Patricia Highsmith – Carol oder Salz und sein Preis

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Patricia Highsmith – Carol oder Salz und sein Preis

Die 22-jährige Therese Belivet ist nach New York gezogen, um dort als Bühnenbildnerin zu arbeiten. Ohne die richtigen Kontakte ist das jedoch nicht so einfach und so nimmt sie einen Job in einem Kaufhaus an. In der Puppenabteilung trifft sie kurz vor Weihnachten auf Carol Aird, die für ihre Tochter nach einem Geschenk sucht. Sofort ist Therese von dieser Frau fasziniert und auch bei Carol hinterlässt diese flüchtige und zufällige Begegnung Spuren. Was folgt ist eine Liebesgeschichte, die nicht sein darf. In den USA der ausgehenden 1940er Jahre können zwei Frauen sich nicht lieben, schon gar nicht, wenn eine verheiratet ist und der gehobenen Gesellschaft angehört.

Patricia Highsmith kannte ich bislang nur als Autorin von psychologisch interessanten Krimis (The Two Faces of January, The Tremor of Forgery, The Cry of The Owl, Der talentierte Mr Ripley), eine Liebesgeschichte und vor allem in dieser Konstellation war nun doch eher unerwartet. Die Autorin ahnte sicherlich auch die Reaktionen des zeitgenössischen Publikums voraus, weshalb der Roman 1952 unter dem Pseudonym Claire Morgan erschien und erst fast 40 Jahre später Patricia Highsmith zugeordnet wurde. Interessanterweise verarbeitet Highsmith in dem Roman gleich zwei autobiografische Aspekte: sie selbst arbeitete ebenfalls als Puppenverkäuferin und hatte bei Bloomingdale’s eine ähnlich beeindruckende Begegnung wie ihre Protagonistin und ihre Beziehung mit Kathryn Cohen konnte sie ebenfalls nur im Geheimen leben.

Der Leser begleitet Therese in der Geschichte, erlebt ihre Faszination und Verliebtheit, die auch mit einiger Verwirrung einhergeht. Besonders die Annäherung der beiden Frauen ist Highsmith sehr gut gelungen, es ist nicht die überbordende Leidenschaft, sondern ein langsames Herantasten an die andere. Durch Carols Scheidung und der Kampf mit ihrem Noch-Gatten Harge um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter wird die Liebe verkompliziert und Therese findet sich häufig in der Situation wieder, durch das Verhalten der älteren Frau verunsichert zu werden und nicht zu wissen, ob ihre Empfindungen von Carol gleichermaßen geteilt werden und ob sie nicht nur ein temporärer Zeitvertreib ist.

Eine Liebesgeschichte mit vielen Facetten, die ferner von Kitsch kaum sein könnte und ein sehr lesenswertes Zeugnis seiner Zeit – Patricia Highsmith für mich einmal ganz anders.