Liam Callanan – Paris by the Book

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Liam Callanan – Paris by the Book

The sudden disappearance of her husband is nothing new to Leah Eady, he has done it again and again in the almost two decades they have spent together. He needs some time-out for his writing, to gather his ideas. But this time, things are different. She cannot find his “away-note”. He never leaves without a short letting them know that he’d be back again soon. When Robert does not show up again after weeks, Leah and her two daughters are devastated. Some clues lead her to believe that he could be in Paris and thus the three of them head for the French capital. Sometimes things just happen and later you cannot recollect what exactly was the decisive moment, so Leah finally finds herself in Europe owning a lovely bookshop. The longer they stay there, the more they adapt to their new life, a life without Robert. But every now and then, he shows up again. They see him in a picture, they imagine having crossed him in the streets. But: is he even still alive?

The book sounded so lovely that I had to read it. A bookstore in Paris, a kind of extraordinary love story, the frequent allusion to Albert Lampoisse’s short film “The Red Balloon” – these are the perfect ingredients for a great feel-good bitter-sweet story. Yet, it did not completely catch me.

Somehow there were too many breaks in the story, I never knew exactly where it was going too and thus it turned a bit lengthy at times. The characters unfortunately lived too much in the books they read and films they watched to ever find themselves really in Paris and therefore the charm of the town got completely lost.

I liked the way the protagonist and her struggle with the situation are portrayed. Even though I think the construction of their relationship is too awkward to be authentic, the moment of not knowing what happened to her husband and being responsible for two teenagers while coping with your own emotions – that’s all but easy. Figuring out how to survive might lead to extreme decision like going to Paris and starting anew.

All in all, there were lovely passages, but to sum it up: it is too long for the story that’s been told.

Orhan Pamuk – Die rothaarige Frau

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Orhan Pamuk – Die rothaarige Frau

Mitte der 80er Jahre lebt Cem mit seinen Eltern in Beşiktaş, wo sein Vater eine Apotheke betreibt. Als der Vater eines Abends nicht Hause kommt, wissen Cem und seine Mutter bereits, dass er vermutlich wieder festgenommen wurde und erst Jahre später wieder auftauchen wird. Die finanzielle Situation ist nicht einfach und so verschafft ihm sein Onkel am Marmarameer einen Ferienjob in einem Obstgarten, der jedoch nur wenig Geld einbringt. Schnell entschließt sich Cem, bei dem Brunnenbauer Mahmut auszuhelfen, der ihm ein deutlich größeres Gehalt verspricht. Diese Entscheidung wird sein Leben nachhaltig verändern. Nicht nur, dass ihm in dem abgelegenen Örtchen bald schon eine Frau auffällt, der er gnadenlos verfällt und die seine jugendliche Unerfahrenheit ausnutzt, nur um dann zu verschwinden. Nein, Cem wird auch vor eine schwere Prüfung gestellt, die ihm eine Entscheidung abverlangt, an die er jeden Tag in seinem weiteren Leben wird denken müssen und deren Dämonen ihn viele Jahrzehnte später, als er schon längst erfolgreicher Bauunternehmer in Istanbul ist, wieder einholen wird.

Pamuk hat in seinem kurzen Roman so viele Themen untergebracht, dass man sich wundert, wie ihm das gelingen konnte. Die politische Komponente, der Umgang der Regierung mit kritischen Stimmen, die plötzlichen Verhaftungen und Freilassungen, von denen ich zunächst annahm, dass sie deutlich relevanter im Roman werden würden, rücken jedoch schnell in den Hintergrund. Die Verlegung der Handlung in die 1980er Jahre hat sicherlich auch einige Distanz zur aktuellen Situation geschaffen, wenn ich auch bezweifle, dass sich grundlegend etwas zwischen damals und heute unterscheidet.

Cem ist mit seinen sechzehn Jahren auf dem Weg zum Erwachsenwerden. In dieser Zeit fällt sein Vater als Vorbild aus, weshalb er zum auf sich alleingestellt ist bzw. Meister Mahmut für ihn diese Rolle übernimmt. Er bewundert den Brunnenbauer, nicht nur für sein technisches Wissen, sondern auch für sein Durchhaltevermögen als ihn schon alle aufgegeben haben seinen Standtort für Bohrungen anzweifeln. Er hat einen so nachhaltigen Einfluss, dass Cem seine Zukunftspläne ändert – vielleicht auch unter dem Eindruck der Schuldgefühle gegenüber dem Meister.

Die zweite wichtige Person in diesem entscheidenden Sommer ist die rothaarige Frau, die er zunächst nur aus der Ferne bewundert, zu der es ihm aber schnell gelingt, Kontakt herzustellen. Er ist verliebt und schießt alle Warnungen in den Wind und folgt blind seinem Herzen. Man ahnt, dass dies nicht gutgehen kann.

Sie ist es auch, die ihn zu den großen Geschichten der Menschheit führt, in der europäischen Version von Oedipus bzw. der orientalischen Variante von Rostam und Sohrab. So schließt Pamuk gleich mehrfach den Kreis. Die Geschichten um die Söhne, die ihre Väter verloren haben, glauben diese wiederzufinden und doch nur so in ihr tragisches Schicksal geführt werden, diese alten Sagen lässt Pamuk wieder aufleben und sich in Cem neu realisieren. Doch er ist nicht der Sohn, der nach seinem Vater sucht, ihm wird eine andere Rolle zugewiesen werden.

Der Nobelpreisträger von 2006 schafft es einmal mehr seine besondere Rolle zwischen Europa und dem Orient zu unterstreichen. Besonders beeindruckt hat mich die mehrschichtige Erzählung um die Vater-Sohn-Beziehungen, die so zum Herzstück des Romans wird und letztlich immer wieder zu der Erkenntnis führt, dass es grundlegende menschliche Verhaltensweisen und Triebfedern gibt, die wir scheinbar nicht ablegen können und dass unser Schicksal unausweichlich ist, auch wenn wir noch so sehr versuchen, davor zu fliehen.