John Lanchester – Die Mauer

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John Lanchester – Die Mauer

Zwei Jahre Dienst hat er vor sich, zwei Mal 365 Tage Ödnis und Verzicht, die Joseph Kavanagh wie alle anderen auch hinter sich bringen muss. Es geht nicht anders, sie müssen die Mauer beschützen, dafür sorgen, dass die Anderen nicht hereinkommen und ihr Land überrennen. Das ist der Preis des großen Wandels. Der Anfang ist hart, doch bald schon gewöhnt er sich an den Dienst und die damit verbundenen verlässlichen Routinen. Ein steter Wechsel von Wachen und Ruhen, nur durch Übungseinheiten unterbrochen, die ihre Aufmerksamkeit stärken und ihre Kampfkraft für den Ernstfall erhalten sollen. Der Ernstfall, auf den man immer gefasst sein muss, der aber nie eintreten soll. Doch dann ist es plötzlich so weit.

Die Kurzbeschreibung zu John Lancasters Roman war vielversprechend. Sie erweckte für mich den Anschein als wenn der Autor die aktuellen Ereignisse um die vermeintlich unkontrollierte Zuwanderung oder auch das Abschotten der Briten gegenüber Migranten, aber auch gegenüber der EU, als Anlass für eine Dystopie genommen hätte. Leider bleibt das Buch jedoch hinter jeder politisch und auch gesellschaftlich relevanten Frage zurück, sondern beschränkt sich weitgehend auf die Figurenebene und die unmittelbaren Auswirkungen des sogenannten Wandels auf diese. Das große Ganze können sie nicht überblicken, weshalb auch der Roman für mich hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

Ohne Frage gelingt es Lancaster, die Empfindungen vor allem Joseph Kavanaghs überzeugend darzustellen. Die Figur wirkt glaubwürdig und authentisch, auch wenn ihre Vergangenheit weitgehend ausgeblendet und Kavanagh auf die unmittelbare Gegenwart beschränkt wird. Das Leben in der neuen Zweckgemeinschaft, das Überleben nach dem Überfall – all dies wirkt in sich stimmig und nachvollziehbar. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kavanagh und seine Weggefährten letztlich kleine Figuren in dem Spiel sind, die unbedeutend, gar verzichtbar sind und weder einen Einfluss auf die Geschehnisse nehmen, noch erkennen, was um sie herum geschieht. So austauschbar sie in dem neuen System sind, so irrelevant bleibt letztlich der Roman, der aufgrund der Reduktion auf diese beschränkte Perspektive keine großen Fragen aufwirft, keine neuen Szenarien entwirft und vor allem keine Wege für die Zukunft aufweist.

Catherine Simpson – When I Had a Little Sister

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Catherine Simpson – When I Had a Little Sister

Catherine Simpson’s memoir is not a book easy to review. First of all, it is of course non-fictional, second, it is a very personal report on a sister’s emotions and thoughts after her younger sibling committed suicide. This makes it difficult to use phrases like “I liked it” or “I didn’t like it” since they simply don’t work here. It is also somehow out of question to discuss the tone of writing as while reading it, I had the impression that it was much more written for Simpson herself than necessarily for a reader. It seemed to me to be her way of coping with the situation and sorting out her thoughts and feelings.

I appreciated her openness in sharing her sometimes contradictory emotions, in not embellishing her own role in her sister’s life. She presents episodes where she was nasty as a kid or where she simply did not pay enough attention to Tricia’s needs. This surely is not easy to talk about. But this is exactly the point she is making: in their family, they never talked. The girls were taught to be silent, not to ask too many questions and best not to be seen at all. They did not have a poor childhood, they had good times and fun on the farm, too, but the family’s way of coping with emotions certainly played a role in the development of Tricia’s illness and final suicide.

The book definitely gives a good insight in living with depression and how the loved ones who are left behind after someone chose to end his or her life feel guilty and wonder if they could have done more. I don’t think there is much you can actually do to protect and help people with serious mental health issues, but you can certainly work on talking more with the people around you.