Juno Dawson – Meat Market

Juno Dawson – Meat Market

Die 16-jährige Jana Novak wird in einem Londoner Park von einem Modelscout angesprochen. Sie kann erst gar nicht glauben, dass das sein Ernst sein soll, ist sie doch ihr Leben lang schon aufgrund ihrer Größe dem Spott der Mitschüler ausgesetzt. Über Nacht wird das Mädchen zum Superstar der Modelszene, alle reißen sich um das außergewöhnliche neue Gesicht. Sie fliegt um die Welt, lernt berühmte Schauspieler und Models kennen und begegnet sich selbst auf Werbeplakaten auf den meistbesuchten Plätzen der Metropolen. Doch bald wird ihr auch die Schattenseite der Branche bewusst, sie ist kaum mehr zu Hause, der Kontakt zu ihren Freunden wird immer schwieriger und die Erschöpfung von viel Arbeit, viel Party und kaum ordentlicher Nahrung hinterlässt auch ihre Spuren. Glücklicherweise haben ihre Kolleginnen Mittel und Wege gefunden, damit umzugehen und versorgen auch Jana mit den kleinen Glückspillen. Doch der wirkliche Tiefpunkt steht ihr erst noch bevor…

Die Jugendbuchautorin Juno Dawson greift in ihren Geschichten genau jene Themen auf, die die Zielgruppe bewegen und denen sie oftmals eher leichtgläubig begegnen. Ihr gelingt dabei der schmale Grat zwischen erhobenem Zeigefinger und Unterhaltung und auch mit „Meat Market“ schafft sie es, den Mythos des schönen Scheins der Modewelt kräftig anzukratzen, ohne dabei wie die meckernde, besserwissende Mutti daherzukommen. Ihre Protagonistin wirkt authentisch in ihren Gedanken und auch wenn das Ende für meinen Geschmack übers Ziel hinausschießt, kann der Roman mit seiner Message doch überzeugen.

Janas Aufstieg verläuft katapultartig, heute noch Schülerin, morgen schon begehrtes Supermodel. Gedanklich kommt das Vorstadtmädchen kaum hinterher, immer noch empfindet sie sich als nicht anders als ihre Freunde, mit denen sie gerade noch die Schulbank gedrückt hat. Sie wird von einem Tsunami erfasst und in eine fremde Welt geschleudert. Gerade die Darstellung dessen, wie sie versucht, noch an dem alten Leben festzuhalten und wie doch unübersehbare Risse entstehen und sie sich zunehmend entfremdet, ist der Autorin hervorragend gelungen.

Auch wenn ich die Darstellung der Modelwelt grundsätzlich glaubhaft finde – totale Überhöhung neuer Gesichter, permanenter Druck auf die jungen Mädchen abzunehmen, versiffte Modelwohnungen, unglaubliche Summen für Fotoshootings, leichtfertiger Drogen- und Tablettenkonsum um das hohe Tempo der Branche auszuhalten – war einiges doch auch eher klischeehaft überzeichnet. Die osteuropäischen Mädchen, die sich neben dem Modeln in der Oberschicht regelrecht prostituieren, um mehr Geld zu verdienen, die eine gute Freundin in der Branche, die am Ende alles rettet und zum dem großen Sieg gegen die dunklen Mächte der Branche verhilft – das war etwas zu einfach aus meiner Sicht und verleitet zum dem Irrglauben, dass jedes kleine und naive Mädchen selbstverständlich ganz Großes bewirken kann.

Trotz der Schwächen ein lesenswerter und unterhaltsamer Roman, der es auch schaffen wird, das eine oder andere etwas verrückte Bild der Topmodel-Welt wieder geradezurücken.

Adeline Dieudonné – Kérozène

Adeline Dieudonné – Kérozène

Eine einsame Tankstelle in einer lauen Sommernacht, irgendwo in den Ardennen. Nur das unwirkliche Licht der Leuchtreklame lässt einen Blick auf die Menschen erhaschen, die sich dort begegnen. Es ist 23 Uhr 12 und in einer Minute wird sich die ganze Welt verändern. Ein Duzend Personen, die sich aus ganz unterschiedlichen Motiven an diesem unwirklichen Ort aufhalten, werden sich kreuzen, sehen oder auch nicht, und Entscheidungen treffen, die gut sind oder vielleicht auch nicht. Chelly, impulsive Pole Dance Lehrerin, Victoire, Model mit Angst vor Delfinen, Loïc, Pannenhelfer, der nichts anbrennen lässt, Alika, philippinisches Kindermädchen, Monika, eine alte Dame, die ihren Wald retten möchte, Red Apple, ein verzweifeltes Pferd, Julie, die von ihren Schwiegereltern gynäkologischen Untersuchungen unterzogen wird – diese und andere außergewöhnliche Figuren bringen alle ihre ganz eigene Geschichte mit an den verlassenen Ort.

Die belgische Autorin Adeline Dieudonné hat mit ihrem Debüt „La vraie vie“ (Das wirkliche Leben) für Furore gesorgt, entsprechend hoch die Erwartungen an den zweiten Roman. Auch wenn die einzelnen Kapitel zunächst nur lose verbunden erscheinen, gelingt es ihr wieder, die geradezu surreal anmutende fiktive Realität glaubwürdig erscheinen zu lassen und die Wege der Figuren geschickt zu einem Ganzen zusammenzuführen. Ort und Zeit lassen schon vermuten, dass es etwas trashig werden könnte und das wird es in den Lebensgeschichten auch, aber niemand hat je behauptet, dass das Leben nur auf der Sonnenseite stattfinden würde.

Der Scheinwerfer wird auf eine Figur nach der anderen gerichtet. Ein kurzer Moment, ein kurzer Blick in die Leben, die oft tragisch, voller Gewalt sind und die Figuren zu der Person gemacht haben, die an diesem Abend an der Tankstelle strandet. Die Autorin hebt die Einzigartigkeit hervor, die jedes Leben kennzeichnet, legt die tiefsten Geheimnisse und Gedanken offen, die sie versuchen verborgen zu halten.

Der Roman hat ein bisschen was von einem Horrorfilm, doch wo es gelingt, sich beim Blick auf den Bildschirm zu distanzieren, weil man weiß, dass das Blut nicht echt und das Leid nur gespielt ist, lässt Dieudonné das Grauen hier im Galopp los und überrennt einem als Leser. An Intensität steht auch dieser Roman dem ersten der Autorin in nichts nach.

Die Kritiker sind gespalten, das Urteil reicht von „banalem, aussagelosen Trash“ bis „herausragende Literatur“, ein Dazwischen scheint es kaum zu geben. Vielleicht muss man einen eigenen Zugang zu diesem speziellen Sujet und der oft sehr expliziten Sprache finden, um mit der Autorin etwas anfangen zu können. Für mich bleibt sie auch mit diesem Roman ganz weit vorne in der Liste der lesenswerten Gegenwartsautorinnen.

Carlos Montero – Après toi le chaos

Carlos Montero – Après toi le chaos

La jeune professeure de littérature Raquel accepte un poste à Novariz, ville natale de son mari en région de Galicie au nord de l’Espagne. La collègue qu’elle remplace s’est suicidée, au moins c’est ce que tout le monde croit, sauf son mari, lui aussi prof du même lycée, qui est convaincu que sa femme a été tuée. Raquel n’a pas l’impression d’être bienvenue, dès le premier jour, les élèves se montrent hostiles et peu après, elle aussi est menacée directement. Elle commence à douter, est-ce que Viruca, sa prédécesseuse, a vraiment décidé de mettre fin à sa vie ou est-ce que son mari a raison et c’était un crime parfait ? Plus elle est menacée, plus elle cherche des réponses ne sachant qu’elle est en train d’ouvrir la boîte de Pandore.

« Après toi le chaos » est le deuxième roman de l’auteur et scénariste espagnol Carlos Montero pour lequel le prix Premio Primavera de Novela 2016 lui a été attribué. En 2020, Netflix a adapté le thriller psychologique. Une fois commencé, on ne peut plus arrêter la lecture, le roman capture immédiatement et il est remplis de suspense du début jusqu’á la fin.

La protagoniste raconte les événements de son point de vue, parfois, sa narration est interrompue par des récits au troisième personnage ce qui ajoute au suspense comme le lecteur est un peu avancé par rapport à Raquel.

« Toutes les pires horreurs que tu peux imaginer, quelqu’un les a déjà commises. »

J’ai aimé le double crime, d’un côté, il y a la question de ce qui s’est passé avec Viruca, de l’autre, Raquel, elle aussi, est sous menace et on ne sait ni de quel côté ni où cela mènera. Parfois, j’avais envie de lui crier d’arrêter et de s’enfuir le plus vite possible, mais, c’est grâce à son courage que, peu à peu, un réseau incroyable est découvert et c’est seulement sur les dernières pages que l’ampleur se révèle totalement et fait preuve de la citation.

Exactement ce qu’on attend d’un thriller psychologique.

Lisa Taddeo – Animal

Lisa Taddeo – Animal

Joan flees New York to California after he lover Victor shot himself publicly in front of her. With little money left, she finds a small place to stay and she also finds the woman she was looking for. Alice, whom she had tracked online over all those years. She thinks back to what her life had to offer so far, her mother who was unable to love her, her father whom she admired childishly. Both have long been gone. Joan can run, but somehow her bad luck follows her, she seems prone to attracting all kind of evil and so it does not take too long until it comes back to her.

Lisa Taddeo made her debut with “Three women“ which I already liked a lot. In her latest novel, too, complicated relationships between men and women are central to the story’s development. The narrator herself is unable to love unconditionally, she needs to have the upper hand over her lovers, yet, this presumed precaution measure fires back and somehow she is stuck in the role of the kid who is longing for being loved. She is addressing her account of the events to somebody, yet it takes until the end for the reader to understand whom she tells about her life.

From a psychological point of view, Taddeo has created quite interesting characters. Violence and love are constantly opposed and they seem not to able to exist without each other. Joan’s grandmother has been raped, a dramatic experience of violence, yet, we do never learn about what this did to the woman. On the other hand, Joan’s mother does not seem to be a direct victim, yet, she reacts quite strongly and refuses her daughter the love she craves for. The women in her family are no good role models, yet, her father, too, does not provide a good example of how to behave, especially at critical moments in his life. As a consequence, Joan is unable to lead a relationship at eye level and feels the need to protect herself from the things that might happen.

Thus, as a grown up, Joan replicates what she has seen as a kid and ignores the effect this might have on others, only when she is confronted with a kind of mirror, her genuine feelings offer her another way.

“Animal” is all but an easy read, yet, it offers a lot of food for thought and raises important questions concerning central human emotions and behaviour. I am not an expert, however, I would classify Joan’s thinking with all those flashbacks as symptoms of post-traumatic stress disorder which is highly likely from her family’s history. In this respect, the author very successfully displays the impact of traumatic events on untreated children.

Rivka Galchen – Everyone Knows Your Mother Is a Witch

Rivka Galchen – Everyone Knows Your Mother Is a Witch

Even though the Middle Ages are over, superstition and strange beliefs are still widespread among people. Thus, in 1615, Katharina Kepler finds herself accused of witchcraft by the people of her hometown of Leonberg in southern Germany. Times are hard, the Plague is spreading the Thirty Years’ War has just begun and somebody must be blamed for all the things happening. Katharina is an elderly widow, illiterate and mother of the astronomer Johannes Kepler. She leads a simple life, attending to her cow Chamomile. One day, however, Ursula Reinbold, accuses her of witchcraft, having offered a bitter drink which allegedly poisoned her, and surprisingly, the court not only listens but more and more people come forwards with testimonies of Katharina’s ill-doing. Only her neighbour, old Simon, who prefers to keep to himself, stands by her side.

Rivka Galchen’s story is based on a true story, Johannes Kepler’s mother was a healer and herbalist and arrested for witchcraft. The famous son stopped his research in planetary motion to defend his mother. Not only Katharina became victim of this kind of accusation, the town’s advocate Lutherus Einhorn accused 15 women in one trial and had executed eight of them in 1615.

At first, Katharina doesn’t take the accusation seriously, it is just talk for her, until she is put to prison and has to learn that more and more people come forward with other stories which seem to underline her doing black magic. She tries to counter the attack by accusing Ursula and her husband of slander, yet, her own case vanishes somewhere in the depth of local jurisprudence.

“We all know she’s a witch. We’ve always know. The matter of how we came to know is simple – we already knew.”

The accusations brought forward rage from poisoning, causing lameness, several deaths, injuring a woman’s foot, harming numerous people and animals – a long list which is getting more and more absurd during the story. I liked the interrogations of the inhabitants since they show not only the superstition they fall prey to, but also the dynamics of a small town which turns against one woman. Everything ill that has ever happened is simply attributed to Katharina. The allegations are so ridiculous that you could laugh weren’t it for Katharina’s case and the fact that the people’s testimonies seem to be believed.

Even though the plot is based on a well-documented historical case, you can see more or less the same thing happening today. It is not the small town anymore, but the world wide web in which often just one single person brings forward an accusation – no need for proof anymore – and masses jump on the bandwagon and have their twitter trial even before the issue is sorted out. It doesn’t matter if the accused is later discharged or not, the only thing that counts is public opinion which is quick at passing a sentence.

An entertaining read which outlines the dark sides of human nature – envy, greed, malicious gossip – and the danger that might come from it.

Violette Leduc – Thérèse und Isabelle

Anfang der 1950er Jahre in einem katholischen Mädcheninternat in Frankreich. Isabelle ist die beste Schülerin, die alle bewundern, die neue Schülerin Thérèse ist die Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die zum Zielobjekt ihres Hasses wird. Doch die anfängliche Abneigung der beiden gegeneinander wandelt sich und wird zu einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung. Nachts im Schlafsaal, wenn alle anderen in ihre Träume versunken sind, geben sie sich ihren Gefühlen hin und entdecken die Liebe, die nicht sein darf. Nicht bei Minderjährigen, nicht bei zwei jungen Frauen und gleich dreimal nicht im Internat. Immerzu drohen sie aufzufliegen und Thérèses intensive Abhängigkeit macht es bald unmöglich für sie, einen Schultag zu durchzustehen.

Auch wenn Violette Leducs Schilderung der unerlaubten Liebe voller versierter Sprachbilder ist und die Emotionen der Mädchen, das überwältigende Gefühl der ersten echten Liebe, die erwidert wird, minutiös einfängt, sind es doch mehr noch die Umstände der Entstehung und die Geschichte der Novelle, die daran faszinieren.

Die Autorin verfasste „Thérèse und Isabelle“ als ersten von drei Teilen ihres Romans „Ravages“, der drei autobiografisch geprägte Liebesepisoden schildert. Von Simone de Beauvoir unterstützt, die das Potenzial der Geschichte und Leducs erkannte, wurde er verschiedenen Verlegern vorgelegt, die jedoch 1954 alle Angst vor der Zensur hatten und wussten, dass die Zeit für eine so offene Schilderung gleichgeschlechtlicher Liebe noch nicht gekommen war. Es erschienen erst viel später redigierte Fassungen, bis 2000 Gallimard erstmals die ursprüngliche Version als Einzelband herausgab.

Violette Leduc wollte keinen Skandal provozieren, sie schildert einfach nur das Erleben großer Leidenschaft in völlig unschuldiger Form. Es ist für Leser von heute kaum mehr nachvollziehbar, was an dem Text anstößig sein soll, ja, er ist explizit, aber in einer poetischen Weise und nicht plump wie das, was einem tagtäglich online entgegenspringt. Auch das die Protagonistinnen zwei junge Frauen sind, die ihre Zuneigung ausleben, sollte hoffentlich niemanden mehr schockieren. Der Roman ist nicht pornografisch oder voyeuristisch, sondern wirkt geradezu naiv in Thérèses Faszination von Isabelle. Es ist schlicht das Zeugnis einer verbotenen Liebe, die sich dennoch ihren Weg bahnt.

President Bill Clinton/ James Patterson – The President’s Daughter

President Bill Clinton/James Patterson – THe President’s Daughter

Matthew Keating wanted to serve a second term as POTUS, but his mission against one of the evilest terrorists went disastrously wrong and cost him the presidency. Now, he is doing more or less nothing apart from fishing and not so much enjoying himself. When his daughter Mel is abducted by IS terrorist Asim Al-Asheed who wants to revenge his wife and daughters, ex SEAL Matt takes it personal. Since the official agencies totally fail to rescue the girl, he decides to become active himself to get her back. He is still well-connected and secretly sets up a small team to do what a father has to do.

The second cooperation between former President Bill Clinton and well-known crime writer James Patterson is a fast-paced mixture of political and spy thriller which also gives deep insight in how the different national agencies work with and against each other. The thriller brilliantly shows that politics can be a nasty business where personal agendas at times conflict with national interests and ethics. Also, since the end of the Cold War, the lines between confronting enemies have become blurred and the world is a much more complex place with several stakeholders all acting and interfering simultaneously.

First and foremost, the novel lives on the protagonist Matt Keating who tries to free his daughter. Even though we first meet him in the role of the president, his former occupation as a member of the US SEALs is a much more formative aspect of his character. When he learns of is successor’s unwillingness of helping to liberate his daughter, he reactivates his knowledge and connections to rescue her on his own. Admittedly, I doubt how realistic this might be, however, it certainly makes a good action-loaded plot. The daughter, too, is a tough cookie, even though raised in a rather comfortable position, she is courageous and has a strong will to survive which gives her more power than was to be expected.

What I found most interesting, however, was not just the war between the terrorist and the USA but how China meddles and how conflicting interests endanger civilians which are nothing more than collateral damage. Ironically, it is a private affair that leads to the downfall of the current president – highly likely in our times.

Great entertainment which surely also works quite well on the screen since it incorporates the core virtues of bravery, persistence, teamwork and love.

Marie Aubert – Grown Ups

Marie Aubert – Grown Ups

Sisters Ida and Marthe have planned to spend some days together at their cabin close to the sea where they will be joined by their mother and her partner. Ida is reluctant to go there, with her 40th birthday only a couple of weeks ago and still no father for prospective children in view, she knows that her window of becoming a mother is getting closer and closer. This is why she decided to freeze some of her eggs. Yet, it does not hinder her from negative feelings towards Marthe who, now pregnant and stepmother of beautiful 6-year-old Olea, seems – as always – to get everything she wants. Hard feelings accompany Ida and slowly turn their holiday together into a catastrophe.

I totally enjoyed Marie Aubert’s novel as I could easily sympathise with her narrator and protagonist. Additionally, there is some fine irony and humour in the text which make it a great read. The relationship between sisters quite often is all but easy and even as grown-ups, hard feelings and emotional injuries from the childhood can sit deep and hinder them from ever having a healthy bond.

Ida obviously is envious, her sister not only has a living husband but also a lovely stepdaughter and she’s pregnant. Even though Ida is a successful architect, she has never managed to establish a functioning relationship with a partner and feels lonely and somehow failed in life. Always being second, this is how she has grown up, no matter which achievements she reached, there was always Marthe who was ill and thus spoilt those rare moments of joy for Ida. Their mother does not seem to be aware of the difference she makes between the girls – yet, one has also to take into account that we only get Ida’s point of view which quite naturally is not only limited but highly biased.

“It’s not right That it should be so easy for others and so hard for me, I don’t get it, if there’s some sort of formula, a code that others know about, one they’ve known since they were young but which I’ve never quite grasped.”

Ida gets worked up about her sister and is willing to destroy her sister’s life when she is drunk one evening. This is rather tragic to observe and Ida turns into a pitiable character who does not realise that she will be even lonelier if she loses these last persons around her. She is aware of this but cannot act differently.

Marie Aubert’s debut is elegantly narrated, yet, the story leaves you with mixed feelings. It is joyful at times but the dysfunctional family is also an emotional challenge.

James Hawes – Die kürzeste Geschichte Englands

James Hawes – Die kürzeste Geschichte Englands

Den Brexit haben die Menschen auf dem Kontinent teils fassungslos, teils kopfschüttelnd betrachtet. Wie konnte es zu so einer gravierenden (Fehl-)Entscheidung kommen? Man hat den Eindruck die Briten nicht mehr zu verstehen, vielleicht aber auch nie verstanden zu haben. Tausende Jahre Geschichte sind es, die das Land zu dem gemacht haben, das diese folgenreiche Abstimmung herbeiführte. Doch kann man einen so langen Zeitraum prägnant und gut lesbar zusammenfassen? James Hawes ist dies gelungen. Von Caesars Eroberung über zahlreiche Kriege bis hin zur Entstehung des Empire und dessen Niedergang im 20. Jahrhundert, ein letztes Aufbäumen durch popkulturelle Erfolge kurz vor der Jahrtausendwende und schließlich die Absage auf ein gemeinsames Europa. Mit zahlreichen historischen Dokumenten, Karte und prägnanten Schaubildern untermauert er die Tatsache, dass die Nation nicht erst im Brexit ihre tiefe Spaltung zeigte, tatsächlich war sie nie wirklich vereint.

James Hawes ist Germanist, der an verschiedenen Universitäten im Vereinigten Königreich lehrte. In den 1990ern war er mit zwei Romanen recht erfolgreich, seine Abriss über die Geschichte Deutschlands wurde in seiner Heimat mit sehr positiven Kritiken aufgenommen, was vermutlich auch zur Entstehung seines aktuellen Werkes beigetragen hat. „Die kürzeste Geschichte Englands“ hält, was der Titel verspricht. Anhand des roten Fadens der Spaltung leitet den Autor durch 2000 Jahre Geschichte, die notwendigerweise reduziert, aber gleichsam zielgerichtet und leicht verständlich wird.

Mit der britischen Geschichte grundlegend vertraut, hat mich Hewes‘ Buch dennoch gereizt, weil man gerade wegen der politischen Entwicklungen der letzten Jahre anfing zu zweifeln, ob man das Land und seine Bewohner wirklich kennt oder ob es nicht doch tiefergehende Faktoren gibt, die man übersehen hat. Geschichte ist nicht linear und eindimensional, sondern vielschichtig und unterschiedliche Faktoren überlagern sich. Trotz der Kürze arbeitet der Autor dies immer wieder heraus. Sprache, soziale Schicht, Geografie, Glaube – weder lassen sie sich trennen noch genügen sie einzeln zu erklären, weshalb an unterschiedlichsten Stellen Risse, Brüche und tiefe Gräben existieren, die zwar gelegentlich gekittet den Anschein einer vereinten großen Nation erweckten, unter der Oberfläche jedoch ein vielfach zerfasertes Gebilde beherbergten.

Das etwas andere Geschichtsbuch, das nie den Anspruch auf Vollständigkeit und Ausführlichkeit legt, sondern zielgerichtet einen anderen Blick auf Großbritannien wirft und leider auch kein besonders optimistisches Fazit zieht.

Zakiya Dalila Harris – The Other Black Girl

Zakiya Dalila Harris – The Other Black Girl

Nella Rogers has achieved what she could only dream of, at 26 she is editorial assistant at one of the most prestigious publishing houses. The only thing she has been struggling with the last two years is how the idea of diversity has never entered her workplace, after the Asian girl left, she is the only person with a different background. Things change when unexpectedly Hazel is employed and gets the cubicle next to her. Nella senses immediately that with another black girl, they might finally make a change in publishing, promote more diverse authors and bring forward new topics relevant to a large audience which wasn’t addressed so far. However, it does not take too long until Nella’s work life starts to go downhill.

Zakiya Dalila Harris’ debut novel has been called one of the buzz books of 2021 by several magazines. I was intrigued by the blurb immediately, a kind of horror version of “The Devil Wars Prada” sounded totally enthralling. For a long time, “The Other Black Girl” could fulfil the expectations, there is a highly uncomfortable feeling creeping around, yet, the end was a bit too much for my liking.

Nella is quite a likeable young woman, hardworking and even though not an activist she is following the Black Lives Matter movement even before this becomes a widespread phenomenon and big news. She imagines being able of making a change in the publishing industry but first needs to get at the position where she has the actual power to do so. Therefore, she is quite assimilated and she swallows comments from her colleagues even though they might be quite offensive for persons of colour. With the arrival of Hazel she seems to get an ally and befriends her immediately.

For the reader, even though there are some chapters which seems unrelated to Nella’s story but hint at some goings-ons beyond her scope, it is obvious that Hazel is not the friendly and reliable colleague Nella assumes, this was an aspect which annoyed me a bit, I didn’t get the impression of Nelly being that naive and credulous at first and would have liked her to be a bit cleverer in relation to what happens at her workplace.

The novel, however, is quite strong at portraying Nella’s feelings as being the only black girl, the role she assigned to as representative of a totally diverse group which is just too simplistic, yet, nobody really seems to care about the concept of diversity, having one black girl is enough. She has other issues than her colleagues, especially the talk about hair was quite a novelty, even though this is a huge topic if you do not have the easy-care blond hair.

Overall, I liked the writing and found Nella’s perspective and the insight in the publishing world interestingly realised.