Dirk Schümer – Touristen sind immer die anderen

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Dirk Schümer – Touristen sind immer die anderen

Das Thema Reisen (oder eher nicht Reisen können) beschäftigt mich immer noch und wirkt sich nach wie vor auch auf meine Lektüre aus. Allerdings ging der Versuch, sich selbiges schlechtzureden mit Dirk Schümers Buch kräftig in die Hose. Denn statt sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen und so echte Anreize zu schaffen, sich Gedanken über das geliebte in die Ferne Schweifen zu machen, wird der Text zu einer Selbstbeweihräucherung des Autors, der einmal die ganze Bandbreite an Klischees auspackt, um sich über die anderen lustig zu machen und verächtlich den Kopf zu schütteln. Könnte man den Titel noch als selbstironisch auffassen, wird schnell klar, dass er es ernst meint mit seiner Tirade gegen Pauschalreisende und kulturelle Banausen, die ihm nicht das Wasser reichen können.

Nach und nach handelt er die typischen vorurteilsbehafteten Themen ab: das Verhalten am Flughafen und im Flugzeug, Benehmen im Hotel, der Umgang mit fremden Speisen, natürlich darf auch der Strand nicht fehlen wie auch sein winterliches Pendant Schneepiste. Selbstverständlich ist die Frage berechtigt, wie viel ein Tourist wirklich an Eindrücken aus einem fremden Land mitnimmt, wenn er in Windeseile ein Touristenziel nach dem nächsten abhakt, ohne zu wissen, was er da gerade anschaut und dann bei Abendessen die bekannten Nudeln den unbekannten Speisen vorzieht. Jeder hat sich sicherlich auch schon einmal über so manchen rücksichtslosen Mitreisenden geärgert, der noch dazu in unverschämtem Ton das Personal in Flieger und Hotel anraunzt.

Man kann all diesem Ärger mit den Mitmenschen sicher Luft machen, muss es aber mit dieser Arroganz geschehen, dass man gleich jeden Strandurlauber und Pauschalreisenden derart aburteilen? Der Autor schreckt noch nicht einmal davor zurück, sich über Bermuashorts und bunte Hemden lustig zu machen, geradeso als ob er die Hoheit über die korrekte Kleidung innehätte. Ich käme sicherlich auch nicht auf die Idee, eine Bustour mit geführtem Programm, eine TUI und Co Pauschalreise ins Massenhotel oder gar eine Kreuzfahrt zu buchen, aber warum sollte ich andere dafür verurteilen? Dass genau diese Form es vielen erst ermöglicht, überhaupt rauszukommen (preislich kalkulierbarer als Individualreisen, i.d.R. geführt, was in Ländern mit Sprachen, die man nicht spricht, eine echte Erleichterung sein kann und zudem auch entlastet, da sich ein anderer um alles mögliche kümmert), liegt nicht innerhalb des Denkhorizonts des Autors.

Fazit: eine völlig überflüssige Tirade eines ziemlich überheblichen Autors, dem jede Selbstreflexion fehlt.