Michaela Kastel – Ich bin der Sturm

Michaela Kastel – Ich bin der Sturm

Mit einer List kann sie dem Martyrium entfliehen. Jahrelang wurde die junge Frau, die alle nur Madonna nennen, in einem Kerker festgehalten und von Männern, die dafür bezahlten, auf alle erdenklichen Weisen misshandelt. Sie war nicht allein, zahlreiche Schicksalsgenossin teilten ihr Leid bis sie den Gnadentod fanden. Endlich in Freiheit geht Madonna auf die Suche nach dem Mann, der das Ganze zu verantworten hat, dem sie einst Glauben schenkte und der sie so enttäuschte. Ihr Weg ist lang und blutig, aber darauf kann sie keine Rücksicht mehr nehmen, denn sie will Rache. Und sie will wissen, wer sie eigentlich ist, wo sie herkommt und was es mit den bruchstückhaften Kindheitserinnerungen auf sich hat.

Michaela Kastels Romane „So dunkel der Wald“ und „Worüber wir schweigen“ konnten mich restlos begeistern Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an ihren aktuellen Thriller, der diese für mich jedoch leider nicht erfüllen konnte. Das Thema Zwangsprostitution hat ohne Frage Potenzial für einen herausfordernden Roman, allerdings ist für mich die Geschichte eine Ansammlung von brutalen Gewaltakten, mehr oder weniger lose hintereinander gereiht und getragen von einer Protagonistin, die mir nur sehr begrenzt glaubwürdig erscheint und eher einem wilden Comic entsprungen zu sein scheint.

Eine Frau auf Rachefeldzug kann funktionieren, aber so wirklich stimmig wirkt Madonna für mich als Figur nicht. Die offenkundigen Erlebnisse so locker wegzustecken und sie hinter die vermeintliche Härte zurückzudrängen, ist für mich nicht plausibel, vor allem nicht vor dem Hintergrund der großen Erinnerungslücken aus der Kindheit, die auf hochtraumatische Erlebnisse schließen lassen. Auch die körperlichen Misshandlungen haben offenbar kaum wirkliche Folgeerscheinungen, was mich nicht überzeugt. Bei der Figur gibt es keine Entwicklung und nur wenig Nuancen, auch die anderen sind mir zu eindimensional, um zu überzeugen. Die Handlung besteht im Wesentlichen aus exzessiven Gewaltausbrüchen und am Ende einer knappen Auflösung, die zwar durchaus logisch ist, aber leider für mich auch nichts mehr rettet.