Marybeth Mayhew Whalen – The Things We Wish Were True

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Marybeth Mayhew Whalen – The Things We Wish Were True

Die Bewohner von Sycamore Glen in North Carolina haben sich in ihrem Leben eingerichtet. Jeder kennt jeden, weiß alles über die anderen und so geht jeden Morgen die Sonne auf und abends wieder unter. Als Jencey nach vielen Jahren plötzlich wieder zurückkehrt, irritiert das ihre früheren Freunde. Urplötzlich hatte sie den Ort verlassen, niemand wusste wohin und was in der Zwischenzeit aus ihr geworden war. Dass sie nun mit zwei Kindern aber ohne Vater wieder bei der Mutter wohnt, weckt Fragen. Ihre damals beste Freundin Bryte hat Jenceys Ex-Freund Everett geheiratet und einen wundervollen Sohn mit ihm bekommen, als Hausfrau und Mutter lebt sie ein beneidenswertes und sorgenfreies Leben. Ein schrecklicher Unfall würfelt die berechenbare und überschaubare Ordnung der Kleinstadt durcheinander, neue Verbindungen reißen alte Wunden auf und bringen ungeahnte und wohl gehütete Geheimnisse an die Oberfläche. Und siehe da: mehr als einer der biederen Bewohner hat eine Leiche im Keller.

Marybeth Mayhew Whalens Roman folgt dem Rhythmus des heißen Südstaatensommers. Eigentlich wollen alle ihre Sorgen vergessen und beim Baden im Pool die Zeit genießen. Doch genau dieser friedliebende Ort ist Ausgangspunkt für das Drama, dass die Kleinstadt einholen wird. Man lernt die Figuren kennen, doch bald schon sind es die kleinen, geradezu nebensächlich dahingeworfenen Andeutungen, die einen aufhorchen und schon ahnen lassen, dass hinter den Fassaden noch eine ganz andere Geschichte lauert. In gemächlichem Tempo nähert sich die Autorin den Figuren, keineswegs zu langsam oder gar langweilig, sondern clever aufgebaut, den Leser in Sicherheit wiegend, bevor eine nach der anderen Keule ausgepackt wird.

Das Figurenkabinett ist breit gefächert und psychologisch durchdacht und überzeugend. Die ehemals besten Freundinnen, die jedoch der anderen schon immer vieles neideten und ihre Freundlichkeit nur vorgeschoben haben; die Mütter, die lieber wegschauen und leugnen, als sich der harten Realität zu stellen; Väter, denen die Rolle sichtlich zu groß ist und natürlich jede Menge Nachbarn, die gerne hilfsbereit sind, aber noch lieber herumschnüffeln, um die kleinen und großen Geheimnisse aufzudecken.

Ein unterhaltsamer Roman über normale, durchschnittliche Menschen, die den äußeren Schein zu wahren versuchen und sich plötzlich doch der Realität stellen müssen.