Matthias Senkel – Dunkle Zahlen

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Matthias Senkel – Dunkle Zahlen

Es gibt Bücher, die einem von der ersten Seite an faszinieren und in den Bann ziehen. In einem Rutsch liest man sie durch und ist dann traurig, wenn sie zu Ende sind. Dann gibt es welche, bei denen man nach wenigen Seiten schon weiß, dass man sie entweder nie beenden wird oder man sie nur pflichtbewusst halbherzig durchliest und schon drei Seiten weiter vergessen hat, was eigentlich drinne stand. Ach ja, dann sind da noch die irgendwie okayen Bücher, die weder besonders beeindrucken noch unsäglich banal sind, aber sicher keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und dann ist da Matthias Senkel Roman „Dunkle Zahlen“, bei dem ich mich schon während des Lesens fragte, ob das ein schlechter Witz ist, irgendwie völlig innovativ oder schlichtweg zu hoch für mich.

Worum geht es? Ja, schon allein diese Frage zu beantworten ist nicht ganz einfach. Zum einen erleben wir die Kubanerin Mireya, die 1985 zur Programmierer-Spartakiade kommt. Leider ist der Rest ihrer Nationalmannschaft verschwunden und sie weiß nicht so recht, was sie jetzt tun soll. Dass sie sich allein auf die Suche in Moskau begibt, war so nicht vorgesehen, aber wo eine Gelegenheit da auch eine beherzte junge Frau. Parallel dazu verläuft die Entwicklung der sowjetischen Computertechnik seit den 1950er Jahren. Nicht dass beides stringent chronologisch oder überhaupt logisch erzählt würde, immer wieder überlagern sich die Geschichten, werden unterbrochen, springen hin und her.

Hat man endlich aufgegeben, eine nachvollziehbare Struktur zu suchen, liefert der Autor plötzlich Definitionen über Definitionen für seinen Titel, unter anderem aus der Numerologie, wo die dunklen Zahlen für die finsteren Mächte stehen und mit dem Tod assoziiert werden oder der Computertechnik, wo hinter einer vorgeblichen (abgerundeten) Null doch noch Werte versteckt sind. Ahhhh, sollte sich hinter dem Buch etwa doch ein noch verborgener Sinn verstecken?

Als sei das nicht genug, folgt irgendwann ein Glossar – Mitten im Buch:

KB – Konstruktionsbüro (Kонструкторское бюро)

KGB – Komitee für Staatssicherheit (Комитет государственной безопасности)

KJuR – siehe: SKJuRPro

KLM – Krutow, Larionow, Makarow (Крутов, Ларионов, Макаров)

KMP – Club junger Programmierer (Клуб молодых программистов)

Aber nicht nur dies, auch Folgendes findet sich:

Wiederkehrende Figuren

Adynatajew, Anton Antonowitsch – Parteisekretär in Wosduchogorsk

Afonja – Barbiergeselle im Hotel Rossija und modebewusster KGB-Mitarbeiter

Akselrod, Maxim Wilenowitsch – Informatiktalent, Reservekader der SBOMOPS

BBajun – mächtiger schwarzer Kater

Letztlich entsteht tatsächlich doch noch so etwas wie ein Gesamtbild: der russische Fortschrittsdrang, die Konkurrenz mit den Amerikanern um die Künstliche Intelligenz. Dass die Spartakiade, die anfangs im Zentrum stand, nur ein Mittel zum Zweck war, verwundert da auch nicht mehr weiter, ebenso wenig die Tatsache, dass beinahe der dritte Weltkrieg ausgelöst worden wäre. Auch die Frage, ob eine Fliege eine Fliege ist oder nicht, wird nebenbei pragmatisch gelöst. Aber ob das alles wahr ist, bleibt letztlich Spekulation, denn die ganze Geschichte ist ja nur eine Rekonstruktion der Literaturmaschine GLM-3.

In russischer Tradition mit großem Repertoire an Figuren, dazu Spionage- und Agententhriller mit Schmuggelei und verschwundenen Personen und Geheimdiensten, einem ganz großen Durchbruch in Richtung Weltherrschaft – es gibt nicht viel, was Matthias Senkel auslässt. Dafür wurde er für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, die Begründung der Jury lautet: „Anarchisch, ironisch, eine sprachlich schillernde Hommage an den Unernst.“. Das fasst es ziemlich gut zusammen, alternativ würde ich es als Vertreter eines post-sowjetischen Dadaismus bezeichnen.

Scott O’Connor – A Perfect Universe

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Scott O’Connor – A Perfect Universe

“A Perfect Universe“ is a collection of ten stories all set in California, yet not the Hollywood California of stars and success, but the part where life is a bit sadder and less full of hopes. It’s about a young man buried under a building which had crumbled, a business woman hated by the other clients in a coffee shop, a relationship which ended and does not provide solace anymore, a woman’s preparation for a big day which ends in a disappointment, a girl hearing voices, a class of men trying to control their emotions and others. Scott O’Connor provides a huge variety of topics, yet all taken right from life. His characters are not the rich and famous, not the especially talented or gifted. It’s the average boy and girl or their grown-up version.

As always in collections of stories, you like some more and others less. I cannot really say why this is the case, since it’s neither due to the topic nor the protagonist that I prefer some. The first one, “Hold On” got me immediately. The man waiting to be rescued, finding comfort and hope in the woman’s voice who is reading out their names, thus signalling them that they are not forgotten but searched for. His anger when the mayor decides to give up and the joy of surviving after all – you could easily feel the emotional rollercoaster Robert went through.

“Interstellar Space” also caught me, but this time there isn’t much hope, it’s a really melancholy story of schizophrenia. Her slowly deteriorating condition is sad to read. She seemed to be bright, joyful and lively and suddenly her mind decides to play tricks on her and have her finished in a hospital, locked-up in her body and the world outside shut out.

One which made me ruminate a bit was “The Plagiarist”. I often wonder if there can be indeed something completely new that can be written or if not rather all has already been said somehow. How can today’s works actually be “original”? There are some plot concepts that you can easily recognize, phrases that have been used again and again – so, what is invented and what is rather copied?