Jørn Lier Horst – Wisting und der See des Vergessens


Jørn Lier Horst – Wisting und der See des Vergessens

William Wisting ist im Urlaub als er einen anonymen Brief mit einer Fallnummer erhält. Der Mord an einer jungen Frau aus dem Jahr 1999, der aufgeklärt und der Mörder verurteilt werden konnte. Dieser hat inzwischen seine mehrjährige Strafe abgesessen und ist wieder ein freier Mann. Auf einen zweiten Fall aus dem Jahr 2001, an dem Wisting selbst arbeitete, wird er ebenfalls anonym aufmerksam gemacht. Beide Fälle weisen frappierende Parallelen auch. Auch in diesem Fall gab es eine Verurteilung, der Täter ist zwischenzeitlich jedoch bereits verstorben. Was will man Wisting mitteilen? Und vor allem: wer? Während der Kommissar seinen Urlaub also mit privaten Nachforschungen verbringt, sind seine Kollegen an einem aktuellen Fall, bei dem ebenfalls eine junge Frau zu Tode kam, diesen kann Wisting jedoch nur aus der Ferne begleiten – bis sich die Fälle beginnen zu kreuzen.

„Wisting und der See des Vergessens“, Jørn Lier Horsts vierter Roman der Cold Case Reihe fügt sich nahtlos in die Serie der Altfälle ein, die den norwegischen Ermittler beschäftigen. Im Gegensatz zu den vorherigen jedoch, sind die aktuellen Fälle geklärt, was ein gänzlich anderer Ansatz ist. Diese dennoch erneut aufzurollen und nochmals zu betrachten, hat einen ganz eigenen Reiz, insbesondere, da sich die Kriminaltechnik im Laufe der Jahre enorm entwickelt hat und auch, weil hier die Polizeiarbeit durchaus kritisch hinterfragt wird.

Die Geschichte beginnt nicht mit einem aufsehenerregenden Fall oder einem dramatischen, noch immer ungeklärten Verbrechen. In entspanntem Erzählton darf der anonyme Briefeschreiber den Stein ins Rollen bringen, der sofort Wistings Neugier weckt. Weder Urlaub noch Krankheit können ihn vom Ermitteln abhalten. Es ist kein Rennen gegen die Zeit, eher eine akribische, solide Revision der alten Ermittlungen, die den Krimi prägt, der daher viel weniger durch Spannung als durch interessante Einblicke in die Polizeiarbeit überzeugen kann. Immer wieder neue Spuren tauchen unerwartet auf und lenken Wisting mal in diese, mal in jene Richtung. Über allem schwebt jedoch immer das große Fragezeichen nach dem heimlichen Strippenzieher, der den Kommissar wie eine Marionette zu lenken scheint.

Ein grundsolider Krimi, der detailreich die Ermittlungen aufschlüsselt ohne dabei jedoch langatmig zu werden oder sich in ebendiesen zu verlieren. Ganz im Gegenteil, an zahlreichen Stellen hat sich mir die Frage gestellt, ob die rechtlich in Deutschland ähnlich wäre, wie etwa die Auswertungen von Dashcams, der unmittelbare Zugriff auf Daten von Mautstationen und Stromanbietern oder das Auslesen von Gesundheitsapps. Umgekehrt verblüfft, welche Schlüsse aus diesen neuen Daten gezogen werden können und verdeutlicht, wie gläsern wir als Bürger geworden sind. Fingerabdrücke zu verwischen reicht schon lange nicht mehr aus, um nicht entdeckt zu werden.

Gewohnt gute Unterhaltung, der Autor setzt die Reihe mit einem ganz anderen Ermittlungsszenario fort und kann erwartungsgemäß bestens unterhalten.

Amy Suiter Clarke – Girl, 11

Amy Suiter Clarke – Girl, 11

Elle Castillo’s podcast on unsolved murder cases has gone through the ceiling since she started talking about Minnesota’s famous The Countdown Killer, short TCK. Two decades before, a series of missing and then found murdered girls shock the area of Twin Cities, obviously, they were chosen for their age thus forming a countdown. Only one girl could escape and in this way, the place where she had been hold captive was detected just as two dead bodies. The police believed that the killer was one of them even though both persons have never been identified but the fact that no more kidnapping happened seemed to prove it. However, the new popularity seems to have triggered him to restart – or is it just a very good copycat? No matter who, when Elle’s best friend’s daughter is abducted, Elle knows that she is responsible and in charge of finding the girl.

I really liked the perspective of the podcaster who goes through old materials and builds her own theories on what could have happened. A big fan of true crime podcasts myself, I enjoy listening to podcasts – no matter if the case has been solved or not – and I find it interesting how at times a new perspective of somebody without formal training in investigation can lead to new clues. Amy Suiter Clarke’s protagonist Elle in “Girl, 11” is therefore quite some sympathetic character whom I liked to follow from the start in her quest to find TCK.

All cases of young persons being abducted and killed are followed by the public impatiently, if it happens to be a whole series, people are even more into it. The character of TCK was interestingly created since he did not chose random victims but acted meticulously, even obsessively, to a strict programme. Elle’s investigation is led by her gut feeling, but from the start, you know that there is much more behind it, the author thus creates double suspense, on the one hand, the hunt for the killer, ln the other the question why Elle herself is that obsessed with especially this case.

A suspenseful thriller which accelerates its pace increasingly and also has some fascinating psychological aspects on both sides – the killer and the investigator – to offer.