Britta Bolt – Der Tote im fremden Mantel

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Britta Bolt – Der Tote im fremden Mantel

Pieter Posthumus ist Amsterdams Mann für einsame Bestattungen. Im „Büro der einsamen Toten“ kümmert er sich um die Hinterlassenschaften derjenigen, die einsam und verlassen aus der Welt scheiden und ermöglich ihnen so einen würdevollen Abschied. Mitten in das große Chaos der globalen „Earth 2050“ Konferenz, die sowohl Globalisierungsgegner wie Umweltaktivisten und Experten in die Stadt gelockt hat, kommt Posthumus nächster Fall: Ein Junkie mit einem viel zu teuren Mantel. Eigentlich Routine, wenn nicht im Mantel die Visitenkarte eines Konferenzteilnehmers gefunden wurde. Und just dieser liegt mehr tot als lebendig im Krankenhaus. Auch in Posthumus Stammkneipe Dolle Hond spürt man die Stimmung der Stadt, Gabrielle Lanting empfängt eine alte Schulfreundin anlässlich der Konferenz; diese ist mit den Großen und Mächtigen der Welt per Du und lässt Gabi am internationalen Flair teilhaben.

„Der Tote im fremden Mantel“ ist bereits der dritte Fall für den extrovertierten Privatermittler Pieter Posthumus (PP). Wie auch schon in den vorausgegangenen Bänden besticht der Roman vor allem durch die kreative und liebevolle Figurenzeichnung. Im Zentrum der Handlung steht PP, der seinen Hang für schöne Kleidung und leckeres Essen gar nicht erst versucht zu verbergen, sondern unvergleichlich auslebt. Sein scharfer Verstand und vor allem seine Erinnerungsfähigkeit lassen ihn schnell die Fakten kombinieren und bisweilen schneller als die Polizei auf die richtige Spur kommen. Diese wird glücklicherweise fernab der Klischees nicht als unfähig oder überfordert dargestellt, sondern hat mit Kommissar De Boer ebenfalls einen intelligenten, sympathischen und überzeugenden Gegenpol (wobei er das eigentlich nicht ist, denn er schätzt PP als ebenbürtigen Ermittlungspartner).

Der aktuelle Fall bleibt für mich jedoch etwas hinter den Erwartungen zurück. Das Hauptmotiv ist mir zu weit weg von der Handlung und wird erst ganz am Ende in den Fokus gerückt. Nebenhandlungen nehmen viel Raum ein und so fehlt mir ein wenig die stringente Verfolgung des Falles. Es werden Spuren angelegt, aber aufgrund der begrenzten Figurenmenge ist recht schnell offenkundig, wer in den Fall verwickelt und möglicher Drahtzieher ist. Die im Klappentext versprochenen „politischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnisse“ werden rasch abgehandelt und nur oberflächlich ausgeführt, da hätte für mein Empfinden das gewählte Thema viel mehr Potenzial gehabt und auch die angelegten Figuren mehr in Erscheinung treten können.

Gelungen wird einmal mehr das typische Amsterdamer Flair eingefangen. Die Handlung ist nicht zufällig in der niederländischen Hauptstadt, sondern wird geschickt mit den örtlichen Gegebenheiten verwoben und diese erstklassig in den Roman integriert. Dies kann über die etwas zu gering ausfallende Spannung hinwegtrösten.

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