Martin Suter -Elefant

martin-suter-elefant
Martin Suter – Elefant

Der Genforscher Roux hat großen vor, nachdem sein ehemaliger Chef ihn um die verdienten Meriten gebracht hat. Glowing Animals sind schon lange keine Sensation mehr, er plant jetzt jedoch einen Elefanten zum Leuchten zu bringen. Das Versuchstier ist auch schon gefunden, ein Zirkus in Finanznöten fragt nicht so genau nach, welche Züchtung ihre Tiere da genau austragen. Doch es kommt zu Komplikationen, der Embryo entwickelt sich nicht richtig, vor allem der Wuchs bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Ob es überhaupt lebensfähig sein kann? Monate später findet der Obdachlose Schoch plötzlich in seiner Wohnhöhle einen unerwarteten Besucher: er traut seinen Augen kaum: ein leuchtender, rosa Minielefant. Doch das Tier scheint krank zu sein. Er sucht Hilfe bei der Tierärztin Valerie, die ebenfalls sofort von dem Tierchen fasziniert ist. Doch wo kommt es her? Sie bringt Schoch und den Minielefanten, den sie Sabu taufen, in eine leerstehende Villa. Sie ahnen, dass es besser ist, den Elefant zu verstecken und sie liegen völlig richtig, denn Forscher Roux lässt sich so leicht nicht austricksen.

Martin Suter erzählt in zwei Handlungssträngen zeitversetzt, zum einen den Beginn der Forschungsarbeiten rund um den rücksichtslosen Roux und den Elefanten im Zoo Pellegrini, die für die Versuche herhalten müssen, sehr zum Leidwesen des burmesischen Pflegers Kaung. Dieser sowie der betreuende Tierarzt schmieden einen Komplott gegen die Forschung. Zum anderen sind wir Monate später bei Schoch und seinem neuen Haustier. Neben den Beobachtungen des Miniaturelefanten kommt hier ach die persönliche Note mit ins Spiel: warum ist der offenbar gebildete Mann auf der Straße gelandet? Und weshalb lebt er dort als Eigenbrötler, wo er offenbar derart empathiefähig ist? Langsam nähern sich die Erzählungen an und man erfährt, wie der Elefant bei Schoch landen konnte.

Auch wenn es die Thematik vermuten lässt, ein wirklich der Genforschung kritisch gegenüberstehendes Buch ist „Elefant“ nicht. Dies scheitert schon allein am niedlichen Ergebnis des Versuchs, den man sich bei Gert Heidenreichs Erzählstimme auch wirklich lebendig vorstellen kann. Etwas, das im Nu alle Herzen erobert taugt nicht als Feindbild. Die ganz persönlichen Geschichten der Figuren stehen ebenfalls hinter dem Elefanten zurück, so dass das Dasein als Obdachloser nicht wirklich thematisiert wird. Tierhaltung im Zirkus, überhaupt der Umgang mit Tieren, wird immer wieder auf unterschiedliche Weise angerissen, bleibt aber letztlich zu peripher, um hier eine wirkliche Aussage zu hinterlassen.

Man wundert sich fast, wie die Geschichte es schafft, einem als Leser zu fesseln. Ein wenig Spannung baut sich durchaus auf, gegen Ende hin wird der Roman sogar regelrecht actionreich. Die Figuren sind es jedoch nicht, diese sind weitgehend stereotyp gezeichnet und kommen über ein-zwei Wesensmerkmale nicht hinaus. Auch wühl der Roman an keiner Stelle wirklich auf oder löst beim Rezipienten Empörung aus. Vielleicht ist es doch einfach der rosa Elefant, der eine so niedliche Stimmung verbreitet, dass man ihn und den Roman liebhaben muss.

Advertisements