Sofia Lundberg – Un petit carnet rouge

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Sofia Lundberg – Un petit carnet rouge

Il ne reste plus beaucoup de temps à Doris ; à 96 ans, elle vit seule à Stockholm et la seule personne de sa famille est sa nièce Jenny qui vit à San Francisco. C’est grâce à Skype qu’elles se parlent régulièrement. Mais Doris a peur que le temps ne suffisse pas à tout lui raconter et confier, alors elle prend des notes dans un petit carnet rouge dans lequel elle parle des gens qui étaient importantes dans sa vie, qu’elle a rencontrées et aimées. La vie de Doris touche à sa fin, Jenny vole à Stockholm avec sa fille cadette pour être là pour sa tante tant aimée et pour dire adieu.

Sofia Lundberg est journaliste et vit à Stockholm, « Un petit carnet rouge » est son premier roman qui a connu un grand succès en Suède. C’est une histoire d’une vie pleine d’aventures, de dangers, de succès et de défaites. Mais avant tout, c’est un roman sur l’amour, un amour qui a existé et qui a survécu, mais seulement à distance.

Ce qui m’a plus beaucoup, c’est l’alternance des deux histoires, d’un côté, d’accompagner Doris pendant ses derniers jours et d’autre, de connaître sa vie, peu à peu, dès son enfance. C’était une vie turbulente qui n’était jamais facile mais qui a fait de Doris la personne qu’elle est à la fin de sa vie : une grande dame avec un grand cœur qui a tout vécu et qui peut tant donner.

J’ai vraiment adoré le roman, les personnages sont tellement touchants et aimables qu’on ne veut pas les quitter à la fin. C’est un vrai bijou qu’il ne fallait pas du tout rater et il y a un vœu que la mère de Doris exprime quand elle est encore une petite fille qui montre très bien ce qui rend le roman tellement émouvant : elle lui souhaite

« Assez de soleil pour illuminer tes jours, assez de pluie pour apprécier le soleil, assez de joie pour nourrir ton âme, assez de peine pour savoir profiter des petits plaisirs et assez de rencontres pour savoir dire adieu. »

Melissa Broder – Fische

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Melissa Broder – Fische

Lucy ist fast vierzig und irgendwie herrscht in ihrem Leben Stillstand: seit Jahren arbeitet sie an ihrer Arbeit über Sappho, aber hat den Faden verloren und kommt schon länger nicht mehr voran. Dasselbe gilt für ihre Beziehung mit Jamie, der sich nicht zwischen Zusammenziehen und Familiengründung und mehr Freiheit für sich selbst entscheiden kann. Als ihre Uni Lucy droht, sie rauszuwerfen, und Jamie eine Entscheidung ablehnt, kommt es zu einem dramatischen Beziehungsende und Lucy flüchtet in das Haus ihrer Schwester Annika in Venice Beach. Da diese für mehrere Wochen unterwegs sein wird, bietet Lucy an, sich um ihren Hund und das Haus zu kümmern. Mithilfe einer Liebe/Sex-Therapiegruppe und Tinder beschließt Lucy ihre Probleme zu lösen und herauszufinden, was sie eigentlich wirklich im Leben will. Als sie eines Abends einen attraktiven Schwimmer am Strand trifft, könnte dies genau das Signal sein, auf das sie gewartet hat.

Melissa Broders Roman klingt recht vielversprechend und die Protagonistin machte zunächst auch auf mich den Eindruck, recht sympathisch zu sein und sich leicht mit ihr identifizieren zu können: sie steht an einem entscheidenden Punkt in ihrem Leben, stellt Job und Beziehung in Frage, dazu ist sie als intellektuelle weibliche Figur ein eher seltener Charakter, die einen interessanten Zugang zu der Thematik verspricht. Auch ihre etwas schräge Therapiegruppe verheißt beste Unterhaltung.

Leider war ich von dem Ergebnis nicht ganz so angetan, weil leider das Potenzial für meinen Geschmack nicht wirklich ausgeschöpft wurde und der Roman doch sehr zur seichten Frauenunterhaltung abdriftet. Es war vor allem die Protagonistin, die trotz oder gerade wegen ihrer guten Anlage die Erwartungen nicht erfüllen konnte, da sie sich recht schnell von der intellektuellen Literatin zur oberflächlichen Frau wandelt, deren Ziele im Leben sich auf Kleiderkaufen (noch dazu zu horrenden Preisen), Make-Up und Männern gefallen beschränkt. Sie wirkt einfältig und naiv, was in keiner Weise zu der Figur passt, die zu Beginn des Romans gezeichnet wird. Auch die ausufernden Detailbeschreibungen ihrer Sexpraktiken konnte mich nur mäßig begeistern.

Nach etwa der Hälfte des Romans, die durchaus eine unterhaltsame und komische Zwischenfälle und Dialoge zu bieten hat, die mich begeistern konnten, trifft Lucy auf den mysteriösen Schwimmer, der das Wasser nicht verlassen möchte. Zuerst dachte ich, dass ich etwas falsch verstanden haben müsste. Dann wartete ich auf den Moment, dass Lucy aufwacht und feststellt, dass sie dies alles nur geträumt hat. Doch der kam nicht, die Autorin hat sich tatsächlich eine ausgesprochen bizarre Idee einfallen lassen, die mir jedoch etwas zu phantastisch war, um damit etwas anfangen zu können.

Der Roman polarisiert, es ist leicht nachvollziehbar, dass er Leser von typischer Frauenliteratur gut ansprechen dürfte und ebenso solche, die Phantastik oder magischen Realismus gerne lesen. Mir hätte eine in sich stimmigere Figurenzeichnung und etwas mehr Wirklichkeitsnähe besser gefallen.