E.C. Osondu – Dieses Haus ist nicht zu verkaufen

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E.C. Osondu – Dieses Haus ist nicht zu verkaufen

Weil er einem König das Leben rettete, überlässt dieser dem Großvater ein Stück Land, auf dem er ein Haus baut, ein Haus, das die ganze Familie beherbergen kann. Jeder der Bewohner hat seine eigene Geschichte, wie der Onkel, der keine Musik mehr hören will, Baby, die einst in der Nacht vor der Hochzeit verschwand und nur verschwommen darüber Auskunft geben kann, wo sie war und was sie erlebte. Oder der Soldat Soja, der wegen seines Verhaltens einen bösen Fluch auf sich zog. Ähnlich wie Ndozo, die für den Diebstahl schwer bestraft wurde und ihren Sohn nie mehr im Leben wird sehen dürfen. Onkel und Tanten, ganze Familien, aber auch Witwen versammeln sich in dem Haus und spiegeln so die ganze Gesellschaft es unbekannten afrikanischen Dorfes wieder.

Epaphras Chukwuenweniwe Osondu lebt seit 2004 in den USA und lehr dort kreatives Schreiben. Für seine Kurzgeschichte „Waiting“ erhielt er 2009 den „Caine Prize for African Writing“. Seine nigerianischen Wurzeln treten unverkennbar in seinem ersten Roman zu Tage, wo sonst könnte die Handlung um das wundersame Haus sich abspielen als im Herzen Afrikas?

Die einzelnen Kapitel erzählen jeweils die Lebensgeschichte eines der Hausbewohner. Sie alle hadern mit dem Glück und Unglück, sind verflucht oder wehren sich auf ebensolche Weise gegen ihre Feinde. Das Vorgehen ist wenig subtil, offen werden die vergehen angesprochen, von Betrug und Bestechung über Ehebruch bis hin zu Kindesmord wird die ganze Bandbreite der menschlichen Tragödien nacheinander aufgefahren. Bemerkenswert ist das Vertrauen in Götter, in Heilpflanzen und in Verwünschungen. Einer der harmlosesten Flüche ist noch der gegen einen Konkurrenten:

„wenn du willst, dass dein Feind durch die Prüfung fällt, kannst du sein Gehirn verriegeln. Das geht so: Kauf ein Schloss von Yeti oder Tokoz, schließ es auf und flüstere sieben Mal den Namen deines Feindes und die magische Formel, lesen – vergessen, lesen – vergessen, während du das Schloss abschließt und den Schlüssel wegwirfst. Wenn dein Feind den Prüfungssaal betritt, ist alles Gelesene verschwunden, weil du sein Gehirn erfolgreich verriegelt hast.“

So erleben die Bewohner quasi täglich eine neue Herausforderung, der sie sich jedoch stellen, in dem Wissen, dass der Großvater und das Haus hinter ihnen stehen und dort immer ein Platz für sie sein wird. Doch das Haus, das so vieles gesehen hat und ertragen musste, erleidet schließlich dasselbe Schicksal wie so viele andere in Lagos. Die ehemalige Hauptstadt, eine der jetzt schon größten Städte Afrikas, der man das Potenzial bis 2100 zur größten Stadt der Welt anzuwachsen zuschreibt, platzt aus allen Nähten und erlebt seit der Jahrtausendwende einen ungeheuren Bauboom. Es wird sich zeigen, wie lange dort noch Platz für solche Häuser und deren Bewohner bleibt.

„Dieses Haus ist nicht zu verkaufen“ gibt einen Einblick in eine fremde Welt, fern unserer westlichen Zivilisation. Die Laster und Untaten der Menschen sind dieselben, doch die Reaktionen und der Umgang gänzlich anders. Eine lohnenswerte Lektüre, die einem auch so manches Mal schmunzeln lässt.

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