Gideon Samson – Der Himmel kann noch warten

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Gideon Samson – Der Himmel kann noch warten

Viel passiert nicht rund um Belle, wie auch, immerhin liegt sie im Krankenhaus und wird dort auch noch einige Wochen bleiben müssen. Aber auch in einem abgeschiedenen Ort kann man das, was sich tut, festhalten und vielleicht sogar berühmt werden, so wie Anne Frank. Deshalb schreibt sie ihre Gedanken und Erinnerungen auf. Vor allem Erinnerungen aus der Zeit als ihre Eltern noch zusammen waren, es aber schon Anzeichen dafür gab, dass es nicht mehr gut läuft. Besuch erhält sie vor allem von ihrer Mutter, die es immer noch nicht geschafft hat, das Rauchen aufzugeben und auf keinen Fall Belles Vater begegnen will. Der kommt auch regelmäßig vorbei, ein Ausbruch aus seinem neuen Leben. Als Jan zu Belle ins Zimmer gelegt wird, wird sie mit der Frage konfrontiert, was nach dem Leben auf der Erde kommt. Jan ist trotz seines jungen Alters überzeugt, dass es einen Himmel gibt – und dass er nicht mehr lange warten muss, bis er dort auch sein wird.

Obwohl die Krankheit Belles zentral in ihrem Leben ist, wird diese im Buch gar nicht thematisiert. Immer wieder geht es ihr schlecht, sie muss sich übergeben, was sie aber genau hat, bleibt ungesagt, man weiß nur, dass es eine Operation gab und es Belle eigentlich von Tag zu Tag bessergehen sollte. Sie geht tatsächlich mit ihrer Situation besser um, als die Erwachsenen, die sie besuchen kommen. Ihre Mutter ist völlig überfordert, ihre Lebenssituation gibt ihr auch wenig Halt und außer der Tochter hat sie offenbar kaum jemanden, der sie stützen kann. Der Vater scheint im Umgang mit dem langsam zum Teenager heranreifenden Mädchen insgesamt nicht entspannt umgehen zu können. Den Großeltern fällt dies noch am leichtesten, sie akzeptieren das Schicksal und was es mit sich bringt., Leben und Tod gehören nun einmal zusammen, aber man muss ja nicht gleich das Schlimmste erwarten.

Bellas Freundschaften hingegen werden durch ihre Abwesenheit fragil, ihre Freundinnen entfremden sich, die Freundschaft wird infrage gestellt. In einem Alter, in dem physische Nähe zum Erhalt der Verbindung essentiell ist, kann eine wochen- oder gar monatelange Trennung Risse und einen Bruch verursachen. Belle hat noch viel vor, die hat noch nie geliebt, noch nie geküsst, aber sie weiß auch, dass sie das möglicherweise nie erleben wird, auch wenn ihre Familie versucht Optimismus auszustrahlen.

Ein kurzes und intensives Buch, dass für mich sehr glaubwürdig die Stimme einer 12-Jährigen einfängt, mit all ihren Sorgen, Wünschen und Träumen. Immer vor dem Hintergrund, dass das junge Leben womöglich schon bald ausgelöscht wird.