Åsa Ericsdotter – Epidemie

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                                                                Åsa Ericsdotter – Epidemie

Was ist die größte Bedrohung der westlichen Zivilisation? Nicht islamistische Kämpfer, nicht gierige Banker. Nein, man zerstört sich selbst durch unbändige Nahrungsaufnahme und gesundheitsgefährdendes Übergewicht. Der schwedische Ministerpräsident Johan Svärd hat erkannt, dass er etwas unternehmen muss. Sein Land wird das globale Vorbild für die Bekämpfung der Fettleibigkeit werden. Gesundheit, d.h. Schlankheit, steht über allem. Mehr Themen braucht seine Partei nicht, denn, wenn wir unser Leben gefährden, was haben wir dann noch? Programme in Schulen sollen schon bei den Kleinen präventiv wirken, die Erwachsenen erhalten weniger subtilen Druck: wer die Normwerte nicht erfüllen kann, wird seinen Job nicht behalten. Doch eine kleine renitente Gruppe will sich dem Schlankheitsdiktat nicht unterwerfen, drastischere Maßnahmen sind gefragt – auch um den Gewinn der nächsten Wahl zu sichern.

Åsa Ericsdotter hat aus einem der beherrschenden Themen der Zeit einen fast dystopischen Roman geschaffen, der möglicherweise gar nicht so fern der Realität ist, wie man zunächst meinen mag. Der soziale Druck, der auf Menschen jenseits der Norm ausgeübt wird, ist auch heute schon nicht zu leugnen. Dass es für die Gesundheit förderlicher ist, wenn man kein zu hohes Übergewicht mit sich trägt und zudem auf ausreichende Bewegung achtet, ist ebenfalls unbestritten. Wenn sich jemand dieser Thematik bemächtigt und sie in extremo ausreizt, sieht die Lage jedoch schon etwas anders aus. Immer mehr verleiht die Autorin ihren Figuren ein Vokabular, dass alle Alarmglocken schrillen lässt und verdächtig an jenes des Dritten Reiches und der Rassenideologie erinnert, nur dass hier nicht die Hautfarbe sondern der Taillenumfang das maßgebliche Kriterium ist. Und wieder einmal schauen die meisten einfach nur zu oder gar weg. Und viele folgen dem Ruf und lassen sich von der neuen schönen Welt vereinnahmen, denn eigentlich will doch die Regierung nur das Beste für ihre Bürger, oder?

Die Geschichte ist platziert um wenige Figuren herum: Landon, ein junger Forscher, dessen Freundin dem Ruf des neuen Ideals folgt und erliegt und seiner Nachbarin, die mit ihrer kleinen Tochter von den Zwangsmaßnahmen der Regierung bedroht ist. Keine Superhelden, sondern klardenkende Menschen, denen man ihre Sorgen und Agieren glaubt und die durch die Handlung tragen können, da es gerade ihre kleinen Schwächen sind, die sie menschlich erscheinen lassen. Ein in sich stimmiger Roman, der ein schnelles Tempo durch die recht kurzen Kapitel und raschen Wechsel zwischen den Figuren schafft, was stimmig mit dem Inhalt ist und das als „Roman“ bezeichnete Buch eher in Richtung Krimi rückt und Spannung aufbaut.

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