Toni Morrison – Heimkehr

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Toni Morrison – Heimkehr

USA, 1950er Jahre. Der Soldat Frank Money ist aus dem Krieg in Korea zurückgekehrt. Allein, seine Freunde, mit denen er voller Erwartung zur Army ging, hat er auf dem Schlachtfeld verloren. Die Erlebnisse des Krieges haben ihre Spuren hinterlassen und die Illusion, dass man als Schwarzer, der für das Land sein Leben riskiert hat, nun gesellschaftlich anerkannt wird, muss er schon bald ebenfalls begraben. Ziellos zieht er umher bis ihn die Nachricht erreicht, dass seine Schwester Cee schwerkrank ist. Zum ersten Mal seit Jahren wird er zurück nach Lotus in Georgia gehen, dem Ort, vor dem er einst flüchtete.

Nachdem ich mit großer Begeisterung Toni Morrisons letztes Buch „Gott, hilf dem Kind“ gehört hatte, war ich gespannt auf frühere Werke, die dieselbe Thematik zu anderen Zeitpunkten in der Geschichte der USA thematisieren. Jedoch konnte mich „Heimkehr“ nicht im selben Maße überzeugen, wie dies ihr aktueller Roman getan hat.

Die Geschichte erzählt die aktuelle Situation der beiden Geschwisterkinder parallel im steten Wechsel. Unterbrochen werden beide durch Kindheitserinnerungen, die auch wesentliche Erfahrungen, die für bestimmte Entscheidungen in ihrem Leben relevant waren, aufdecken. Franks Schwierigkeiten, die Kriegserlebnisse zu verarbeiten, die fehlende medizinische Unterstützung und dadurch ausgelöst immer wieder Zusammen- oder Ausbrüche, zeigen besonders gut, wie traumatisiert Soldaten zurückkehren und eine Integration in die Zivilgesellschaft für sie fast unmöglich ist. Cee wiederum, von der Stief-Großmutter von klein auf psychisch wie physisch gequält, wählt die erste Möglichkeit zur Flucht und sieht sich schon bald mann- und mittellos auf sich alleingestellt. Ohne Schutz wird sie als Schwarze, der auch niemand zu Hilfe kommen kann und will, Opfer böser Machenschaften, was sie beinahe ihr Leben kostet.

Die Erfahrungen, die die beiden Geschwister wie auch ihre Freunde aufgrund ihrer Hautfarbe machen, sind vielfältig. Vorurteile und Beleidigungen sind noch das geringste Übel; man versagt ihnen Wohnungen, da man sie in bestimmten Gegenden nicht wünscht. In der Armee, wenn sie ihr Leben riskieren, sind Schwarze wie Weiße gleich, aber im normalen Leben ist in den 1950er ist Segregation nach wie vor eine Realität.

Thematisch interessant mit vielen unschönen Einblicken hätte ich gerne mehr von Cee gehört; mit Frank kann man sich als Leser schwerlich identifizieren, was vermutlich zu dem nicht ganz begeisterten Eindruck beigetragen hat.

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