Ian McEwan – Machines Like Me

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Ian McEwan – Machines Like Me

Die politische Lage ist angespannt im Frühling 1982 als Margaret Thatcher entscheidet Militär zu den Falkland Inseln zu schicken. Charlie Friend nimmt die Meldungen jedoch nur am Rande wahr, denn ihn interessiert viel mehr der technische Fortschritt, der Alan Turing mit der künstlichen Intelligenz gelungen ist. Endlich bekommt er seinen Adam, einen von nur fünfundzwanzig humanoiden Robotern, mit dem er seine Nachbarin Miranda hofft beeindrucken zu können. Sein Plan scheint aufzugehen, die junge Studentin ist ebenso fasziniert von diesem sehr menschlichen Wesen. Gemeinsam gestalten sie Adams Persönlichkeit und bald schon finden sie sich in einer komplizierten ménage à trois wieder, denn Adam entwickelt Gefühle für Miranda. Doch nicht nur der unerwartete Widersacher macht Charlie zu schaffen, Adam wirkt menschlich und lernt täglich hinzu und so stehen die drei bald vor einem moralischen Dilemma: unterscheidet sich Adam noch von ihnen und wie sollen sie mit ihm umgehen, als sein Verhalten sie in ernsthafte Schwierigkeiten bringt?

Die ersten Meldungen darüber, dass Ian McEwan einen Science-Fiction Roman geschrieben habe, ließen mich doch arg stutzen. So gar nicht wollte dieses Genre zu dem von mir sehr geschätzten Autor passen, dem es immer wieder gelingt, Situationen maximal zuzuspitzen und seine Figuren in die Enge zu drängen, um Entscheidungen zu provozieren. Technisch gesehen muss man „Machines Like Me“ ganz sicher in dieses Genre einordnen, aber man der unverkennbare Stil McEwans spricht aus jeder Zeile und so begeistert er erwartungsgemäß.

Die historischen Fakten rückt McEwan etwas in seinem Sinne zurecht, um die Handlung in einer politisch aufgeheizten Zeit zu verorten und um sich des Wissenschaftler Turing als Kopf hinter den Robotern bedienen zu können. Auch wenn dies durchaus interessante Nebenaspekte sind – Thatchers verlorener Krieg und die erzwungene Abdankung, der folgende Brexit und auch die technischen Errungenschaften – der Fokus liegt doch klar auf Charlie und seinem Adam und der Frage, wer letztlich Miranda für sich gewinnen kann. Dass die Namen der Figuren nicht willkürlich gewählt sind, liegt auf der Hand, mit den biblischen und shakespeareschen Anspielungen hält sich McEwan aber nicht lange auf.

Scheint es zunächst auf die Frage, ob Adam oder Charlie für Miranda hinauszulaufen, liefert die Geschichte eine unerwartete Wendung, die zwar früh schon angekündigt wird, aber noch nicht durchdringt. Und hier zeigt sich McEwans Können, denn die Frage nach moralischer Überlegenheit und Recht jenseits der rechtlichen Lage verläuft nun als Grenze zwischen Mensch und Maschine. Trotz seiner Lernfähigkeit bleiben Adam gewisse Nuancen verborgen – doch ist der Mensch hier wirklich überlegen oder einfach moralisch zweifelhaft oder gar schlichtweg schlecht? Beide Positionen sind nachvollziehbar und man kann Charlies und Mirandas Handeln nur als allzu menschlich charakterisieren – der nagende Zweifel, ob es dadurch richtig wird, bleibt.

Ohne Frage, eines der herausforderndsten Bücher des Jahres, das Ian McEwans Platz unter den ganz großen zeitgenössischen Autoren nur einmal mehr unterstreicht.