Magda Szabó – Abigail

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Magda Szabó – Abigail

WW2 is raging across Europe and has also reached Hungary. Gina Vitay’s father is a general and as such well aware of the dangers that come with Hitler’s advance. He decides to hide his daughter in Matula Institute, a boarding school on the eastern border. Gina is all but used to strict policies as she finds in the closed Puritan world and it does not take too long until she has set the other girls against her. There are rules and there are other rules, breaking the official ones is not a problem, but undermining the secret laws of the girls is punished with exclusion and contempt. It will take Gina a lot of effort to win back the girls’ confidence which she will desperately need since there are dangers looming over her that she is not at all aware of.

Magda Szabó was a Hungarian writer who was forbidden to publish by the Communist Party after being labelled an enemy of the state. “Abigail” is one of her best-known novels which was first published in 1970 and has since then been translated into numerous languages, however, this is the first time it is available in English. In 1993, Szabó was nominated member of the European Academy of Sciences and Arts and she is one of the most widely translated and read female Hungarian writers.

The novel cleverly interweaves friendship with the events of the Second World War. The notion of a world of black and white does not hold out against reality anymore and telling a friend from an enemy has become a difficult task. The world of the boarding school is walled off from the outside, the approaching war does not play a role, yet, for Gina, she has to fight her own battles within the old walls of the institution. The dynamics of a group of girls enclosed is very well portrayed in the novel, they develop their own set of order and exercise law if necessary. An interesting aspect is the character of “Abigail”, a statue which come to help if addressed by one of the girls. Until the very end, the readers can only speculate who is behind it and supports the girls against the strict direction of the school.

The spirit of the time of its origin can be read in every line, “Abigail” is far from today’s Young Adult or coming-of-age novels. The beautiful language and lovely details of the characters make it an outstanding document of its time and still worth reading fifty years after it has been written.

Pascal Mercier – Das Gewicht der Worte

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Pascal Mercier – Das Gewicht der Worte

Und plötzlich ist nicht nur der Körper gelähmt, sondern auch die Stimme ist weg. Er kann die Worte nicht mehr sagen, die doch sein Leben bedeuten. Der Engländer Simon Leyland kommt in Triest in die Klinik, doch die Hoffnung, dass der Anfall nur eine Migraine accompagnée sei, wird durch den untrüglichen Blick des Arztes zunichtegemacht. Da ist etwas in seinem Kopf, dass da nicht hingehört und mehr als ein paar Monate werden dem Verleger und Übersetzer nicht mehr bleiben. Er erinnert sich zurück an die Zeit mit seiner Frau Livia, als sie mit den Kindern in London wohnten, dann nach dem Tod von Livias Vater und der Übernahme seines Verlages nach Triest kamen, einer seiner Sehnsuchtsstädte, denn als Junge schon stand Simon vor einer Karte und beschloss, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden und nun sollte er direkt an dieses ziehen. Mit der Diagnose jedoch geht das Leben, wie er es kannte zu Ende. Womöglich jedoch ist da aber noch ein Fünkchen Hoffnung darauf, dass er eine Chance auf ein zweites bekommt und jemand zu ihm sagt „Welcome home, Sir!“.

Pascal Mercier, schriftstellerisches Pseudonym des Schweizer Philosophen Peter Bieri, ist ein Virtuose im Umgang mit Worten. Sein aktueller Roman ist eine Hommage an alle Liebhaber der Literatur und Linguistik, denn im Zentrum der Gedanken seines Protagonisten stehen die Worte mit ihren Bedeutungen, Konnotationen und den Emotionen, die sie auslösen, sowie die Frage, ob man den Gedanken einer Sprache adäquat auch in einer anderen wiedergeben kann und wo sich letztlich die Grenze der Sprache befindet. Es ist eine Reise durch die Literatur und die Sprachen des Mittelmeerraums, die eingebunden ist in eine Handlung voller Schmerz, Trauer und Hoffnung gleichermaßen.

Man kann den Inhalt kaum angemessen zusammenfassen, einerseits ob der Fülle der Gedankengänge, die sich um die perfekte Übersetzung und den vollkommenen Ausdruck drehen, andererseits ohne einen wesentlichen Aspekt der Handlung vorwegzunehmen, der für Leyland essentiell werden wird. Es gibt ein Vorher, vor dem Anfall, als sein Leben geprägt ist durch Jagd nach Worten und von Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen, denen allerlei fremde Worte eigen sind und die sie mit ihm teilen. Es gibt aber auch ein Danach, als plötzlich die Menschen viel mehr in seinen Blick geraten und aller Fatalität zum Trotz immer ein Neubeginn möglich scheint.

Den knapp 600 Seiten langen Roman liest Markus Hoffmann in über 22 Stunden mit einer leisen und prononcierten Stimme, die hervorragend als Erzählstimme von Simon Leyland gewählt ist. So gerne man ihm zuhört, liegen hier aber für mich auch die einzigen beiden Kritikpunkte: ich hätte mir gewünscht, dass seine fremdsprachigen Einwürfe ebenso flüssig klingen wie die deutsche Stimme, aber leider wirken sein Englisch wie auch sein Italienisch oder das portugiesische Vorwort sehr angestrengt und bemüht. So sehr mich der Roman begeisterte und ich den mäandernden Überlegungen Leylands folgte, so ist das Hörbuch doch etwas zu lange und irgendwann wünscht man sich doch ein etwas zielgerichteteres Erzählen ohne die zahlreichen Wiederholungen bereits geschilderter Episoden.