Jane Harper – The Dry

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Jane Harper – The Dry

Zwanzig Jahre lang war Aaron Falk nicht mehr in Kiewarra, den kleinen Ort im australischen Outback, in dem er aufgewachsen ist. Doch nun wurde sein Jugendfreund Luke, dessen Frau und ihr Sohn erschossen aufgefunden. Alles deutet auf einen erweiterten Suizid hin. Doch nicht nur diese schreckliche Tragödie beschäftigt die Menschen; als sie Aaron sehen, kocht auch wieder die Gerüchteküche um den Mord an einem Mädchen zwanzig Jahre zuvor hoch. Luke war damals Aarons Alibi und beide wussten, dass ihre gegenseitigen Entlastungen Lügen waren. Offenbar weiß davon aber noch jemand etwas. Aaron hat Zweifel an Lukes Selbstmord und beginnt Fragen zu stellen, was nicht von allen gerne gesehen wird.

Jane Harpers Debüt „The Dry“ (unter demselben Titel inzwischen auch auf Deutsch erschienen), ist ein atmosphärisch düsterer Thriller im australischen Nirgendwo zur Zeit einer Jahrhundertdürre, der den Menschen bereits an den Nerven zehrt. Hier liegt für mich die größte Stärke des Romans, man spürt förmlich, wie die Stimmung am Zerreißen ist und kurz vorm Kippen steht. Geradezu wartet man auf ein furchtbares Gemetzel, dem noch mehr Menschen zum Opfer fallen.

Der Kriminalfall lässt einem lange auf falschen Spuren wandern und die Tatsache, dass man auch nicht weiß, ob man Aaron Falk trauen kann oder ob er selbst an einem Mord beteiligt war, erhöht die Spannung zudem. Erst langsam nähert man sich der Wahrheit, die dann ganz andere Aspekte zu bieten hat als man zunächst vermuten sollte und mit diesen Überraschungen kann die Autorin bei mir wirklich punkten.

Ein Thriller, wie man ihn sich wünscht. Aufgrund Harpers gelungenem Setting finde ich hier auch die Hörbuch-Version besonders empfehlenswert, da man das Flirren der Hitze und die Anspannung der Figuren geradezu greifen kann.

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Buchmesse Frankfurt 2017 – die zweite

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Der Buchmessefreitag stand ganz unter dem Motto Autoren politisch und Bloggerveranstaltungen.

Im Ehrengastpavillon fand am 13.10. ein sogenanntes European Lab Forum statt, bei dem die Rolle von Kultur und Wissen als Mittel zur Wiedererfindung der demokratischen Idee Europas diskutiert bzw. eher betont wurde (schöner ausgedrückt: arme de reconstruction massive au service de la reconquête démocratique et de la revalorisation citoyenne du projet européen/weapon of mass reconstruction for the democratic reinvention of the European project). Ziel der European Lab Foren ist von der passiven Beobachtung wieder in zur aktiven Unterstützung des europäischen Gedankens zu kommen. In Frankfurt gab es dazu 12 Veranstaltungen mit 35 Rednern. Ich hatte mir die mit dem Titel „Democratic crisis, emergency of literature“ angehört, bei der Négar Djavadi, Gaël Faye, Kamel Daoud und Patrick Chamoiseau als Redner geladen waren. Alle vier schreiben auf Französisch, haben aber unterschiedlichen Migrationshintergrund und starke Bezüge auch zu außereuropäischen Ländern, nehmen also eine Zwischenposition ein. Viel Wichtiges und Richtiges wurde gesagt, am meisten hat mich dabei Négar Djavadi beeindruckt, deren Buch „Desorientale“ ich nun wirklich zeitnah lesen möchte. Insgesamt würde ich mir Seiten des Literatur- und Kulturbetriebs in Deutschland mehr politische Einmischung wünschen, in Frankreich ist das deutlich verbreiteter (was man auch daran sieht, dass beim European Lab keine deutschsprachigen Autoren waren).

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Auf der arte Bühne würde zusammen mit Leïla Slimani und Kamel Daoud ihr Film aus der Reihen „Durch die Nacht mit…“ vorgestellt, der morgen, am Sonntag 15.10. um 23:40 laufen wird. Beide sind als Vertreter maghrebinischer Kultur und Literatur Ausnahmen im französischen Literaturbetrieb und zudem als Journalisten mit den spezifischen Fragen rund um Migration und Gesellschaft beschäftigt. Zwei Autoren, die sehr viel zu sagen haben, was man sich durchaus anhören sollte.

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Speziell für Blogger hatten auch mehrere Verlage ein Programm im Rahmen der Buchmesse vorbereitet. Als erstes war ich bei Diogenes, wo man uns einen ausführlichen und sehr interessanten Blick auf das neue Programm gegeben hat. Viele reizvolle Bücher sind in Planung, z.B. wird Diogenes Katrine Engberg auf den deutschen Markt bringen und ein neuer Martin Suter ist angekündigt. Überraschend kam dann plötzlich Klaus Cäsar Zehrer zur Veranstaltung, der über die Entstehung seines Romans „Das Genie“ gesprochen hat.

Kiepenheuer & Witsch hatte für die Blogger eine kleine Gesprächsrunde mit Dagmar Ploetz organisiert, die Gabriel García Márquez Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ neuübersetzt hat. Sie hat viel über die Arbeit eines Übersetzers, auch die Entwicklungen der letzten Jahre und zu Gabriel García Márquez im spezielle berichtet.

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Abschließend hatte Random House noch zur Happy Hour auf der Buchmesse geladen. Der Stand war mit Autoren, Lesern und Verlagsmitarbeitern gut gefüllt und die Stimmung feucht-fröhlich.

Da für mich die Buchmesse damit zu Ende gegangen ist, noch ein Fazit zu zwei Aspekten: Begleitung der Buchmesse im Feuilleton und natürlich Gastland Frankreich.

Etwas enttäuschend fand ich die diesjährigen Literaturbeilagen. Dieselben 4-5 großen Namen französischer Autoren, die auch aktuell bei den großen deutschen Verlagen erscheinen wurden überall besprochen. Außer Houellebecq, Slimani oder Reza fand sich quasi nichts zu entdecken oder was abseits des Mainstreams noch lesenswert wäre. Eine rühmliche Ausnahme bildet jedoch die F.A.Z., die nicht nur sehr ausführlich die aktuelle französische Literatur unter die Lupe genommen hat, sondern auch einen Blick auf die noch nicht übersetzten Bücher, die gerade in Frankreich in aller Munde sind, geworfen hat. Interessant in diesem Zusammenhang ein Artikel in Le Monde, weshalb deutsche Autoren in Frankreich so wenig gelesen werden, hier ist nämlich grade die Diskussion um die Qualität der Übersetzungen entbrannt.

Frankreich als Gastland war meiner subjektiven Empfindung nach einfach überwältigend. Ich glaube so viele hochkarätige Vertreter waren selten bei der Buchmesse präsent und auch das Programm abseits der Messe in und um Frankfurt kann man kaum überbieten. Der Pavillon ist eher eigenwillig gestaltet – zugegebenermaßen wird vermutlich kein Land den Auftritt von Island vor einigen Jahren toppen können – auf den Bühnen waren aber facettenreiche und interessante Veranstaltungen und Gespräche, die auch richtig Lust auf die französische Literatur machten. Die Verkündigung der 2e  Sélection für den Prix Goncourt durch die Jury war hierbei auch deutlicher Ausdruck für den Stellenwert, den man bei unseren Nachbarn der Gastland-Rolle zugesprochen hat.