Michel Bussi – Beim Leben meiner Tochter

michel-bussi-beim-leben-meiner-tochter.jpg
Michel Bussi – Beim Leben meiner Tochter

Ein Hotel am idyllischen Strand, wie gemacht für die junge Familie Bellion mit der bezaubernden Tochter Josapha. Doch dann beginnt der Alptraum: Mutter Liane wollte sich nur kurz auf das Zimmer zurückziehen; als Vater Martial eine Stunde später nach ihr sieht, ist sie verschwunden und im Zimmer eindeutig Spuren eines Verbrechens. Niemand hat die hübsche Französin weggehen sehen. Der Ehemann steht unter Verdacht, obwohl er selbst die Polizei informiert hat. Ein weiterer Mord auf der Insel La Réunion zieht die Schlinge um Martials Hals enger. Als die Polizei ihn verhaften will, flüchtet er mit dem Kind. Eine Hetzjagd beginnt. Was hat der Mann vor und wo ist der Leichnam seiner Frau?

Mein dritter Roman von Michel Bussi konnte leider nicht das halten, was ich mir von ihm versprochen hatte. Waren die beiden Vorgänger – „Die Frau mit dem roten Schal“ und „Das verlorene Kind“ – geprägt von Hochspannung, fehlte mir diese hier etwas. Auch wenn durch schnelle Wechsel und parallel verlaufende Handlungsstränge versucht wird, das Tempo der Handlung hoch zu halten und die Verfolgungsjagd durchaus immer wieder Spielraum für vielerlei Ausgänge lässt, konnten mich vor allem die Figuren nicht überzeugen.

Zunächst die Tochter Josapha. Immer wieder übernimmt schlüpft an als Leser in ihren Kopf und erfährt eine verstörende Diskrepanz zwischen der Innen- und Außensicht. Ein kleines Mädchen, das gerne spielt wird plötzlich zur scharf analysierenden Tochter, die kleinste Details beobachtet und die richtigen Schlüsse zieht. Dies passte für mich in keiner Weise zusammen. Der Perspektivenwechsel war meines Erachtens insgesamt völlig überflüssig für die Handlung. Auch Martial konnte bei mir nur wenig Sympathiepunkte erreichen. Es ist offenkundig, dass er nicht der Mörder ist und mehr hinter der Geschichte steckt, aber dadurch, dass Bussi uns als Leser zu lange von der Auflösung fernhält, kann man für sein Agieren und sein Leid nicht wirklich Mitgefühl aufbringen. So erscheint vieles, was er tut, irrational. Auch die Polizisten sind mir dieses Mal zu eindimensional, um authentisch zu wirken. Gelungen hingegen war die Einbettung der Insel im Indischen Ozean in die Handlung. Sehr viele spezifische Eigenarte der Bewohner und der Topographie fließen mit ein, wodurch der Roman eine ganz eigene Atmosphäre erhält und die Handlung nicht beliebig an einen anderen Ort verlegt we5rden könnte.

Zwar lösen sich am Ende alle Fragen und das Konstrukt der Geschichte war tatsächlich recht interessant ausgedacht, aber insgesamt packt der Roman zu wenig, um wirklich zu überzeugen.

 

Advertisements