Virginie Despentes – Vernon Subutex

virginie-despentes-vernon-subutex
Virginie Despentes – Vernon Subutex

QUI EST VERNON SUBUTEX ?

Une légende urbaine.

Un ange déchu.

Un disparu qui ne cesse de ressurgir.

Le détenteur d’un secret.

Le dernier témoin d’un monde disparu.

L’ultime visage de notre comédie inhumaine.

Notre fantôme à tous.

Besser als die Internetseite von Grasset kann man die Frage danach, wer Vernon Subutex, Namensgeber von Virginie Despentes achtem Roman und erstem Band einer Trilogie, nicht zusammenfassen. Eine Legende, gefallener Engel, ein Verschollener, der immer wieder auftaucht, Geheimnisträger und letzter Zeuge, das Gesicht der unmenschlichen Komödie und unser aller Phantom.

Einst war Vernon erfolgreicher DJ und Plattenladenbesitzer in Paris, jeder konnte ihn alles Mögliche zur Musik befragen, doch die Zeiten haben sich geändert und was sich seit einiger Zeit bereits abzeichnete, wird nun Realität: schon länger Sozialhilfebezieher und weitgehend passiv in seiner Wohnung verharrend, fliegt er nun aus selbiger und findet sich plötzlich als Obdachloser auf der Straße wieder. Erster Plan: seine Freunde. Nach und nach sucht er sie auf und kann für wenige Tage jeweils bei ihnen unterkommen. So lernt man auch deren Leben und Schicksal kennen.

Alex Bleach hat ihm immer aus der Patsche geholfen und Geld geliehen, doch der bekannte und erfolgreiche Sänger ist gerade verstorben und kann seinen Freund nicht mehr unterstützen. Die anderen Freunde könnten verschiedener kaum sein: ein gutbürgerlicher Familienvater, eine ehemalige Pornodarstellerin, ein prügelnder Gatte – das ganze Leben und keim Platz für Vernon.

Virginie Despentes fängt das pralle Leben ein. Nicht nur Vernon und seine Freunde, sondern auch die zahlreichen Nebenfiguren– ein Rechtsextremer, eine verschleierte Muslimin, ein Kokaindealer, ein Transsexueller – bieten die ganze Bandbreite der französischen Gesellschaft, wobei sich viele an deren Rand befinden und ausgeschlossen werden von der christlichen, in geordneten klassischen Familienverhältnissen lebenden Mehrheit. Die Autorin ist bekannt für ihre pointierten und direkten Angriffe auf genau diese Masse, die die Augen verschließt vor dem Leid um sie herum und die andere Lebensentwürfe ablehnt und aburteilt.

„Vernon Subutex 1“ wurde unter anderem mit den Prix Anaïs-Nin ausgezeichnet, der Werke für ihre außergewöhnliche Stimme und Originalität sowie der Infragestellung der moralischen Ordnung ehrt. Das ist Virginie Despentes ganz sicher gelungen. Der Roman hat erwartungsgemäß polarisiert, er will gar nicht erst irgendetwas beschönigen und so steht die grausame Realität, vor der man gerne die Augen verschließen möchte, plötzlich vor dem inneren Auge auf. Nicht immer schön zu lesen, manchmal brutal und abstoßend, aber: so ist das Leben nun einmal.