Alexa Hennig von Lange – Kampfsterne

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Alexa Hennig von Lange – Kampfsterne

Mitte der 1980er Jahre, irgendwo im Westen der Republik. Die Welt ist in Ordnung in der Neubausiedlung, wo die Familien friedlich nebeneinander wohnen, sich gelegentlich treffen und die Kinder wohlgeraten sind und widerspruchslos den Musikunterricht besuchen, weil dies zur Talentförderung dazugehört. Doch hinter den Fassaden brodelt es, pubertierende Töchter begehren gegen die Eltern auf, Söhne nehmen sie schon gar nicht mehr ernst, Kinder leiden still und unbemerkt und die Ehepartner haben sich nur noch wenig zu sagen. Sex gibt es schon lange keinen mehr und alle befinden sich in einem Leben, das sie sich so nicht vorgestellt hatten.

Alexa Hennig von Lange hat das normale, geradezu durchschnittliche Leben eingefangen und lässt Figuren zu Wort kommen, die überall in deutschen Kleinstädten leben könnten und die uns tagtäglich überall begegnen. Die raschen Wechsel zwischen den einzelnen Erzählern lockern die Geschichte auf, die trotz der vielen Perspektiven doch sehr deutlich einem roten Faden folgt und unweigerlich auf eine Katastrophe hinsteuert.

„Kampfsterne“ greift dabei Themen auf, die auch 30 Jahre später noch aktuell sind und somit einen recht hohen Wiederkennungswert haben. Besonders interessant fand ich dabei den feministischen Aspekt. Die Mütter haben alle die Zeit der sexuellen Revolution und der Kämpfe für die Rechte der Frauen miterlebt. Sie haben Simone de Beauvoir gelesen, bewundern Susan Sontag und erkennen Alice Schwarzers Haltung an. Aber was haben sie daraus gemacht? Sie befinden sich in der Vorstadthölle, reduziert aufs Hausfrauendasein und unterwerfen sich den Wünschen ihrer Männer, wenn sie sich nicht gerade von ebendiesen verprügeln lassen und dies auch noch widerspruchslos aushalten. Ein Vorbild für die Töchter sind sie nicht, weshalb diese sie mit Verachtung strafen. Mit spitzer Zunge könnte man die Frage stellen, ob nicht ebendiese Töchter als Latte-Macchiato-Mütter Jahre später in dieselbe Falle getappt sind.

Die Männer haben es nicht leichter, haben sie selbst als Kindern der Kriegsgeneration Gewalt in der Erziehung erlebt, reproduzieren sie diese oder verkommen zu weichen Ja-Sagern. Wie soll der moderne Mann sein? Egal, was er tut, es wird falsch sein und schnell gerät er unter Generalverdacht, nur, weil er Kind auch niedlich findet, dies aber niemals sagen darf. Er soll nicht sein wie die Vätergeneration, aber doch wie einst der Steinzeitmensch seine Familie vor Feinden schützen, gelingt ihm das nicht, ist er ein Versager.

Es ist noch nicht die Zeit der Einzelkinder, deren Bedürfnisse über alles gestellt werden. So stehen sie oftmals hintenan und finden selbst nach schlimmsten Erlebnissen in ihren Eltern nicht diejenigen, die Trost spenden und für sie kämpfen. Im Gegenteil, die müssen sogar sehr viel aushalten, um dem Wunschbild zu entsprechen. Die Familien sind Kampfsterne, die sich gegenseitig bekriegen und die private Idylle zerstören, wo doch gleichzeitig der Welt dank Umweltzerstörung und Kaltem Krieg von außen die globale Katastrophe droht.

Glückliche Menschen sucht man vergeblich in der kleinen Siedlung und das, wo nie so viel persönliche Freiheit herrschte wie zu dieser Zeit. Aber Glück ist auch etwas, das nicht unbedingt von alleine kommt, sondern das man sich erarbeitet und für das man aktiv werden muss. Ein Buch, das ernsthafte Themen lebensnah und authentisch präsentiert, dabei aber auch unterhaltsam und komisch ist, was eine in sich stimmige und überzeugende Mischung ergibt.

Rachel Rhys – Fatal Inheritance

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Rachel Rhys – Fatal Inheritance

England, 1948. When Eve Forrester is informed that a certain Guy Lester has mentioned her in his last will, she cannot make any sense of it. Her husband is not very happy about the news, especially since it means his wife will have to travel to southern France to attend the opening of the will alone since he cannot leave work. Mr Lester’s notary Bernard informs the unhappy housewife that she together with Guy’s three children is the heir of a Villa in Cap d’Antibes. None of them is very happy about this, especially since nobody understands how Eve relates to the rich and famous of the Côte d’Azur. Eve prolongs her stay there to find out what had happened and it is obvious from the start that there must be a link to her mother who refuses to talk. The longer she stays and the more she mingles with her new acquaintances, amongst them a famous film star, the farer away Eve gets from her old life. But still, what was Guy Lester’s motivation, what is the secret that had been kept hidden for so long?

Rachel Rhys’ historical novel is the absolutely perfect summer read. Escaping the heat to the south of France to a time long ago and a gorgeous place with villas and parties and people living a life which you don’t find anymore. Added to this, the story comes with a certain mystery which slowly unfolds and finally bursts with a big bang.

First of all, I really liked the protagonist Eve. She is quite a lovable, modest young woman who is fascinated and appalled by what she sees at the Riviera at the same time. The peoples’ lifestyle is so far from her own life that she never really adapts and sticks to her own values and convictions. Even though she is greeted with a lot of hostility and rejection, she doesn’t forget her upbringing and manners. Just like at home, she feels a bit lonely and forlorn which make the reader stay on her side and support her against all the rest. The longer she is away from her husband, the more confident and independent she grows and I really appreciated the woman we see at the end of the novel.

The mystery was also very well played. It is all but obvious what had happened in England long time ago and the small pieces of information you get, just refuse to fall into place. It’s a riddle which takes the complete novel to be solved but when all is finally revealed, it makes perfectly sense and puts everything in a completely new picture.

All in all, an absolute joy to read and to indulge in on a hot summer day.