?“ asked Pierre shrewdly „Non, absolument pas, je regrette qu‘il ait vécu.“

In klaren Momenten erkennt er, dass ihn die Drogen töten werden und er davon wegkommen muss, aber noch ist er nicht so weit. Die heile Welt, die er bei anderen Familien erlebt, wird er ohnehin nicht haben können.

Zum Teil schwer zu ertragen die Beschreibungen um den Drogenkonsum, aber vermutlich sehr realistisch, wie er die Spritze falsch ansetzt, die Übelkeit, die nachlassende Wirkung. Erinnert mich ein wenig an „Trainspotting“, entstand auch in einer ähnlichen Zeit, und verdeutlicht aber sehr authentisch, wie sehr das, was Kinder erleben, sie prägt auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Juno Dawson – Clean

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Juno Dawson – Clean

Auf dem Rücksitz eines Autos wird sie entführt, denkt sie zumindest. Aber sie kann sich kaum wehren, zu sehr wirken die Reste der Drogen noch in ihr. Wo geht es hin und vor allem: warum? Die Clarity-Klinik auf einer einsamen Insel ist das Ziel, dass Nikolai für seine Schwester Lexi ansteuert, denn nach dem ersten Schock darüber, dass sie tot sein könnte, muss er etwas unternehmen, damit das Teenager-Mädchen endlich von den Drogen wegkommt. Lexi ist erwartungsgemäß wenig begeistert von dieser Idee, lächerlich, sie als süchtig zu bezeichnen, nur, weil sie wie alle anderen auch beim Feiern mal ein wenig Koks oder Pillen konsumiert. Doch bald schon muss sie erkennen, dass sie sehr wohl abhängig ist und die Tage des Entzugs zehren hammerhart an ihr. Wird sie es durchhalten?

„Clean“ ist bereits das 14. Jugendbuch der Transgender-Autorin Juno Dawson, die vor allen mit ihren LGBT Büchern für Jugendliche bekannt geworden ist. Auch in diesem Roman wird die Transgender-Thematik gestreift, im Zentrum steht jedoch der Drogenkonsum bzw. die nicht realisierte Abhängigkeit. In der Gesamtbeurteilung des Romans bin ich zwiegespalten, einerseits gefällt mir Dawsons Schreibstil sehr gut, der Text und vor allem die Dialoge wirken lebhaft und authentisch, andererseits ist der Roman recht klischeebeladen vor allem moralisierend, was ihn auf der Handlungseben deutlich hinter den Möglichkeiten zurückbleiben lässt.

Die Figur der Lexi ist zunächst sehr plakativ eindimensional angelegt: superreiches Töchterchen eines russischen Oligarchen, die von den Eltern vernachlässigt wird und sich schlichtweg alles erlauben kann. Drogenkonsum und folgende Abhängigkeit sind die logische Konsequenz. Auch die anderen Patienten der Klinik bestechen durch schematische Charakteristika, die wenig Raum für Persönlichkeit lassen. Obwohl die Figuren etwas enttäuschen, kann der Roman zunächst absolut überzeugen, denn die Darstellung der physischen Begleiterscheinungen des Entzugs und des Kontrollverlusts in dieser Zeit wirkt realistisch und vor allem abschreckend. Dies ist die mit Abstand stärkste Phase des Romans. Die unglücklich endende Love-Story zwischen Lexi und Brady ist leider zu vorhersehbar als dass sie ein Gewinn für die Handlung wäre. Auch der Weg zurück ins Leben wird leider wenig differenziert geschildert, sondern führt direkt in die sich lauthals ankündigende Misere, bevor dann noch ein Happy-End drangeklatscht wird. Hier hat die Autorin eine Menge Chancen vergeben.

Dies ist auch der etwas fade Unterton, der nach dem Lesen bleibt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es weniger darum ging, eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen, als ein moralisch einwandfreies Jugendbuch zu schreiben, das messerscharf zwischen schwarz und weiß unterscheidet und auf die in der Realität vorhandenen Grautöne verzichtet. Ich bezweifle, dass die Zielgruppe – Leser ab 14 Jahren – so naiv ist, dieses Märchen-Schema zu akzeptieren und die mit dem Holzhammer eingeprügelte Moral „Drogen sind böse!“ für sich als Lebensweisheit mitnimmt. Man hätte jungen Lesern durchaus mehr zumuten können und so eine komplexere Geschichte, die jedoch realistischer gewesen wäre, kreieren können. So bleibt eine schwache Geschichte, die jedoch toll erzählt wird.