Nell Zink – Doxology

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Nell Zink – Doxology

New York pre-9/11. Pam, Daniel and Joe lead the life of a more or less successful punk band. They live their dream, not much money coming in, but they can do what they like to. They are happy and luck is on their side when Pam accidentally falls pregnant and Joe has a hit single. Despite his success, Joe spends most of his time with young Flora, his simple but caring mind is the best that could happen to the girl. With the attacks on the World Trade Center, everything changes for this small community. Daniel brings his family away from the Big Apple to his wife’s parents in Washington where Flora will then grow up. She does not become a dreamer like her parents but is a strong activist for environmental matters and has the strong conviction that things can be changed.

Doxology – an expression of praise to God. There are different kinds of god in Nell Zink’s novel who are worshipped. From the punk rock gods who are idolised by their groupies to politicians who promise their voters more than the world to lovers for whom they are ready to give up their ideals. Yet, none of them can fulfil the promises made and at last, the characters have to fend for themselves.

I find it especially hard to write a review on the novel since I still don’t know what to think of it. I certainly admire her style of writing, it is lively and witty and her characters are authentic and powerful. However, it is hard to determine what the novel is about and what the author wants to point at.  There is the (not so) easy-going time of the 1990s punk rock scene in New York, where life outside the bubble can be ignored. Family strings are cut and the musicians submerge totally in their artistic bath. 9/11 not only ends carefree life in New York but also their punk rock dream and the story shifts to Flora and her growing-up in Washington. In her early 20s, she could hardly be more different from what her parents were at that age. Her focus is totally different – well, she belongs to another generation with other topics.

Flora is the product of her grandparents’ and parents’ decisions – and she herself has to make some major choices that will impact her existence. Maybe this is what the book is about after all: life as a chain of decisive moments that lead you in one or the other direction. Quite often there is no actual “right” or “wrong”, much more, the real implications only reveal themselves later. Does it help to ponder about past decisions? No, life goes on and you have to face it anyhow. A wonderfully written family history which is nevertheless not easy to grasp.

Amy Waldman – Der amerikanische Architekt

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Amy Waldman – Der amerikanische Architekt

Den Opfern des Angriffs auf die Türme des World Trade Centers soll eine Gedenkstätte gebaut werden. Eine Jury aus Experten und Vertretern der Hinterbliebenen hat monatelang getagt und ist nun dabei, die finale Entscheidung zu treffen. 5000 Entwürfe haben sie gesichtet, alle anonym eingereicht, um jede Form der Beeinflussung auszuschließen. Ein Garten wird der Sieger sein, doch als der Umschlag mit dem Namen des Architekten geöffnet wird, gefriert der Jury das Blut in den Adern: Mohammad Khan. Offensichtlich Muslim. Einer von denen. Man beschließt, das Ergebnis noch nicht zu veröffentlichen und sich selbst Bedenkzeit zu geben – doch jemand hält nicht dicht und schon kurz danach ist die Öffentlichkeit informiert und erwartungsgemäß empört. An dem unlösbaren Dilemma müssen nun die Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft erprobt werden.

Amy Waldman hat in ihrem Debütroman eine Situation geschaffen, die nicht nur die involvierten Individuen herausfordert, sondern eine gesamte Bevölkerung betrifft und die keinen offenkundigen Ausweg erlaubt, der sowohl individuellen wie auch emotionalen Bedürfnissen gerecht wird.

Die Jury ist gefangen zwischen den Optionen, den selbstgewählten Weg weiterzuverfolgen und die Person des Architekten hinter den Entwurf zustellen. Für diesen haben sie sich mehrheitlich entschieden und nicht ohne Grund war das Verfahren anonym. Auch die Zusammensetzung der Experten war mit Bedacht gewählt, nicht die Emotionen der Hinterbliebenen sollten dominieren, sondern fachkundige architektonisch-künstlerische Argumente. Ihre Entscheidung, die Wahl letztlich in die öffentliche Meinung zu legen und eine landesweite und sogar globale Diskussion zu erlauben, ist eine Kapitulation vor der eigenen Aufgabe und den selbstgesetzten Idealen.

Mohammad Khan ist als Sohn indischer Einwanderer typisch amerikanisch aufgewachsen, hätte sich selbst nie über seine Religion definiert und gilt als begabter junger Architekt mit großer Zukunft. Er wird verhaftet für eine Tat, die er nicht begangen hat, mit der er sich nicht identifiziert und die noch nicht einmal im Zusammenhang mit seinem persönlichen Familienhintergrund steht. Je mehr er in die Enge gedrängt wird, desto mehr übernimmt er auch eine Rolle, die er gar nicht haben will. Resigniert stellt er irgendwann fest: er wollte mit seinem Entwurf Amerika einen. Das ist ihm gelungen, sie sind irgendwann alle gegen ihn, Muslime und Nicht-Muslime vereint gegen diesen Architekten.

Auch die Nebenfiguren haben vielschichtige Meinungen und bieten eine Reihe von differenzierten Perspektiven in dieser Thematik. So wird das zugrundeliegende Dilemma auch in der Breite offenkundig: ein Einwanderungsland, das sich immer über Vielfalt definiert hat und offen war für neue Einflüsse, das sich der vorbildlichen Integration aller rühmt, muss erkennen, dass es keineswegs das Land ist, das es glaubte zu sein. Hinzu kommen individuelle Verfehlungen und Schwächen, die jedoch den öffentlichen Raum einnehmen und die Diskussion befeuern: wer laut ist, wird gehört. Welche Motive die Person antreiben wird dabei von der Lautstärke übertönt und übersehen.

Unweigerlich erinnert einem die Geschichte an Shakespeares berühmten Ausspruch in „Romeo and Juliet“:

„What’s in a name? that which we call a rose

By any other name would smell as sweet“.

Der Name des Architekten macht ihn zu dem, was die Leute in ihm sehen wollen. Doch egal wie er heißt, er ist ein amerikanischer Architekt, der die Ideale seiner Generation lebt und sowohl Herkunft seiner Eltern wie auch vorgebliche Religion wenig Bedeutung zumisst. Doch das Volk will das sehen, was es in den Namen hineinprojiziert: der Vorname Mohammad macht ihn zum Vorzeige Muslim und damit zum Feind des Landes und Mörder. Dadurch ist er nicht mehr der Mohammad Khan, der er immer war, der eigentlich kaum amerikanischer hätte sein können: als Kind von Einwanderern hart gearbeitet, auf dem Weg zum beruflichen Erfolg und nun der Gewinn dieser Ausschreibung. Der amerikanische Traum, der an seinem Namen scheitert.