Juli Zeh – Nullzeit

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Juli Zeh – Nullzeit

Die Nullzeit ist bei einem Tauchgang mit einem Drucklufttauchgerät die durch die Dekompressionstabelle vorgegebene Zeitspanne, in der man ohne Dekompressionsstopp (Verharren für eine bestimmte Zeit in einer bestimmten Tiefe) an die Wasseroberfläche zurückkehren kann.

[Quelle: Wikipedia]

Jola und Theo kommen auf eine der Kanarischen Inseln, um dort das Tauchen zu lernen. Die Schauspielerin will sich so auf eine der nächsten Rollen vorbereiten, ihr Partner begleitet sie und findet vielleicht eine Inspiration für sein neues Buch. Zwei Wochen haben sie den Tauchlehrer Sven gebucht, der dort seit Jahren als Aussteiger eine Tauchschule betreibt. Normalerweise ist Sven egal, wer seine Kunden im echten Leben sind, doch dieses Mal begeht er den Fehler nach ihnen zu googlen, aber das wird nicht der einzige Fehler bleiben und nach den zwei Wochen mit den vermeintlichen Promis wird sein Leben ein Scherbenhaufen sein. Er merkt schnell, dass zwischen den beiden so einiges nicht stimmt und es dauert nicht lange, bis dies zu echten Gefahr wird. Immer mehr verunsichert ihn vor allem Jola Verhalten, diese wiederum dokumentiert die Erlebnisse in ihrem Tagebuch. Das Problem ist nur: die Schilderungen aus Svens und Jolas Sicht könnten kaum verschiedener sein. Wer von den beiden sagt die Wahrheit, was geschah wirklich auf der Insel?

Juli Zeh ist mir als Erzählerin von Gegenwartsromanen bekannt, dass sie auch Krimis schreibt, hatte ich vor „Nullzeit“ nicht registriert. Aber auch in diesem Genre kann sie überzeugen, was ihr vor allem durch zwei Dinge gelingt: interessante Protagonisten, die auf Augenhöhe miteinander ringen und die Konstruktion der Geschichte, die verunsichert und Zweifel sät.

Jola ist zunächst das recht typische Serien-Sternchen, das auf den ganz großen Durchbruch hofft. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten zeigen sich gegenüber Sven erst im Laufe der Handlung, wenn sie diese manipulativ einsetzt, denn sie hat ganz offensichtlich ihr eigenes Drehbuch mit auf die Insel gebracht und für den Tauchlehrer eine Hauptrolle vorgesehen. Ihre Inszenierung ist gut durchdacht und sauber geplant. Aus kleinen Neckereien des Pärchens werden schnell lebensbedrohliche Situationen und Sven beschleicht zunehmend die Angst, dass Theo tatsächlich in großer Gefahr sein könnte.

Man ist geneigt den Schilderungen Svens zu glauben, erscheint er doch nicht nur sympathisch, sondern es fehlt ihm auch an Motiv einem anderen Schaden zufügen zu wollen. Jolas Tagebucheinträge indes sind überdreht und emotional, für eine Frau mit 30 eher unpassend. Aber heißt das auch direkt, dass sie unwahr sind und kann diese Frau auch die sein, die einen gemeinen, hinterhältigen aber sehr cleveren Plan eines Mordes aushecken und durchziehen kann?

Insgesamt beste Unterhaltung, ein Krimi, der alles bietet, was man sich wünschen kann: klassisches Krimisetting, ebenbürtige Gegner und lange Unklarheit darüber, was eigentlich geschieht.