Bruno Varese – Intrigen am Lago Maggiore

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Bruno Varese – Intrigen am Lago Maggiore

Matteo Basso, ehemaliger Mailänder Polizeipsychologe und nun Inhaber einer Macelleria am Lago Maggiore, beliefert die Feier eines Freundes auf der Isola dei Pescatori. Während der alkoholreichen Feier will einer der Gäste gesehen haben, wie ein Mann von einem Boot über Bord geworfen wird, was jedoch niemand so richtig glauben will, zu beschaulich ist die Lage am See. Als Matteo am folgenden Morgen noch verkatert aufwacht, traut er seinen Augen kaum: auf dem Einhorn-Denkmal der Isola Bella ist ein Toter aufgespießt. Die Kommissarin Nina Zanetti ist bereits auf dem Weg. Das Opfer, Vittorio Ferretti, arbeitete als Fotograf, doch auf seinem Computer finden sich quasi keine Bilder und die, die Matteo und Nina sehen, haben eher die Qualität eines Amateurfotografen, wer könnte etwas gegen diesen Mann gehabt haben? Und wieso wurde dem Opfer eine symbolische Rippe entfernt? Als wenige Tage später eine weitere Leiche auf der Insel geborgen wird, der ebenfalls eine Rippe fehlt, sind die beiden Ermittler ratlos, denn offenkundige Spuren gibt es keine.

Bruno Vareses Krimi arbeitet mit den typischen Versatzstücken, die einen cosy crime Roman ausmachen: ein malerischer Schauplatz an einer beliebten Urlaubsgegend; eine Menge an kauzigen Einheimischen, die immer wieder auftauchen; ein Ermittlerpaar, bei dem es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie sich verlieben und/oder im Bett landen. Auf innovative Ideen hofft man leider auch bei ihm vergeblich.

Der Mordfall ist allerdings ungewöhnlich komplex für das Untergenre und holt nennenswert weiter aus, als man dies zu Beginn vermuten würde. Die Spurensuche gestaltet sich daher zunächst schleppend bis irgendwann die Puzzleteile mit hoher Geschwindigkeit zueinanderfinden und ein Gesamtbild ergeben. Kommissar Zufalls unterstützt die beiden Protagonisten ebenfalls tatkräftig, so dass sie das Verbrechen schließlich sauber und erfolgreich lösen können.

Allerdings muss man auch über so manches hinwegsehen, um den Roman als entspannende Urlaubslektüre genießen zu können. Matteo hat einen eigenen Laden, den er einfach so geschlossen lässt, die verderbliche Ware, mit der er handelt, scheint kein Problem für ihn zu sein. Als ihm aufgeht, dass das nicht so ideal ist, überlässt er ihn einfach einer Gruppe von Rentnern, die eigentlich Autos reparieren – kein Problem, Wurstwaren und Fahrzeuge sind ja nicht so verschiedene Dinge. Es scheint auch keinen zu stören, dass er Zugang zu Ermittlungsinformationen hat und als Privatperson an der Seite der Kommissarin Nachforschungen anstellt. Er gibt auch Beweismittel an Bekannte weiter, die ebenfalls die Untersuchung unterstützen wollen – machen auch alle auf Freundschaftsbasis, niemand scheint ernsthaft Geld verdienen zu müssen oder einen geregelten Arbeitsalltag zu haben. Von seinen Superkräften – verprügelt und über Bord geworfen kann er im kalten nächtlichen See mehrere hundert Meter zügig schwimmen ohne sich auch nur einen Schnupfen zu holen oder einen einzigen blauen Fleck zu haben – mal ganz zu schweigen. Leider sind diese Dinge auch nur allzu typisch für die cosy crime Romane, denen etwas mehr Realismus guttun würde; mich als Leser verärgert so etwas und raubt den Spaß am Lesen.