Julian Fuhrman – This is How We Talk

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Julian Fuhrman – This is how we talk

An evening in Tel Aviv, Yonatan finds himself outside his home without money and no idea where to go. He thinks deep into the city’s nightlife, with alcohol, women and drugs. How could he end here in the streets between party-goers and protesters? He once had a plan, for the time after his gap year after the IDF, a career as a photographer, a loving wife and a son. But also Lia, his wife, has to find her place and has to cope not only with the demons of her past, but also with the picture she had of her brother. Just like her sister Sharon who tries to forget and not confront all the negative events that happen in her life by filling her day with work.

I struggled a bit with the novel at first. The narrative structure which always alternates between the present and different points in the past was not very easy to sort out at first. However, this gave it a lot more dynamics and made it actually livelier. I found Yonatan’s and Lia’s story quite interesting, especially having two opposite characters approaching the same point of culmination. I can see what the other two characters contributed to the story, but I could have done without them.

What I appreciated most was the fact how Julian Fuhrman caught the atmosphere of Israel. On the one hand, the carefree and light-hearted nightlife in which you can indulge and forget. On the other hand, being threatened by war and confronted with actual bombings is also a part of their life. Likewise, the question if, as an Israeli, you can befriend an Arab – to which extend do political implications limit your personal sphere? The necessary and mandatory service in the army and the need to flee from this time after having completed the IDF – a constant crucial test of the love for your country. The protesters and their fight for affordable housing and food, it was reported worldwide about this movement and Fuhrman thus integrated very mundane aspects in the novel which rendered the characters and the plot authentic. In the centre, of course, the basic conflict between Lia and Yonatan. How can you love joyfully in those circumstances and make you love last?

A novel which traps the attitude towards life of a whole generation.

Amos Oz – Judas

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Amos Oz – Judas

Shmuel Ashs Eltern können dem Sohn wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten das Studium nicht länger finanzieren. So richtig kommt er auch gerade mit seiner Abschlussarbeit über Judas und die Juden nicht voran. Eine Anzeige in der Jerusalemer Universität bringt ihn so im Herbst 1959 in das Haus des kranken Gershom Wald, dem er nachmittags Gesellschaft leisten soll. Ebenfalls im Haushalt lebt Atalja Abrabanel, die zwar deutlich älter ist als er, Shmuel aber sogleich fasziniert. In den kommenden Monaten wird der junge Student nicht nur das Verhältnis von Wald und Atalja ergründen, sondern sich auch politisch und philosophisch mit der Staatsgründung Israels auseinandersetzen und seiner selbstgewählten Frage, ob Judas wirklich der Verräter, zu dem ihn die Geschichte gemacht hat, oder ob er doch der erste Christ war, der Jesus erst in die Position gebracht hat, die Grundlage für eine neue Religion zu schaffen.

Amos Oz, einer der großen Erzähler Israels hat einmal mehr ein monumentales Werk geschaffen, das Christian Brückner erwartungsgemäß überzeugend in elf Stunden Lesezeit umsetzt. Die Länge weist schon daraufhin, dass es nicht nur die Geschichte eines Studenten ist, der sich als Gesellschafter seinen Unterhalt verdienen muss. Wie immer bei Amos Oz findet sich hier sehr viel mehr. Vordergründig eine Liebesgeschichte: Shmuel will Atalja für sich gewinnen, doch sie ist zunächst abweisend, waren schon so viele junge Männer vor ihm im Haushalt und begehrten sie. Der alte Wald hingegen diskutiert die politische Lage des Landes, die Staatsgründung durch Ben Gurion, die Frage nach der Ein- oder Zweistaatenlösung, der Umgang mit den Arabern, die verschiedenen, sich zum Teil widersprechenden Strömungen im noch jungen Land. Und natürlich die Frage nach der Rolle Judas für das Christentum. Immer wieder arbeitet Shmuel an seiner Arbeit, die den Moment der Aufspaltung von Judentum und Christentum behandelt und sich in der Person des Judas Iskariot realisiert.

Mit nur drei Figuren ist der Roman einerseits sehr konzentriert gehalten, auch die Beschränkung auf nur den einen Winter 59/60 als Handlungszeit, der zwar durch Rückblenden in Shmuels Kindheit ergänzt wird, im Wesentlichen jedoch auf diesen Ausschnitt fokussiert, stützt dies. Auf der anderen Seite holt Amos Oz jedoch sehr weit aus und schafft so extreme Gegensätze, zwischen denen die drei Figuren und der Leser hin und hergerissen werden. Judas – ist er der Verräter, der dem Christen den Messias genommen hat oder sollte er als wesentlicher Gründer der Religion eher verehrt werden? Ist eine Aussöhnung zwischen jüdischen und arabischen Israelis möglich, ein friedliches Leben in einem Land oder doch eher die klare Trennung in zwei autonomen Staaten?

Der Roman findet sich auf der Shortlist des Man Booker International Prize 2017, Mirjam Pressler erhielt 2015 den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Übersetzung mit der Begründung, dass die deutsche Ausgabe nämlich gerade nicht nach einer Übersetzung klingt. Weitere Auszeichnungen wie der Internationale Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt 2015 unterstreichen die literarische Relevanz des Romans und des Autors, dem es immer wieder gelingt Fakten und Fiktion überzeugend in seinen Romanen zu verbinden.