Øistein Borge – Kreuzschnitt

oistein-borge-kreuzschnitt
Øistein Borge – Kreuzschnitt

Der Mord an einem schwerreichen norwegischen Unternehmer bringt den Osloer Kommissar Bogart Bull an die Côte d’Azur. Der alte Axel Krogh wurde jedoch nicht nur einfach ermordet, sondern seine Leiche auch noch mit einem Kreuz geschändet. Ein einfacher Raubüberfall war es offenkundig nicht, denn aus der Villa wurde nur ein kleines, scheinbar unbedeutendes Gemälde gestohlen. Bull und sein französischer Kollege Moulin tappen im Dunkeln, spätestens als wenige Tage später die Tochter des Millionärs ebenfalls ermordet wird, steigt der Druck auf die beiden Ermittler durch die Behörden und die Öffentlichkeit ins Unermessliche. Es gibt keine Spuren, aber die Kreuze auf den Rücken der Toten lassen Bull ahnen, dass mehr als Geldgier hinter den Morden steckt.

Øistein Borge ist die neue Entdeckung am skandinavischen Krimiautorenhimmel. Sein Debüt, das bereits im vergangenen Jahr in Norwegen begeistert aufgenommen wurde, lässt noch einiges von dem Regisseur und Texter erwarten. Er kann hier mit einer cleveren Geschichte, die viele unerwartete Wendungen nimmt und am Ende sauber gelöst wird, überzeugen. Auch sein Protagonist Bogart Bull hat einiges an Potenzial für noch folgende Romane.

Was dem Roman gänzlich fehlt, ist das nordische Flair, was aber im Wesentlichen durch den Handlungsort in Südfrankreich bedingt ist. Erfreulicherweise werden wir nicht mit ausgiebigen Diners gelangweilt und die Landschaftsbeschreibungen sind ebenfalls kein seitenfüllendes Accessoire der Handlung. Hier schon einmal ein großer Pluspunkt gegenüber der überbordenden Masse an Frankreich-Krimis der letzten Jahre. Kommissar Zufall hat nur eine winzige Rolle bei der Lösung des Falls, wenn leider auch entscheidend für die Aufklärung, aber irgendwoher müssen die Impulse ja kommen und es hat hier zumindest die Glaubwürdigkeit des Plots nicht nachhaltig geschädigt. Einziger Makel waren für mich die langen Erzählungen in der Kriegszeit. Zwar waren sie für die Motivation des Mörders essentiell, aber leider für meinen Geschmack etwas zu ausführlich und nur begrenzt spannend und interessant.

Alles in allem jedoch ein überzeugender Krimi, den man in einem Zug durchliest und der die Erwartungen weitgehend erfüllen kann.