Kamila Shamsie – Home Fire [dt. Titel: Hausbrand]

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Kamila Shamsie – Home Fire 

Isma kann sich endlich ihren Traum erfüllen und in den USA ihren Doktortitel erwerben. Viele Jahre hat sie sich nach dem Tod der alleinerziehenden Mutter um ihre beiden jüngeren Geschwister Aneeka und Parvaiz gekümmert, doch diese haben nun die Schule beendet und stehen auf eigenen Beinen. Isma hat Sorge, dass man sie als Muslimin am Flughafen aufhalten könnte, doch alles geht glatt. In Massachusetts lernt sie den Briten Eamonn Lone kennen, der ihr anbietet, ein Geschenk für ihre Tante mit zurück nach London zu nehmen. Dort macht er Bekanntschaft mit Aneeka und verliebt sich sogleich in die junge Frau. Dies scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen, doch er weiß nicht, dass Aneeka ihn missbraucht, denn Eamonns Vater ist der Innenminister und dessen Hilfe braucht Aneeka, um ihren Bruder zu befreien. Dieser sitzt in Rakka unter Islamisten und will einfach nur zurück nach England.

Kamila Shamsies Roman stand auf der Longlist für den Man Booker Prize 2017 und gewann im folgenden Jahr den Women’s Prize for Fiction. Die Thematik könnte kaum aktueller und kontroverser sein: wie umgehen mit Muslimen bei der andauernden Bedrohung durch den IS und seine Handlanger? Was tun mit den Landsleuten, die sich der Terrororganisation angeschlossen haben? Wie den unbescholtenen Bürger vom potentiellen Attentäter unterscheiden? Gleichzeitig wird aber auch die ganz private und individuelle Problematik der Identität, wenn man zwischen zwei Kulturen aufgewachsen ist, angesprochen und ebenso das Aufeinandertreffen von öffentlichen und privaten Interessen, die nicht zu vereinen sind. Viel food for thought und zugleich eine elegante und doch reduzierte Sprache, die auf unnötig blumige Metaphorik verzichtet.

Man weiß eigentlich nicht, wo man beginnen soll, bei all den begeisternden Facetten der Erzählung. Sie ist eine moderne Fassung von Sophokles „Antigone“ (wobei sie bei der Schwesternstruktur eher Anouilh folgt), eine junge Frau, die für ihren Bruder mit einem mächtigen Gegner kämpft und ihren innersten Überzeugungen folgt und dafür alle Konsequenzen in Kauf nimmt. Parvaiz‘ Anwerbung für den IS wird ebenfalls glaubwürdig und nachvollziehbar geschildert. Der homegrown oder domestic terrorism hat zunehmend Einzug in die Literatur gefunden, sowohl in Krimis und Thrillern (z.B. Joakim Zanders „Der Bruder“ oder Daniel Silvas „Die Attentäterin“) wie auch in Theaterstücken oder anspruchsvoller Literatur (Hanif Kureishis „Black Album“ etwa) wird ergründet, wie ein scheinbar gut integrierter junger Mensch sich plötzlich gegen sein Heimatland wendet. Parvaiz schliddert ahnungslos in sein Schicksal, doch der Hauptkonflikt verläuft letztlich zwischen Eamonn und seinem Vater.

Sicherlich mit eines der anspruchsvollsten Bücher der letzten Jahre, das geschickt eine sehr alte Grundsatzproblematik mit einem hochmodernen Thema verknüpft.