Nadine Pungs – Meine Reise ins Übermorgenland.

Nadine Pungs meine Reise ins Übermorgenland
Nadine Pungs – Meine Reise ins Übermorgenland.

Als Frau alleine einmal die Arabische Halbinsel von Jordanien bis in den Oman durchqueren – was für eine absurde Vorstellung und doch reizvoll, was sich die Journalistin Nadine Pungs vorgenommen hat. Zum einen finde ich die Region unheimlich spannend: uralte Geschichte, eine unbekannte Welt, völlig fremde Kulturen; andererseits sind da auch die Bedenken: was wird sie dort als Frau erleben, inwieweit lässt sich ihr Vorhaben überhaupt umsetzen. Sie trifft ganz unterschiedliche Menschen, bekommt mal mehr, mal weniger Einblick in den Alltag, ihre unvoreingenommene Haltung erlaubt ihr dabei auch zu völlig neuen Einsichten zu kommen. Mit informativen und wohl dosierten Hintergrundinformationen angereichert, wird dies ein nicht nur unterhaltsamer, sondern vor allem sehr aufschlussreicher Reisebericht.

Man weiß gar nicht, wo man eigentlich anfangen soll, so dicht ist der Text letztlich und so viele Eindrücke bleiben auch bei einem als Leser hängen. Vielleicht nähert man sich am besten geografisch, denn auch wenn die bereisten Länder alle auf derselben Halbinsel liegen und allgemein als „arabisch“ zusammengefasst werden, könnten die Unterschiede kaum größer sein. Saudi-Arabien kann sie wegen fehlender Visaausstellung nicht bereisen, so sind es vor allem die kleineren Länder, die man oftmals von Zentraleuropa aus gar nicht so deutlich unterscheiden kann.

Ganz unverkennbar treten diese Differenzen bei den Freiheiten der Frauen hervor, häufig trifft Pungs auf hochgebildete, emanzipierte Frauen, die ihr Leben selbst gestalten und sich nichts von den Eltern oder Brüdern vorschreiben lassen. Auch wenn viele verschleiert sind, haben sie hierzu eine gänzlich andere Auffassung als die bei uns vorherrschende. Die Bedeckung wird als modisches Accessoire stilvoll eingesetzt und bietet in der Öffentlichkeit nicht nur Schutz nicht nur vor fremden, ungewollten Blicken, sondern vor allem vor Klatsch und Tratsch, weil man sich so anonym bewegen kann.

Rechtlos und unterdrückt sind weniger die Frauen als die Einwanderer aus Südostasien, die sie in mehreren Ländern als billige Arbeitskräfte kennenlernt. Es grenzt an moderne Sklaverei, die jedoch gesellschaftlich toleriert und nicht infrage gestellt wird. Die Trennlinien verlaufen anders als bei uns, weshalb die westliche Journalistin auch erstaunlich große Freiheiten auf ihrer Reise genießt. Ähnlich geht es den zahlreichen Expats, die jedoch auf der Halbinsel weitgehend unter sich bleiben. Eine Vermischung findet dort faktisch gar nicht statt, interkulturelle Ehe sind faktisch nicht vorhanden.

Man könnte es Doppelmoral nennen oder einfach als ein Arrangieren mit den Gegebenheiten sehen. All die Laster, die man dem Westen vorwirft – Alkohol, Drogen, Prostitution – finden sich dort ebenso, nur vielleicht nicht ganz so öffentlich und von oberflächlicher Protzerei, gerade in Dubai, ist hier in den letzten Jahren ebenfalls viel angekommen.

Sicherlich sind Reiseberichte ein ganz eigenes Genre, das eine große Bandbreite zu bieten hat und nicht selten auch etwas langatmig werden kann. Pungs gelingt es jedoch, ihre Erfahrungen ansprechend und unterhaltsam darzubieten, wodurch man gerne mit ihr auf Reisen geht.

Lucy Atkins – Magpie Lane

Lucy-atkins-magpie-lane
Lucy Atkins – Magpie Lane

When Dee returns from an overnight trip to London, the Oxford College Master’s Lodging is a mess: Felicity, the girl she nannies and who suffers from selective mutism has vanished. Her Danish stepmother Mariah never bonded with the girl and since she has given to her own boy, she is totally exhausted and incapable of taking care of this extraordinary 8-year-old. Felicity must have sleepwalked, something she frequently does during her nightmares which have intensified since they moved to the old spooky house. For the police, Dee is one of the prime suspects because Nick Law, Felicity’s father, is convinced of her guilt. So they interview her over several days to get an understanding of the girl’s special situation and the relationship she had with her loving nanny who could never do her any harm, could she?

Lucy Atkins’s “Magpie Lane” is a very clever and creepy novel which brilliantly conveys the atmosphere of an old, dark house where you immediately believe ghosts could wander and haunt the inhabitants. Apart from this, she has created lovely characters who are not only very peculiar but with whom you bond straightaway even though some doubt about Dee’s involvement in Felicity’s vanishing is looming over the story.

I totally adored how Atkins uses the old university town in her novel. First of all, the house itself which provides a long and spine-chilling history, but also the cemeteries and walk ways which have a lot to tell. Apart from the surrounding, the people there also seem to live in the past which is especially tricky for a modern woman like Mariah. Even though she, on the one hand, is kind of “evil stepmother”, things are not that simple. I can understand how frustrating her situation is there: she is just “the wife of”, ignored for not being a real part of the Oxford community and everything with which she normally can charm people does not work here. Additionally, the situation with Felicity is undoubtedly highly challenging for her and then, things become even more dire with her own child crying day in, day out from colic.

Even though Dee is telling the story through the police interviews, Felicity is at the centre. This girl is surely a challenge for everybody but due to Dee’s sensibility you come to love and understand her increasingly. Her nightmares and obsession with death is somehow bizarre and unnerving yet understandable when you get to know her story. My personal highlight was the character of Linklater. The eccentric historian who seems to be completely unaware of the world outside his head fits perfectly in a place like Oxford and plays an important part in creating the somehow Gothic atmosphere.

Atkins’s way of foreshadowing adds to the suspenseful atmosphere and makes it a wonderful read that I enjoyed thoroughly.