Larry Tremblay – Der Name meines Bruders

 

Larry Tremblay – Der Name meines Bruders

Die neunjährigen Amed und Aziz leben in einem Land im Krieg. Doch damit werden sie erst direkt Konfrontiert als eine Rakete der Feinde das Haus der Großeltern trifft und beide dabei ums Leben kommen. Der Vater trauert, aber so ist das Leben nun einmal. Als eines Tages ein Lkw mit mehreren Männern vor dem Haus hält und diese das Gespräch mit dem Vater suchen, ahnen die beiden Jungs bereits, dass dies ihr Leben für immer verändern könnte. Einer von ihnen soll als Märtyrer enden und mit einem Sprengstoffgürtel Rache nehmen. Der Vater muss entscheiden, wem der beiden diese ehrenvolle Aufgabe zufällt. Aziz ist durch eine Krankheit bereits geschwächt und hat vermutlich ohnehin nicht mehr lange zu leben. Amed ist gesund und stark. Aziz‘ Tod wäre kein wirklich Opfer und könnte Gott erzürnen, so fällt die Wahl auf Amed, doch der hat Angst.

Der Roman entwickelt sehr glaubwürdig die Haltung der beiden Jungen. Wie viele Kinder können sie die tatsächliche Lage um sie herum nicht einschätzen und nehmen den Krieg wie ein Spiel wahr. Sie wollen Helden werden und freuen sich auf die große Aufgabe. Doch dann wirken die Erwachsenen auf sie ein und konfrontative Haltungen sollen von ihnen abgewägt werden. Wem wollen sie folgen, Vater oder Mutter? Welche Auswirkungen wird die Entscheidung auf ihr Ansehen vor Gott haben? Können sie ihr Geheimnis bewahren? Man – sprich die Erwachsenen – laden Schuld auf sie, instrumentalisieren ihre eigenen Kinder für einen Krieg, der nicht zu gewinnen ist.

Die moralischen und Gewissensfragen stehen im Zentrum des Romans, weniger die Ereignisse des Krieges oder die Zwänge, die die Clanstrukturen mitsichbringen. Erst am Ende enthüllen sich für den Leser alle Aspekte des Konflikts, so sind alle vorher getroffenen Entscheidungen wieder in Frage zu stellen, ein klassisch tragischer Konflikt, der nicht aufgelöst werden kann.

Der Kürze des Romans ist vermutlich geschuldet, das viele Aspekte nur oberflächlich bleiben, hier hätte die Geschichte meines Erachtens verdient gehabt, detaillierter ausgeführt zu werden. Gerade Ameds innere Zerrissenheit kommt mir zu kurz, sein Leiden und das Gefühl der Schuld hätten interessant werden können.

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