Jens Lapidus – Schweigepflicht

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Jens Lapidus – Schweigepflicht

Gerade hat man Emelie Jansson zur Anwältin gemacht, als sie auch schon ihren ersten Mandanten erhält. Benjamin Emanuelsson ist wegen Mordes angeklagt und liegt im Wachkoma. Mit Emelies Job in einer angesehenen Anwaltsfirma ist dieser Fall nicht vereinbar, aber ihre Neugier ist geweckt und zusammen mit Najdan Maksumic, genannt Teddy, beginnt sie an dem Fall zu arbeiten. Teddy stellt unkonventionelle Nachforschungen für ihre Kanzlei an und mit Benjamin verbindet ihn eine ganz persönliche Geschichte: Jahre zuvor hatte er dessen Vater entführt und war dafür zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Wer hielt sich noch in dem Haus auf und vor allem: wer ist der Tote?

Jens Lapidus‘ eigentlicher Job als Strafverteidiger erlaubt ihm Einblicke in die Stockholmer Unterwelt wie kaum einem anderen. Das merkt man dem Roman auch an, denn die Schilderung der Stockholmer Bandenkriege könnten kaum authentischer wirken.

Insgesamt konnte „Schweigepflicht“ jedoch meine Erwartungen nur bedingt erfüllen. Die Tatsache, dass mehrere Handlungsstränge parallel verlaufen, die zwar miteinander verbunden werden, aber letztlich doch einzelne Geschichten erzählen, führt unweigerlich dazu, dass es in der Geschichte einige Längen gibt und man immer wieder den Eindruck hat, dass die zentrale Story aus den Augen verloren wird. Zweifelsohne hat jeder Handlungsstrang Potenzial und bietet Spannung, aber alles zusammen mangelte es mir an Stringenz.

Die zwei Protagonisten Teddy und Emelie könnten gegensätzlicher kaum sein – genau das lässt mich auch etwas an dieser Zusammenarbeit zweifeln. Emelie als junge aufstrebende Juristin kann durchaus fasziniert von diesem Fall sein und sich an ihre Ideale als junge Studentin erinnern, aber so ganz überzeugt mich ihr Einsatz nicht. Auch Teddy hat für mich so manche Schwäche in der Charakterzeichnung, die einfach nicht stimmig werden will. Sein Neffe Nikola, wesentlicher Akteur eines Nebenkriegsschauplatzes, hingegen ist schlichtweg nervig, wenn als Figur hingegen durchaus glaubwürdig.

Immer wieder bin ich beim Lesen auch über holprige Formulierungen gestolpert, die den Lesefluss doch nachhaltig gestört haben. Wiederholt erwähnt der junge Nikola, dass er Syrisch spreche – zwar gibt es diese Sprache, doch ein ostaramäischer Minderheitendialekt scheint mir jetzt eher unwahrscheinlich unter Schwedens Jugendlichen, vor allem da typisch Arabische Worte eingeworfen werden, die die Syrer vermutlich von sich gegeben haben. Auch dass Emelie sich ein Bluetooth ins Ohr steckt, lädt nun eher zum Schmunzeln ein, trägt aber nicht zur Glaubwürdigkeit der Handlung bei.

Insgesamt durchaus eine gute Story im zentralen Erzählstrang, aber zu viel Drumherum lassen die Spannung immer wieder auf null sinken und lenken von der Geschichte unnötig ab.

Isabella Hammad – The Parisian

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Isabella Hammad – The Parisian

When Midhat Kamal leaves his home town Nablus for France, he doesn’t know that the old continent is on the verge of World War I. The young Palestinian starts his studies in medicine close to the Mediterranean where he also gets his first insight in the French culture and society. He soon has to realise that not only the world is in a very fragile state but also that in private life coalitions change quickly and even though at the beginning of the new century, people are eager to explore the world and foreign cultures, this does not mean that people are open to consider someone from the Middle East their equal. From France, he returns only to learn that also is home country is not an easy place to live.

When opening the book I was already astonished by the sheer number of characters listed. Yet, this turned out to be only one of the factors that made the novel quite hard to read for me. I also could hardly relate to the protagonist who, in my opinion, was stubborn and narrow minded. Third, Isabella Hammad simply wanted too much for my liking. Setting a love story against world politics is one thing, but it rarely works to write a convincing story on several levels – the personal, the societal and the political – without losing focus. I found the story quite lengthy and thus boring. Additionally, the intercultural conflicts and misunderstanding between the characters could have provided a lot of food for thought, yet, in my view, much of them were drawn too stereotypically and reduced to one or two features to actually provide grounds for discussion.