Georges Simenon – Madame Maigrets Liebhaber

Georges Simenon – Madame Maigrets Liebhaber

Madame Maigret betrügt ihren Gatten? Unvorstellbar! Und auch nicht wahr, wie schon im ersten Kapitel schnell aufgelöst wird. Der Kommissar neckt seine Gattin lediglich damit, denn seit Tagen beobachtet sie vom Fenster ihrer Wohnung aus einen Mann, der täglich morgens über die Place des Vosges spaziert und nachmittags stundenlang regungslos auf einer Bank sitzt. Auch Maigret kann einen Blick auf ihn werfen, etwas kommt ihm jedoch seltsam vor und tatsächlich: der Mann ist nicht mehr nur regungslos, sondern mausetot. Am helllichten Tag inmitten von spielenden Kindern und Dienstmädchen erschossen. Ein Mord direkt vor seiner Haustür und dieses Mal ist die wichtigste Zeugin genau jene Frau, die er am besten kennt: seine Gattin. Diese nutzt die seltene Gelegenheit und wird zur Assistenzkommissarin im Viertel.

Der vielversprechende Titel sowie das Cover – zwei nicht erkennbare Personen, die sich in einem Metrogang innig küssen – scheinen so gar nicht zu den biederen Kommissar Maigret Geschichten zu passen. Einen schönen Spaß hat sich der Autor mit dem irreführenden Titel da für seine Novelle erlaubt, die ansonsten im typischen Stil des französischen Polizisten gehalten ist. Eine Podcastfolge von „Shedunnit“ hat in mir die Lust auf einen klassischen Krimi geweckt. In Folge 45„The Detection Club“ berichtet Caroline Crampton von einer Vereinigung Krimiautoren, die sich Ende der 20er Jahre regelmäßig zu exklusiven Dinner Meetings trafen und die klare Regeln für das Genre aufstellten. Unter den Gründungsmitgliedern waren so prominente Namen wie Agatha Christie, G.K. Chesterton und Dorothy L. Sayers. Auch wenn Simenon kein Mitglied war, erfüllt sein Werk doch ziemlich perfekt Ronald Knox‘ 10 Anforderungen an einen fairen Kriminalroman.

»Nein, nein und noch mal nein!«, rief er, sich halb im Bett aufrichtend. »Fang gar nicht erst an, mir gute Ratschläge zu erteilen, nur weil du beinahe die richtige Fährte aufgenommen hast. Jetzt ist es an der Zeit, zu schlafen …«

Maigret erlebt eine ungewöhnliche Herausforderung, nicht nur geschieht ein Mord direkt vor seiner Nase und Wohnung, nein, seine Gattin ermittelt mindestens genauso geschickt wie er, was er natürlich nicht zugeben kann. So höflich und liebeswürdig er sie behandelt, das würde nun wahrlich zu weit gehen. Zu dem Fall lässt sich nur wenig sagen ohne zu viel zu verraten: ein Mord, klassische Befragung, Lesen von Spuren und zielgerichtete Lösung des Falles. Herausragend dieses Mal die Rolle von Madame, die sogar einen Tick flotter ist als ihr Mann.

Ein schnelles Vergnügen, das keine Wünsche offenlässt.

Anna Bruno – Ordinary Hazards

Anna Bruno – Ordinary Hazards

THE FINAL FINAL has been Emma’s and Lucas’ preferred bar for years. But on her 35th birthday, Emma isn’t anymore the woman she used to be. She is drinking alone, acknowledging the other regulars and thinking about what has gone wrong in her life during the last couple of years. Her professional choice which deeply annoyed her success-oriented father, her marriage with Lucas which was never easy but also not too bad, the happiness when their son Lionel was born. And now she is sitting in a bar drinking and ignoring the texts from her friend Grace who seemingly has arranged something for her birthday. The more the evening advances the more the tension in the bar rises and unexpectedly, she learns things which lead to a dramatic end.

What I liked most about Anna Bruno’s novel were first, the atmosphere of the bar and second, the development of the protagonist. On the one hand, we have a place where you typically do not find an average single woman drinking alone. At first, everybody is friendly, they have known each other for years but keep a natural distance, they are only bar acquaintances it seems with no further connection and know not to trespass the personal sphere of each other. Over the course of time, you learn more about the other guests and slowly the heat is rising. This comes quite as a surprise which only underlines how perfectly this has been developed.

The whole plot centres around Emma and her pondering. It does not take too long to understand that something important must have happened that lead to the separation and deeply impacted her psychological state. It is just those things that happen in life, evidently ordinary hazards.

I loved the structure of the novel, having two timelines interwoven which each other which culminate in a distressing climax. Vividly narrated at a moderate pace, I really enjoyed delving into it.