Claire Vaye Watkins – I Love You But I’ve Chosen Darkness

Claire Vaye Watkins – I Love You But I’ve Chosen Darkness

When does a postpartum depression end and a real depression begin? The narrator – coincidentally with the same name and profession as the writer – is exhausted after giving birth. Flying to Reno for a book reading and leaving everything and everybody behind seems to be a good way out of the daily chores for a couple of days. Yet, she decides not to return but to reconnect with her hometown in the Nevada desert. Many people she had forgotten turn up and bring back memories and she questions the road she has taken since she could have chosen a completely different one.

Admittedly, the blurb sounded intriguing and I have read several reviews praising Claire Vaye Watkins’ novel “I Love You But I’ve Chosen Darkness”. However, for me, it didn’t really work. It is experimental in form and quite often there are lengthy quotations I had difficulties linking to the plot. The narration is strongest when we learn about the new mother’s struggles with her role, the new situation and the feeling of being fatigued. The rest seemed to be a bit messy which might well reflect the narrator’s – any maybe author’s – state of mind.

The book might best be described as an odyssey in which the narrator sails through time and space, searching for her identity which seems to have gone lost with childbirth. She could stop her journey at any moment and go back to her husband and daughter, but she doesn’t. She knows that there will be some nasty encounters and she will see places she only wanted to forget, but something drives her to continue.

Neither could I sympathise with the narrator nor could I really make sense of her adventure. It might be a question of hormones that you can only really understand if you have been in a comparable situation.

Arttu Tuominen – Was wir verschweigen

Arttu Tuominen – Was wir verschweigen

Gerade hat man Jari Paloviita zum kommissarischen Chef ernannt, als die Polizei von Pori auch schon mit einem Mordfall konfrontiert wird: in einem Sommerhaus kam es zu einem Gelage, das aus dem Ruder lief. Am Ende des Abends ist ein Mann tot, ein Verdächtiger wird jedoch blutverschmiert unweit im Wald aufgegriffen. Die Zeugen sind weitgehend nicht zu gebrauchen, zu viel Alkohol und anderes machen ihre Aussagen unbrauchbar. Jari überlässt den Fall seinen beiden Ermittlern Hendrik und Linda, es scheint nicht so schwierig zu sein, hier eine Anklage vorzubereiten. Doch als er die Namen von Opfer und Täter liest, bleibt Jari das Herz beinahe stehen. Er kennt beide. Schon sehr lange und er weiß auch, was im Sommer 1991 geschehen ist.

Der Ingenieur Arttu Tuominen stammt aus der mittelfinnischen Hafenstadt Pori und hat bereits vier Krimi veröffentlicht. „Was wir verschweigen“ ist der Auftakt der sogenannten DELTA Serie und wurde mit dem finnischen Krimipreis als bester Spannungsroman des Jahres 2020 ausgezeichnet. Geschickt verbindet er die aktuellen Ermittlungen mit der Kindheit des leitenden Kommissars und baut sowohl in der Vergangenheit wie auch der Gegenwart einen Spannungsbogen auf, der sich erst spät löst. Im Zentrum dabei die Frage, wo Jari steht: auf Seiten des Rechts oder einer lange zurückliegenden Verpflichtung.

„Freundschaft hat nichts mit Recht oder Schuld zu tun. Das wüssten Sie, wenn Sie auch nur einmal in Ihrem Leben jemanden gekannt hätten, dem Sie bedingungslos vertrauen konnten.“

Der Fall bringt Jari in eine moralische Zwickmühle, aus der er sich nicht lösen kann. Er vertritt das Recht, muss dafür sorgen, dass Gerechtigkeit geschieht, dass die Ermittlungen geregelte Wege gehen und dass vor dem Gesetz alle gleich behandelt werden. Doch es gibt noch eine alte Schuld, eine Verpflichtung, ein Versprechen, denen er sich ebenso verpflichtet sieht. Er ringt mit sich, hofft auf eine andere Lösung, die von irgendwoher kommt.

Es ist nicht die Frage, ob der vermeintliche Täter die Tat wirklich begangen hat. Was an dem fraglichen Abend geschah, rück in den Hintergrund. Es ist ein Kampf, der sich nur in Jari abspielt und es ist klar, dass auch nur er die Entscheidung treffen wird, in welche Richtung das Pendel ausschlägt, wofür er sich entscheidet, wozu er sich bekennt.

Ein Krimi, der ganz traditionell beginnt und dann zu einem Gewissenskonflikt wird, auf den man auch als Leser nicht leicht eine Antwort findet. Mit dem Protagonisten ist man in der Situation gefangen und kann nur für sich selbst überlegen, ob man seine Schritte genauso gehen würde oder man sich eher für ein anderes Handeln entscheiden würde.

Ein Krimi, der den Leser in vielerlei Hinsicht herausfordert und gedanklich einbindet mit der Frage: was würde man selbst tun?