Chandler Baker – Whisper Network

chandler baker whisper network
Chandler Baker –  Whisper Network

Den attraktiven Anwältinnen Loane, Ardie und Grace gelingt das, worum sie viele beneiden: in ihrem Beruf erfolgreich erzielen sie ein stattliches Einkommen, das einen entsprechenden Lebensstil erlaubt, gleichzeitig sind sie besorgte Mütter, die jedoch die Doppelbelastung scheinbar problemlos meistern. In ihrem renommierten Unternehmen in Dallas gerät die Hierarchie durcheinander, als ein hoher Mitarbeiter unerwartet stirbt. Ausgerechnet ihr unmittelbarer Vorgesetzter Ames scheint die besten Aussichten auf dessen Nachfolge zu haben, jener Mann, mit dem sie alle drei unangenehme Erinnerungen verbinden. Als auch noch Katherine eingestellt wird, in der sie sich als unbedarfte junge Anwältin wiedererkennen, und eine ominöse Liste die Runde macht, in der alle Männer der Stadt gelistet sind, die durch weit mehr als nur anzügliche Bemerkungen aufgefallen sind, ist es Zeit zu handeln, nicht um Katherine das zu ersparen, was sie drei durchgemacht haben, sondern auch um dem Männerclub endlich die Stirn zu bieten.

„… friends, who had happened to be the smartest and most capable women she knew. But in the end, it wasn‘t about intelligence or competence. It never had been.“

Chandler Bakers Roman verlegt die #metoo Debatte in die oberen Etagen eines Großunternehmens und zeigt so, dass das Thema sexuelle Belästigung und Diskriminierung keine Bildungs- und Einkommensgrenzen kennt. Die drei Protagonistinnen sind erfolgreich und in ihrem Beruf ohne Frage tough, finden sich aber immer wieder in genau derselben Situation wieder, in die auch ihre Fitnesstrainerinnen oder die Putzfrauen geraten. Die Mechanismen, die in dem Moment einsetzen, in dem sie sich in irgendeiner Form zur Wehr setzen, sind ebenfalls immer dieselben: man glaubt ihnen nicht, versucht sie mundtot zu machen oder eine Mitschuld zu geben.

Trotz des unterhaltsamen und bisweilen ironischen Plaudertons hat es etwas gedauert, bis mich die Geschichte wirklich gepackt hatte. Der Versuch, die Frauen trotz der Gemeinsamkeiten in ihrer Persönlichkeit und Gedankenwelt unterschiedlich darzustellen, hat zu Beginn die Handlung für meinen Geschmack etwas zu sehr verlangsamt. Letztlich sind sie trotz des beruflichen Erfolges, der außer Frage steht, voller Zweifel und können bestimmte, typisch weibliche Eigenschaften nicht ablegen. Gerade Grace zweifelt als junge Mutter an der Sinnhaftigkeit ihres Jobs und dem, was sie sich gerade selbst mit zumutet: Baby stillen, knallhart verhandeln und zugleich auch noch top gestylt und strahlend erscheinen – all dies wird plötzlich in aller Absurdität offenkundig. Aber auch bei den anderen beiden werden die Risse in der Fassade immer deutlicher sichtbar und neben der Frage danach, was sie wegen ihres Geschlechts in der Arbeitswelt hinnehmen (müssen), wird auch das Having it all von Familie und Karriere durchaus infrage gestellt.

Gut gefallen hat mir, wie die Thematik der sexuellen Belästigung auf allen Ebenen – Chefetage, angesehene Fitnesstrainerin, Putzfrau – dargestellt wird. Gleichzeitig leidet das Buch jedoch auch unter seiner Plakativität und Einseitigkeit. Zwar verwendet die Autorin viel Zeit auf die differenzierte Ausgestaltung der Protagonistinnen, die Männer werden jedoch sehr eindimensional und reduziert dargestellt, was der Debatte wiederum auch nicht gerecht wird.

Durchaus unterhaltsam mit überzeugenden Aspekten, nicht weniger, aber auch nicht mehr.