Andrew O’Hagan – Mayflies

Andrew O’Hagan – Mayflies

Tully Dawson is the best friend one could ever wish for. When James’ struggles with his parents become unsupportable, he takes him to his home. Their friendship is based on music and the bands they admire and what both of them are sure of: they never want to become like their fathers. Ayrshire sooner or later becomes too enclosed, simply too small for them, so together with some friends they plan a weekend in Manchester, one of 1980s hot spots of music. And they do have the time of their life in only a couple of hours. Even though they all move on afterwards, the friendship between Tully and James goes deeper and even though they live on different ends of the island, thirty years on, James is the person Tully calls first when he has bad news.

“I suppose we could have (…) asked his opinion, but being young is a kind of warfare in which the great enemy is experience.”

Andrew O’Hagan’s novel oscillates between celebrating youth and the time of total light-footedness and the darkest side of human life. In the first part, we meet a bunch of youngsters for whom the Tenth Summer festival at the G-Mex centre in Manchester is the biggest event in their life so far. In 2017, they have not only aged but also acquired another attitude to life. Both have their time and place, it is the privilege of the teenage years to be carefree and live for the moment, harsh reality will come later, and it does.

“ ’It’s like an explosion of life happening and then it’s gone,’ he said. ‘We had our time, buddy. I’ve come to terms with it (…)’”

What I enjoyed most was to see how James and Tully had formed a bond for life. They shared the good times and also the bad ones. Nothing, not even their wives, could come between them since only with each other they could talk openly. Tully is a truly charismatic character which you come to like immediately which makes it even sadder to see how fate does not grant him more time on earth. The end is deeply moving, but seeing how full of emotion and life the first part war, you can accept it even if you don’t like it. It raises some very core questions each reader has to answer for himself, the way O’Hagan confronts us with them, however, is brilliant.

Raffaella Romagnolo – Dieses ganze Leben

Raffaella Romagnolo – Dieses ganze Leben

Paola Di Giorgi ist ein typischer Teenager, sie findet sich hässlich, übergewichtig und mit einem Pferdegesicht. Mit ihrer Mutter liegt sie im Dauerclinch und mit den Mädchen aus der Schule kann sie auch nichts anfangen, weshalb sie einfach aufhört, mit ihnen zu reden. Nur ihr jüngerer Bruder, Riccardo genannt Richi, versteht sie, dabei versteht er eigentlich nicht so viel mit seiner Behinderung. Bei ihren täglichen Spaziergängen gehen sie auf die Suche nach dem wahren Leben, das sie in ihrer Villa nicht finden. So landen sie auch in der Margeriten-Siedlung, die Costa Costruzioni, die Firma ihrer Eltern, gebaut hat. Dort machen sie mit den Brüdern Antonio und Filippo nicht nur neue Bekanntschaften, sondern entdecken auch ungeahnte Geheimnisse ihrer Familie.

Raffaella Romagnolo hat einen coming-of-age Roman über ein wütendes Mädchen verfasst und greift dabei eine ganze Reihe für Jugendliche essentielle Themen auf: Schönheitsideale, Akzeptanz von sich selbst, Anderssein, Erwartungen der Eltern, aber auch gesellschaftlich relevante Fragen wie der Umgang mit Menschen mit Behinderungen. Paola ist nicht immer einfach auszuhalten, zugleich tut einem das Mädchen aber auch leid, unverstanden und unsicher wie sie ist.

Lakonisch und idiosynkratisch – so das Urteil eines Psychologen, zu welchem Mutter Di Giorgi ihre Tochter wegen ihres selbstgewählten Mutismus zwingt. Zwischen den Generationen herrscht Schweigen, zu verstockt sind beide Seiten, was der Teenager jedoch nicht sehen kann, ist, dass auch die Mutter Sorgen mit sich trägt, die auch durch ein wohlhabendes Leben in Villa und scheinbar ohne beruflichen Stress nicht verschwinden, sondern schon seit Jahrzehnten belasten.

Richi ist nicht der Junge, den die Eltern sich gewünscht hatten, mit seiner Behinderung erfüllt er nicht die Erwartungen. In Filippo findet er unerwartet einen Freund, der in ihm schlicht den Jungen sieht, der er ist und ihn nicht über Äußerlichkeiten definiert. Die Eltern, insbesondere die Mutter, erscheinen grausam in ihrer Haltung, Paolas Unverständnis ist mehr als nachvollziehbar. Im Laufe der Handlung entwickelt sich jedoch ein differenzierteres Bild, denn so simples wie es zunächst scheint ist die Lage nicht.

Ein ganzes Leben – wann ist es vollständig, wann ist es wertvoll, wie geht man mit dem um, was einem in die Wiege gelegt wurde und mit der Familie, in die man hineingeboren worden ist? Ein Roman über das Erwachsenwerden, aber auch über die Fähigkeit Empathie zu zeigen und über den eigenen Schatten zu springen. Nicht immer leicht zu lesen, aber man entwickelt immer mehr Sympathien für das wütende Mädchen, das lange Zeit nicht aus seiner Haut kann und eigentlich doch nur ein wenig Zuneigung bräuchte.

Ein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zu Buch und Autorin finden sich auf der Verlagsseite.