Rebecca Fleet – The House Swap

rebecca-fleet-the-house-swap
Rebecca Fleet – The House Swap

After the hard time they have gone through in their relationship, Caroline and Francis need a vacation, best without their son Eddie. A house swap seems to be a good idea so they leave Leeds for a week in the suburbs of London. Somehow the house is strange, it looks like nobody actually lives in there, it is absolutely impersonal, almost clinical. But the woman seemed to be nice enough to let her into their own apartment. When Caroline receives a strange message on her cell phone, she is alarmed: did something awake the ghosts of the past? Did her ex affair Carl get in contact again? And who is this strange neighbour Amber who seems to observe them and behaves in a very strange way when she comes to visit them late in the evening. Caroline can sense the danger but she doesn’t know where it is really coming from…

The novel starts at quite some low pace and admittedly I was a bit annoyed because I couldn’t make sense of a lot of things at the beginning. It was obvious that Francis and Caroline had some problems in the past, she had an affair with a colleague, he was addicted to pills, but since this had happened obviously two years before, I didn’t quite understand the relevance of all this for the house swap. And there was this voice talking to Caroline, but it was not clear where it was coming from. I do not really like to be in the dark and not understanding anything.

However, the further you get in the novel and the more you understand, the more thrill you feel and the better the plot gets. Of course you are supposed to run in the completely wrong direction with the assumptions of what is behind all this – eagerly I did – just to learn then that it is not only much more complicated, very cleverly constructed, and also a lot more dangerous for the characters than you would have assumed.

“The House Swap” is a fantastic thriller as soon as you get over the first few pages. It can surprise and offers an especially interesting psychological aspect which is only revealed towards the end.

Éric Vuillard – Die Tagesordnung

Eric-vuillard-die-tagesordnung
Éric Vuillard – Die Tagesordnung

Gut drei Wochen nach Hitlers Machtergreifung lädt er die Granden der deutschen Industrie und Wirtschaft nach Berlin ein. Am 20.2.1933 sitzen alle von Rang und Namen an einem Tisch: Krupp, Opel, Quandt – eine illustre Runde von 24 Reichen, die gerne bereit sind, die Vorhaben des Führers mit großzügigen Spenden zu unterstützen. So leicht wie Hitler und Göring das Geld und die Unterstützung der Industrie bekommen, läuft die Annexion Österreichs fünf Jahre später nicht ab. Aber auch hier zeigen sie taktisches Geschick und den notwendigen Druck, um den kleinen Nachbarn zu überrumpeln und zum Anschluss zu zwingen. Es läuft zwar vieles nicht so wie geplant, aber am Ende zählt das Ergebnis. Planmäßig wiederum gelingt die Täuschung Englands, die der ehemalige Botschafter in London, Joachim von Ribbentrop, dank seiner Menschenkenntnis clever umsetzt. Der Rest ist Geschichte und findet beim Nürnberger Prozess sein Ende.

Éric Vuillard erhielt für seine Erzählung über Hitlers Machtergreifung 2017 den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt. Er liefert keine neuen Erkenntnisse zu den historischen Ereignissen, diese sind weitgehend erforscht und bekannt, was das Buch jedoch lesenswert macht, ist die Selektion von Einzelereignissen, die Vuillard nebeneinanderstellt, um so eine neue Geschichte zu erzählen: die große Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hatte sich lange zuvor angekündigt, man hätte eine Chance gehabt zu reagieren, aber die Welt hat nur zugeschaut.

Für mich weniger interessant sind die historischen Fakten, auch wenn hier Aspekte geschildert werden, die im Allgemeinen nicht zu den wesentlichen Eckdaten der Geschichte gehören. Spannend und reizvoll sind die menschlichen Züge, die Vuillard aufgreift. Wie geschmeichelt fühlen sich die Industriellen, persönlich vom Führer empfangen zu werden. Obwohl er sie warten lässt und sie bereits unruhig zu werden drohen, vergessen sie all dies ob der Hommage, die ihnen dieser Besuch bringt. Sind sie im Alltag Herren über tausende Beschäftigte, machen sie sich hier zum braven Untertan, der sogleich großzügig die Brieftasche zückt. Auch der verzweifelte Versuch Schuschniggs noch ein wenig an seiner Macht festzuhalten, ist bemerkenswert. Die Schmach und Blamage kann er nicht verhindern, aber vielleicht lässt sich doch noch ein wenig Schein wahren. Ganz groß wird Vuillard dann bei dem britischen Premierminister Lord Chamberlain, dessen gute Erziehung von Ribbentrop ausnutzt und den er in eine höchstpeinliche Situation bringt, in der der Lord dennoch die Contenance wahrt.

Auch wenn das Thema schon oft behandelt wurde und auch literarisch immer wieder in neu en Varianten erscheint, lohnt sich Vuillards Text aufgrund seines ganz eigenen Schwerpunkts. Mich haben andere Preisträger des Prix Goncourt schon mehr angesprochen, aber „L’ordre du jour/Die Tagesordnung“ ist durchaus ein Würdiger Sieger.