Jan Weiler – Eingeschlossene Gesellschaft

Eingeschlossene Gesellschaft von Jan Weiler
Jan Weiler – Eingeschlossene Gesellschaft

Freitagnachmittag nach Unterrichtsende, nur noch wenige Lehrkräfte sind in der Schule und eigentlich auch schon auf dem Weg ins Wochenende, als es an der Tür des Lehrerzimmers des städtischen Gymnasiums klopft. Ein Vater bittet Klaus Engelhardt, einen strengen Pauker, um ein Gespräch, denn sein Sohn wird die Zulassung zum Abitur nicht bekommen, wenn er nicht von just diesem Lehrer einen Punkt mehr bekommt. Der Vater lässt sich nicht abwimmeln und als er merkt, dass die Kooperationsbereitschaft der Pädagogen recht überschaubar ist, greift er zu einer Waffe, um so seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Unter dem Druck der Situation zeigen plötzlich alle ihr anderes Gesicht, das sie normalerweise hinter der professionellen Fassade verstecken.

Nachdem ich das Hörspiel zu Jan Weilers Pubertier nur mäßig lustig fand und entnervt mittendrin ausgeschaltet habe, war ich etwas skeptisch. Dies war jedoch bei der Eingeschlossenen Gesellschaft völlig unbegründet. Das Hörspiel überzeugt durch boshaften Witz, herrliche Dialoge und einer ins Schwarze treffenden Anklage der vorgeblich besseren Gutmenschen.

Die Figuren, die zunächst als unscharfe Charaktere nur durch ihren Beruf als Lehrer gekennzeichnet sind, entwickeln sich im Laufe der Handlung zu fein ausgearbeiteten Individuen, die allesamt nicht nur überraschen können, sondern eine riesige Bandbreite von gesellschaftlichen und persönlichen Verfehlungen aufbieten können, die einerseits erschreckt, bei genauerem Hinsehen aber eigentlich nur glaubwürdig und lebensnah wirkt. Jeder einzelne muss sich dem Urteil der kleinen Gemeinschaft stellen und aus der vorher noch herrschenden Solidarität wird schnell purer Egoismus, jeder will seine eigene Haut retten und zeigt schnell mit dem Finger auf die anderen.