Fiona Barton – The Child

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Fiona Barton – The Child

During construction works in London, a builder comes across the dead body of a baby. Angela and Nick hope that they will be finally relieved. For almost 40 years now, they have waited for a sign of their daughter Alice back then abducted from the maternity ward. The police investigate all options while journalist Kate Waters is looking for a story to get her career back on track. She quickly uncovers people who lived around the building site area decades before and who might have witnessed something; yet quickly she has to realize that there is much more behind the story than she initially thought. When another woman claims to baby to be hers, Kate and the police do not know whom to believe and that they are about to uncover much more than they suspected.

Fiona Barton tells her story from different perspectives: first of all, we have Kate the journalist who is looking for some kind of heart-breaking story to report and thus to escape being fired like many others from her team. We only get bits and bobs from her private life, a son who refuses to pursue his studies any further, but that’s it. Thus, this character is mainly illustrated through her actions as a journalist. I quite liked her, she not the hard-boiled reporter who doesn’t care about the people she writes about, but tries find a way between securing a good story and not exposing the people involved. On the other hand, we have Angela the mother who has been suffering for 40 years and who is not willing to give up hope to find her daughter. I am not sure if this character is really authentic, that a family and a marriage can survive such a stroke of fate is rather seldom. Emma, the last of the three protagonists remains incomprehensible for a long time and thus keeps suspense of the novel high. Much of what she says does not make sense and her role in the whole story is rather mysterious.

Even though the end is quite foreseeable, it liked the story. It is fast paced and the different perspectives keep you alert on who says what and who knows what. The mystery around the buried baby is solved convincingly even though I wonder of the subplot about the rapists was really required.  I wouldn’t necessarily call it a crime novel or even thriller. It is rather a psychological drama with a lot of suspense to me. And compared to Fiona Barton’s first novel “The Widow”, this is much stronger both in the plot and the characters’ design.

Toni Morrison – Gott, hilf dem Kind

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Toni Morrison – Gott, hilf dem Kind

Lula Ann ist unter keinem guten Stern geboren. Ihre Eltern sind Afro-Amerikaner, deren Haut jedoch fast als weiß durchgeht; als die Tochter jedoch auf die Welt kommt, sind sie entsetzt: wie kann das Kind eine so dunkle Hautfarbe haben? Die Mutter hasst das Baby, der Vater verlässt sie. Lula Ann wächst heran ohne Liebe und Zuneigung; was sie sich am meisten wünscht, ist von der Mutter beachtet oder gar berührt zu werden. Dieser Wunsch führt zu einem bösen Fehler, den sie als Erwachsene korrigieren möchte. Inzwischen ist sie eine erfolgreiche und selbstbewusste Frau, die den Namen zu Bride geändert hat, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Als ihr Freund Brooker sie verlässt und ihr Versuch, den Fehler aus der Kindheit zu korrigieren, scheitert, begibt sie sich auf einen Road Trip, der zugleich in die Vergangenheit und Zukunft führt.

Toni Morrison lässt ihre drei Protagonisten aus ihrer eigenen Perspektive erzählen. Sweetness, Lula Anns Mutter, die unter dem Aussehen des Kindes leidet und es nicht so lieben kann, wie sie eigentlich möchte und die weiß, was es bedeutet in den USA eine Schwarze zu sein. Sie erzieht die Tochter zu unbedingtem Gehorsam: nicht auffallen, immer schön anpassen, um unter dem Radar zu bleiben, und wegzusehen, wenn erforderlich. Aus dem so verschüchterten Mädchen wird langsam eine Frau, die ihre Vorzüge erkennt und sich aus dem engen Korsett lösen kann. Ganz kann sie die Dämonen ihrer Vergangenheit jedoch nicht ablegen und der Wunsch, ihren Fehler wiedergutzumachen, verfolgt sie über viele Jahre. Brooker, der Bride ohne Erklärung verlässt, wird ebenfalls von seiner Kindheit geplagt, die er nie hinter sich lassen konnte und die noch sein Leben als Erwachsener bestimmt.

Die Suche Brides nach Brookers Aufenthaltsort wird zu einer Reise zu sich selbst, mit Zwischenstopps in ganz anderen Lebensentwürfen und Rückblicken, die langsam ein Licht auf das werfen, was unzählige Jahre zuvor geschah.

Toni Morrison, die 1993 mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde, ist für ihre literarische Auseinandersetzung mit dem Rassismus in den USA bekannt. In „Gott, hilf dem Kind“ ist dieses Thema als Ausgangspunkt des ganzen Übels ebenfalls wieder präsent jedoch nicht so prägend wie die Frage nach Schuld und Wiedergutmachung. Das Kind Lula Ann lädt Schuld auf sich ohne sich der Dimensionen des eigenen Handelns bewusst zu sein und wird von dieser Schuld über viele Jahre geplagt.

Mir hat die Geschichte über weite Strecken sehr gut gefallen, jedoch bleiben die Figuren recht eindimensional. Sweetness, Bride und Brooker werden letztlich durch ein Ereignis bestimmt, das den ganzen Charakter überlagert und sie etwas flach erscheinen lassen. Die haben keine Facetten oder gar Widersprüche. Sehr unglücklich war ich mit dem Ende, das zu jeder Soap Opera gehört, aber für anspruchsvolle Literatur zu banal ist.